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Coronavirus in der Schweiz+++ Bund meldet 2744 Fälle in 72 Stunden +++ Knapp 3 Millionen Downloads der Swiss-Covid-App

Das Bundesamt für Gesundheit nennt die neusten Zahlen der letzten drei Tage. Schweizer News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit dem 1. März haben Geschäfte sowie einige Kultur- und Freizeitinstitutionen wieder den Betrieb aufgenommen. Gastrobetriebe bleiben weiterhin geschlossen.

  • Die Zahlen zu den Corona-Mutationen aus Grossbritannien, Südafrika und Brasilien steigen an.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

Und hier gelangen Sie zur grossen Übersicht der Impfquoten in den Kantonen: So weit ist die Schweiz mit dem Impfen.

LIVE TICKER

Swiss-Covid-App bisher knapp 3 Millionen Mal heruntergeladen

Die Swiss-Covid-App, die die Nutzerinnen und Nutzer nach Kontakten mit infizierten Personen warnt, ist bisher knapp 3 Millionen Mal heruntergeladen worden. Zahlen des Winters zeigen, dass rund drei von vier generierten Covid-Codes eingegeben und so weitere Nutzer alarmiert wurden.

Foto: Christian Beutler (Keystone)

Das gab das Departement des Innern (EDI) am Montag zur Fragestunde des Nationalrates bekannt. Zwischen dem 1. Dezember 2020 und dem 2. März wurden 44’548 Covid-Codes generiert und 30’176 Codes eingegeben. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie rund 103'600 Codes generiert. Aktuell sind rund 1,7 Millionen Apps aktiv.

Nach einer Mitteilung der Swiss-Covid-App meldeten sich zwischen 1. Dezember und 2. März 6127 Personen beim Informationstelefon und rund 21'500 füllten einen Online-Fragebogen aus. Sie waren zuvor via die App über eine mögliche Ansteckung mit Covid-19 informiert worden.

Arzt in St. Gallen behandelt Corona-Patient mit Chlordioxid

Ein Arzt aus dem Kanton St. Gallen hat einen Patienten, der im Januar am Coronavirus erkrankte, mit Chlordioxid behandelt. Er habe ein Fläschchen mit der Aufschrift «Physio-Lsg O2» erhalten, sagt der Patient gegenüber dem Beobachter. Obwohl Chlordioxid in der Schweiz als Medikament verboten sei und Swissmedic im September explizit davor gewarnt habe. Als es dem 34-Jährigen nach zwei Wochen nicht besser ging, suchte er seinen Hausarzt erneut auf. Dieser empfing ihn ohne Maske. «Obwohl ich stark hustete und wohl noch infektiös war.»

Der Kantonsapotheker hat nun eine Untersuchung eingeleitet. Das Gesundheitsdepartement St. Gallen machte beim Arzt zudem eine unangekündigte Kontrolle. Man habe geprüft, ob der Arzt fachgerecht mit Medikamenten und Betäubungsmitteln umgehe und ob er nur zugelassene Arzneimittel nutze. Wie die Untersuchung ausging, verrät die Behörde aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen nicht. Der Arzt sagt, er habe Chlordioxid nur unter der Hand an Familienmitglieder abgegeben. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Bisher rund 31'000 Härtefallgesuche bei Kantonen eingegangen

Rund 31'000 Härtefallgesuche von Unternehmen sind bis Ende Februar bei den Kantonen eingegangen. Davon wurden gegen 14'000 behandelt und genehmigt. Rund 500 Millionen Franken wurden ausbezahlt.

Hauptsächlich erhielten die Unternehmen A-fonds-perdu-Beiträge. Das gab das Wirtschaftsdepartement (WBF) am Montag in einer schriftlichen Antwort zur Fragestunde im Nationalrat bekannt.

Zudem wurden für gegen 200 Millionen Franken Verpflichtungen eingegangen, wie es in der Antwort weiter hiess. Die Kantone müssen dem Bund regelmässig über die Härtefallhilfen für Unternehmen Bericht erstatten. Erstmals Daten lieferten sie Ende Februar. Aufgenommen wurden alle bis Ende Januar geleisteten Hilfen.

Mittelfristig sicherte das WBF detailliertere Auswertungen zu. Die vollständigeren Daten dürften dann Vergleiche ermöglichen, etwa anhand der Wohnbevölkerung der Kantone oder auf Grund des Bruttoinlandsprodukts jedes Kantons.

Pandemie lässt private Schuldenberge anwachsen

Die Pandemie bringt wegen Einkommensausfällen Budgets aus dem Lot und führt vermehrt zu Verschuldung. Die Schuldenberatungsstellen in der Schweiz stellen deshalb eine Zunahme der Beratungsanfragen fest.

Gemäss einer Umfrage des Dachverbandes der Schuldenberatungsstellen geben 70 Prozent an, dass die Anfragen bei den Fachstellen zugenommen haben, wie es am Montag in der Mitteilung der Schuldenberatung Schweiz hiess. 27 Prozent stellen seit Beginn der Pandemie sogar eine deutliche Zunahme von Anfragen fest. Diese Zunahme der Verschuldung sei auf Einkommensausfälle der Betroffenen aufgrund Kurzarbeit, Stellenverlust und dem Wegfall von Zusatzverdienst-Möglichkeiten zurückzuführen.

Die Pandemie-Krise bringt viele Menschen in finanzielle Nöte.
Die Pandemie-Krise bringt viele Menschen in finanzielle Nöte.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone/Symbolbild)

Laut Mitteilung hat die Konjunkturschungsstelle der ETH Zürich eine Analyse betreffend Auswirkungen der Covid-19-Pandemie durchgeführt. Dabei stellte sie fest, dass sich 11 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen unter 4000 Franken und 6 Prozent der Haushalte mit einem Einkommen von 4000 bis 6000 Franken verschulden mussten, um die laufenden Ausgaben zu decken. Insbesondere haben sich Personen verschuldet, die arbeitslos geworden sind (25 Prozent), selbständig sind (13 Prozent) oder Kurzarbeit beziehen (11 Prozent), wie es heisst.

Die durchschnittliche Verschuldung der Personen, die neu zu einer Beratungsstelle kamen, betrug 71'063 Franken (2018), wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hiess. Das Problem sei dass die Leute erst sehr spät kommen, wenn die Schuldenspirale bereits fest gedreht habe, im Durchschnitt seien dies fünf Jahre nach der Verschuldung. Es sei deshalb sinnvoll, sich früh von einer Fachstelle beraten zu lassen.

BAG meldet 2744 Fälle in 72 Stunden

Dem BAG sind innerhalb der letzten 72 Stunden 2744 neue Ansteckungen gemeldet worden. Am Montag vor einer Woche waren es 2560 Fälle, vor zwei Wochen 2449. Die Positivitätsrate beträgt 4,3 Prozent bei 64'105 neu gemeldeten Tests.

Es gab 100 neue Spitaleinweisungen und 16 Todesfälle. Zum Vergleich: Am Montag vor einer Woche wurden 83 Spitaleinweisungen und 16 Todesfälle gemeldet, vor zwei Wochen 84 Spitaleinweisungen und 26 Todesfälle.

Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen lag bei 4,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 168,75 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag am 26. Februar bei 1,09.

Insgesamt wurden bis zum Mittwochabend 1'190'300 Impfdosen an die Kantone und Liechtenstein ausgeliefert. Davon wurden 884'905 Dosen verabreicht. 300'568 Personen sind bereits vollständig geimpft. Seit Beginn der Pandemie wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 5'262'865 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, wie das BAG weiter mitteilte. Insgesamt gab es 565'034 laborbestätigte Fälle.

Von den mutierten Varianten des Coronavirus sind in der Schweiz bisher 12'913 Fälle entdeckt worden. 4180 betrafen die britische Variante (B.1.1.7), 176 die südafrikanische (B.1.351) sowie 6 die brasilianische (P.1).

23'812 Personen mussten bisher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich auf 9347. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich nach Angaben des BAG 10'172 Menschen in Isolation und 16'361 Menschen in Quarantäne. Zusätzlich befanden sich 3721 Personen in Quarantäne, die aus einem Risikoland heimgekehrt waren.

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14-Tages-Inzidenz der Kantone:

Hier finden Sie die Übersicht der Impfquoten: So weit ist die Schweiz mit dem Impfen.

Umfrage: Mehrheit mit Corona-Massnahmen einverstanden

Eine Mehrheit der Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge mit den behördlichen Massnahmen gegen das Coronavirus einverstanden. In der Westschweiz ist der Anteil jener, der die Massnahmen ablehnt, deutlich grösser als in der Deutschschweiz.

In der Umfrage von Marketagent Schweiz unter 1004 Personen aus der Deutsch- und Westschweiz im Alter von 14 bis 74 Jahren gaben 55 Prozent an, sie seien mit den behördlichen Massnahmen sehr oder eher einverstanden. Zwischen den Geschlechtern gab es kaum Unterschiede.

Seit dem 6. Juli 2020 gilt in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Schweiz eine Schutzmaskentragpflicht.
Seit dem 6. Juli 2020 gilt in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Schweiz eine Schutzmaskentragpflicht.
Foto: Ennio Leanza (Keystone/Symbolbild)

26 Prozent der Befragten waren bei der Einschätzung unentschlossen. 19 Prozent lehnten die Massnahmen eher oder voll und ganz ab. Die Meinung zu den Massnahmen hängt der Umfrage zufolge etwa von der politischen Gesinnung, dem Bildungsniveau und auch vom Geschlecht ab. Die repräsentative Umfrage wurde vom 4. bis 15. Februar 2021 durchgeführt.

Lesen Sie auch: Der Bundesrat hat die Bevölkerung auf seiner Seite

Bündner Schulen starteten mit Massentests

An den Schulen im Kanton Graubünden haben am Montag regelmässige Massentests gegen das Coronavirus begonnen. Tausende Schulkinder und Lehrpersonen können sich ab sofort wöchentlich auf das Virus testen lassen. Gemäss dem Kanton ist die Teilnahme an den Spucktests freiwillig.

Das Gesundheitsamt Graubünden will mit den Massentests Infektionsketten stoppen und den Präsenzunterricht aufrecht erhalten, wie es am Montag mitteilte. Deshalb würden Schulkinder nun wöchentlich zum Speicheltest gebeten. 19'000 Schülerinnen und Schüler aus allen Altersstufen machen laut dem Kanton bei dieser Aktion mit.

Bei dem Testverfahren wird laut Mitteilung den Kindern und Lehrpersonen ein Röhrchen mit Salzwasser abgegeben. Die Lösung müssen sie während sechzig Sekunden gurgeln, und diese zurück ins Röhrchen spucken. Die Lehrperson mischt schliesslich die Proben der ganzen Klasse zusammen.

In den Bündner Schulen werden Corona-Speicheltests angewendet.
In den Bündner Schulen werden Corona-Speicheltests angewendet.
Foto: Alexandra Wey (Keystone/Symbolbild)
Seco rechnet mit Zunahme der Kurzarbeit

In der Schweiz wird das Angebot der Kurzarbeit weiterhin stark in Anspruch genommen, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie noch während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020. Kurzarbeitsgelder fliessen vor allem an die von den Corona-Massnahmen des Bundes stark betroffenen Betriebe aus dem Gastgewerbe und dem Detailhandel.

Der Schweizer Arbeitsmarkt wird durch Corona auf eine harte Probe gestellt. Die Arbeitslosenquote ist angestiegen und liegt im Februar mit 3,6 Prozent so hoch wie zuletzt vor fünf Jahren, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Montag mitteilte. Vor einem Jahr war sie noch auf einem sehr tiefen Stand von 2,5 Prozent.

Trotz Krise sei die Schweiz von einer Kündigungswelle verschont geblieben, betonte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, an einer Telefonkonferenz. «Wir sehen weder eine Konkurswelle noch ist eine Zunahme von Massenentlassungen zu beobachten.» Im Februar seien aus den Kantonen Massenentlassungen von nur 18 Betrieben mit 1'058 Stellen gemeldet worden. Das liege klar unter dem Durchschnitt der letzten Monate.

Kurzarbeit sorgt für Stabilität

Für Stabilität am Schweizer Arbeitsmarkt sorgt laut Zürcher das Instrument der Kurzarbeit. Es helfe, die negativen Folgen der Coronakrise auf die Wirtschaft am Arbeitsmarkt abzufedern. Beim Seco rechnet man derzeit wieder mit einem Anstieg der Kurzarbeit.

Vergangenen April hatten mit 1,3 Millionen rund ein Viertel der Beschäftigten der Schweiz Kurzarbeitsgelder bezogen. Seit diesem Höchststand sind die Bezüge wie auch die Anmeldungen auf Kurzarbeitsentschädigung bis im Spätsommer zurückgegangen. Doch seit dem Ausbruch der zweiten Coronawelle und den von den Behörden erneut verordneten Massnahmen ziehen sie wieder an.

«Insgesamt wird die Kurzarbeit im Zuge des zweiten Lockdowns aber weniger stark genutzt als noch im Frühjahr 2020», sagte Zürcher. Hatten im September rund 250'000 Arbeitnehmende Kurzarbeitsgelder erhalten, gab es laut aktuellsten Zahlen im Dezember knapp 300'000 Bezüger.

Ein ganz wichtiger Mann in der Pandemie: Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Seco.
Ein ganz wichtiger Mann in der Pandemie: Boris Zürcher, Leiter der Direktion Arbeit beim Seco.
Foto: Anthony Anex (Keystone/Archiv)

Deutschland nicht mehr auf der BAG-Liste

Das BAG hat die Liste der Länder mit einem erhöhten Infektionsrisiko aktualisiert. Dabei wurden Destinationen wie Chile, Kuwait, die Malediven oder diverse Regionen in Österreich und Italien erwähnt. Nicht mehr auf der Liste figurieren Kolumbien, Panama und alle Regionen in Deutschland. Die Lise trete ab heute in Kraft, teilt das BAG weiter mit. (Hier geht es zur Liste mit den Risikoländern).

Leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit im Februar

Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist im Februar nach dem Anstieg der vergangenen Monate überraschend leicht zurückgegangen.

Ende Februar waren 167'953 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos gemeldet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft mitteilt.

Im Februar 2020 kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie waren 50'131 Personen weniger bei den RAV als arbeitslos registriert als zuletzt.

Lesen Sie mehr dazu: Arbeitslosigkeit geht überraschend leicht zurück

Schweizer Hotellerie ins Jahr 1950 zurückkatapultiert

Die Coronakrise hat sich bei den Schweizer Hotelübernachtungen auch im Januar manifestiert. So haben in dem Monat in den Schweizer Hotels erneut deutlich weniger Gäste eingecheckt als im Vorjahr. Gegenüber dem Vorjahr brachen die Übernachtungen in dem Monat um rund 58 Prozent auf noch 1,3 Millionen ein, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte.

Das waren etwa 1,8 Millionen weniger als in der Vorjahresperiode. Damit ging der Krebsgang auch zu Beginn des neuen Jahres weiter. Im 2020 haben die Logiernächte wegen der Coronapandemie einen historischen Tiefststand erreicht. Die Schweizer Hotellerie wurde in das Jahr 1950 zurückkatapultiert. Wegen der Einreiserestriktionen blieben vor allem die Gäste aus dem Ausland aus.

Die Hotellandschaft von St. Moritz im Januar. (Symbolbild)
Die Hotellandschaft von St. Moritz im Januar. (Symbolbild)
Foto: Giancarlo Cattaneo (Keystone)

Auch im Januar fiel der Rückgang bei den ausländischen Gästen besonders stark ins Gewicht. Hier kamen knapp 80 Prozent weniger als vor zwölf Monaten, es wurden nur noch 307'000 Logiernächte verbucht. Aber auch die inländischen Gäste generierten mit lediglich 574'000 Übernachtungen rund 37 Prozent weniger.

Eventbranche verliert Milliarden

3,2 Milliarden Franken hat die Schweizer Eventbranche im Pandemie-Jahr 2020 verloren. Dies zeigen neue Zahlen, die dem «SonntagsBlick» vorliegen. Demnach schätzen die Branchenverbände den Umsatzeinbruch im Vergleich zu 2019 auf 57 Prozent. Fast 4500 Stellen – jede Fünfte in der Branche – gingen verloren.

«In unserer Branche herrscht seit längerem das Prinzip Hoffnung», sagt Christoph Kamber, Präsident des Verbandes Expo Event. Seit einem Jahr würde man mit einem faktischen Berufsverbot arbeiten und blute langsam aus.

Nun hofft die Branche, dass das Parlament im Rahmen des Covid-Gesetzes eine Absicherung für geplante Veranstaltungen genehmigt. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats sieht dafür 350 Millionen Franken vor.

Tausende demonstrieren in Chur gegen Corona-Massnahmen

In Chur haben am Samstag über 4000 Personen gegen die Behördenanordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie demonstriert. Kundgebungen dieser Art fanden bereits in anderen Schweizer Städten statt, aber mit geringerer Teilnahme.

Aufgerufen zum Protestmarsch für eine verhältnismässige Corona-Massnahmenpolitik hatte der Verein «Stiller Protest». Die Demonstration wurde von der Churer Stadtpolizei unter Auflagen bewilligt. Bedingung für die Durchführung der Kundgebung war unter anderem eine Maskentragpflicht.

Der Demonstrationszug durch Chur am Samstag wurde angeführt von Personen in weissen Schutzanzügen.
Der Demonstrationszug durch Chur am Samstag wurde angeführt von Personen in weissen Schutzanzügen.
Foto: Keystone/SDA

Der friedliche Protestmarsch durch die Churer Altstadt beeindruckte durch seine Länge. Nach Angaben der Stadtpolizei marschierten über 4000 Personen schweigend durch die Gassen. Zeitweise machten sich Leute mit einem rhythmischen Klatschen bemerkbar. Viele Kundgebungsteilnehmer hatten sich weisse Schutzanzüge übergezogen.

«Wir brauchen keinen Polizeistaat»

Auf dem Marsch brachten die Demonstrierenden ihre Anliegen vor allem mit Aufschriften zum Ausdruck. Auffällig oft auf hochgehaltenen Tafeln zu lesen stand: «Finger weg von unseren Kindern». Andere schrieben «Stopp Diktatur» auf einen Karton. Wiederum andere forderten: «Wir brauchen keinen Polizeistaat». Zudem wurden Fahnen mit dem Schweizer Kreuz geschwungen.

Über 4000 Personen versammelten sich in Chur, auch das Wetter machte mit.
Über 4000 Personen versammelten sich in Chur, auch das Wetter machte mit.
Foto: Keystone/SDA

Den Versammlungsschluss bildete der Auftritt mehrerer Redner auf der Churer Quaderwiese. Dabei wurde vor allem Kritik an der Politik des Bundesrates geäussert.

Einen Auftritt hatte auch der Prättigauer SVP-Grossrat Ruedi Weber. Dessen Rede zur Corona-Situation hatte unlängst im Bündner Kantonsparlament hatte für Aufsehen gesorgt, auch und überwiegend im Internet. Weber wurde gelobt, weil er den Leuten angeblich aus dem Herzen gesprochen hatte.

Gegner der Corona-Massnahmen versammeln sich in Chur
In Chur formiert sich derzeit eine Corona-Demonstration. Masken sind nur vereinzelt zu sehen. Die Stadtpolizei Chur hat die Demo bewilligt und wird sie begleiten.
Sieben-Tages-Schnitt im Kanton Bern steigt

Der Kanton Bern hat am Samstag 103 neue Coronafälle gemeldet – einen mehr als am Freitag und sieben weniger als vor einer Woche. Die Zahl der Covid-19-Todesfälle verharrte bei 999.

Ganz leicht gestiegen ist im Vergleich zur Vorwoche der Sieben-Tages-Schnitt bei den Infektionen. Zwischen dem 21. und dem 27. Februar betrug er 92 pro Tag, nun sind es 93.

Der Kanton Bern meldete am Samstag auf seiner Corona-Internetseite weiterhin 62 mit Covid-19 hospitalisierte Personen. 17 davon liegen auf der Intensivstation. Diese Zahlen wurden seit Freitag nicht aktualisiert.

Patienten aus Tschechien in der Schweiz?

Angesichts überlasteter Spitäler prüft Tschechien die Verlegung von Corona-Patienten in europäische Länder. Prag stehe dazu bereits mit Deutschland, Polen und der Schweiz in Kontakt, sagte Gesundheitsminister Jan Blatny am Freitag gegenüber der Agentur AFP. Diese Länder hätten die Aufnahme Dutzender Covid-19-Patienten aus Tschechien in Aussicht gestellt.

Tschechien hat momentan die höchste Rate an Corona-Neuinfektionen weltweit und die zweithöchste Corona-Todesrate. Bei Bedarf können die Regionalregierungen nun niedergelassene Ärzte für den Dienst in den überfüllten Spitälern rekrutieren. Ausserdem wurde beschlossen, auch Studierende mit dem Fach Medizin zur Verstärkung der Stationen einzusetzen.

Eine Sanitäterin bereitet sich in der tschechischen Stadt Kladno auf den nächsten Corona-Einsatz vor.
Eine Sanitäterin bereitet sich in der tschechischen Stadt Kladno auf den nächsten Corona-Einsatz vor.
Foto: Martin Divisek (Keystone/4. März 2021)

Expertenteams führen den massiven Anstieg der Fallzahlen in Tschechien auf verspätete Gegenmassnahmen der Regierung, eine schnelle Verbreitung der zunächst in Grossbritannien entdeckten, ansteckenderen Virusvariante und viele Verstösse der Bürger und Bürgerinnen gegen Corona-Restriktionen zurück. Seit vergangenem Jahr sind Treffen nur noch mit einer begrenzten Zahl von Menschen erlaubt und Restaurants geschlossen. Ausserdem gilt eine nächtliche Ausgangssperre.

Die Restriktionen sind aber nicht so umfangreich, wie während der ersten Welle. Diese Woche begann eine Testkampagne: Alle Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern müssen diese auf das Coronavirus testen, ab kommender Woche sind die Beschäftigten staatlicher Stellen an der Reihe.

Polizei büsst Verweigerer von Masken in Genf

Die Glarner Kantonspolizei hat am Donnerstagabend an einer Kundgebung 17 Ordnungsbussen zu je 100 Franken wegen Verstössen gegen die Maskentragpflicht ausgestellt.

Verteilt wurden die Bussen während der wöchentlich durchgeführten und bewilligten Kundgebung «Lünds lüchte und lüte» auf dem Rathausplatz in Glarus. Etwa 150 Personen nahmen daran teil, wie die Kantonspolizei am Freitag mitteilte.

Die Polizei führte eigenen Angaben zufolge eine Kontrolle der Maskentragpflicht durch. Zwei Personen seien überdies von der Veranstaltung weggewiesen worden, hiess es weiter.

Die Glarner Polizei hat Maskenverweigerer gebüsst.
Die Glarner Polizei hat Maskenverweigerer gebüsst.
Foto: Kapo Glarus/Keystone (Symbolbild)
Nationalratskommission präzisiert Maulkorb für Taskforce

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) ist auf ihre Forderung zurückgekommen, dass die Task-Force nicht mehr öffentlich informieren dürfe. Am Freitag hat sie sich nun dafür ausgesprochen, dass die Information nur über den Präsidenten erfolgen dürfe.

Gemäss dem neuen Antrag soll die Kommunikation der Task-Force nach aussen ausschliesslich durch den Präsidenten, derzeit Martin Ackermann, erfolgen, wie die Parlamentsdienste mitteilen. Zudem soll die Information der Task-Force nur in Rücksprache und in zeitlicher Abstimmung mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) erfolgen.

Der Entscheid, die Forderung anzupassen, fiel allerdings mit 12 zu 11 Stimmen knapp aus.

Bei ihrer letzten Sitzung zur Beratung des Covid-19-Gesetzes am 27. Februar hatte die Kommission noch verlangt, dass die wissenschaftliche Taskforce des Bundes sich gar nicht mehr zu Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus äussern solle. Die Information der Öffentlichkeit solle nur noch durch Bundesrat und Parlament erfolgen.

BAG meldet 1222 neue Fälle

Dem BAG sind am Freitag 1222 neue Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden. Gleichzeitig registrierte das BAG 12 neue Todesfälle und 61 Spitaleinweisungen.

Am Freitag in der Vorwoche waren dem BAG 1065 neue Coronavirus-Ansteckungen, acht neue Todesfälle und 45 Spitaleinweisungen gemeldet worden.

Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen lag bei 4,8 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 163,88 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag vor rund zehn Tagen bei 1,04.

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Insgesamt wurden bis vorgestern Abend 1'190'300 Impfdosen an die Kantone und Liechtenstein ausgeliefert. Davon wurden 884'905 Dosen verabreicht. 300'568 Personen sind bereits vollständig geimpft. Seit Beginn der Pandemie wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 5'198'760 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, wie das BAG weiter mitteilte. Insgesamt gab es 562'290 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Fälle mit mutierten Viren

Von den mutierten Varianten des Coronavirus sind in der Schweiz bisher 12'210 Fälle entdeckt worden. 4070 betrafen die britische Variante (B.1.1.7), 171 die südafrikanische (B.1.351) sowie sechs die brasilianische (P.1). 7963 Fälle konnten keiner Variante eindeutig zugewiesen werden.

23'712 Personen mussten bisher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich auf 9331. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich laut Angaben des BAG 10'110 Menschen in Isolation und 16'110 Menschen in Quarantäne. Zusätzlich befanden sich 3743 Personen in Quarantäne, die aus einem Risikoland heimgekehrt waren.

BAG registriert 133'896 neue Impfungen in den letzten 7 Tagen

Bis und mit Mittwoch sind in der Schweiz innert Wochenfrist 133'896 Impfdosen gegen Covid-19 verabreicht worden. Dies geht aus den Angaben hervor, die das BAG am Freitag auf seiner Website veröffentlichte.

Pro Tag wurden damit durchschnittlich 19'128 Impfungen durchgeführt. Im Vergleich zur Woche davor sank die Impfkadenz um 3 Prozent.

Insgesamt wurden bis Mittwoch 884'905 Impfungen durchgeführt. Bislang sind 300'568 Personen vollständig geimpft, das heisst 3,5 Prozent der Bevölkerung haben bereits zwei Impfdosen erhalten. Bei 283'769 Personen wurden bislang nur die Erstimpfung durchgeführt.

Bereits an die Kantone ausgeliefert, aber noch nicht eingesetzt, sind momentan 305'395 Impfdosen. Zudem sind noch 117'100 Impfdosen beim Bund gelagert.

Hier finden Sie die Übersicht der Impfquoten in den Kantonen: So weit ist die Schweiz mit dem Impfen.

Gesundheitsdirektoren unterstützen Bundesrat bei Lockerung

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) unterstützt weiterhin die Strategie einer schrittweisen, kontrollierten Öffnung des Bundesrats. Das sagte GDK-Präsident Lukas Engelberger nach einem Treffen mit Bundesrat Alain Berset.

«Wir müssen wachsam und handlungsfähig bleiben, um flexibel reagieren zu können», sagte Engelberger am Donnerstag vor den Medien. Er forderte das Parlament auf, die Handlungsfreiheit des Bundesrats bei Entscheiden zu Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus nicht einzuschränken.

Vertreter der Kantone und des Bundesrats tauschten sich regelmässig aus, sagte Engelberger. «Es ist normal, dass wir konsultiert werden.» Die GDK beklage sich nicht. Im Hinblick auf den Hauptansatz zur Bekämpfung der Corona-Pandemie seien die Kantone mit dem Bundesrat einig. Die GDK fordere zurzeit keine regionalen Lockerungen.

Zur Wachsamkeit zählt aus Sicht von Engelberger auch ein vermehrtes Testen. Bundesrat Berset wies darauf hin, dass derzeit im Schnitt 20'000 Personen pro Tag gegen das Coronavirus geimpft werden. Er bekräftigte, das Ziel sei weiterhin, dass sich bis im Sommer alle Personen impfen lassen können, die das wollen.

Bundesrat Alain Berset, rechts, und der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK.
Bundesrat Alain Berset, rechts, und der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

sda/reuters/red

6070 Kommentare
    Daniel Schmidli

    Vor zwei Woche hiess es aus Österreich: "Besorgniserregende Trendwende bei den Neuansteckungen". Heute hiess es : "Besorgniserregender Anstieg bei den Covid-Patienten auf der Intensivstationen". So schnell kann es gehen bei den Mutationen. Und dass, obwohl Österreich mit Abstand am meisten testet.