Credit Suisse wird wegen Affäre Khan international zum Gespött

Die Geschichte der missglückten Verfolgung von Iqbal Khan entwickelt sich zum Reputationsproblem für die Grossbank: Weltweit berichten Medien über den Fall.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam kommt wegen der Affäre rund um Iqbal Khan unter Druck.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam kommt wegen der Affäre rund um Iqbal Khan unter Druck.

(Bild: Keystone Walter Bieri)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Die Affäre rund um Iqbal Khan, Tidjane Thiam und die missglückte Verfolgung durch Detektive ist eine der absurdesten Geschichten, die sich je im Kosmos der Schweizer Bankenwelt abspielte. Sie hat alles für eine ordentliche Seifenoper: einen Streit zwischen zwei mächtigen Männern, einen Nachbarschaftsstreit im Villenviertel an der Goldküste und eine Verfolgungsjagd.

Der Credit-Suisse-Krimi beschäftigt nicht nur die Öffentlichkeit in der Schweiz seit Tagen. Medien auf der ganzen Welt berichten mittlerweile über den Beschattungsskandal und seine wenig ruhmreiche Vorgeschichte.

Gestern legte etwa die «Financial Times» in einem langen Artikel nach. Sie beschrieb die Vorkommnisse an der Party zu Jahresbeginn, an der Thiam und Khan offenbar aneinandergerieten. Den Streit zwischen den beiden hatte vorgestern diese Zeitung aufgedeckt. Doch bereits vor der Party soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein, wie das britische Wirtschaftsblatt schreibt.

Die Affäre sei in Zürich zu einer tickenden Zeitbombe geworden, sagte ein Investor der «Financial Times». Die Credit Suisse habe Schaden davongetragen. Genüsslich schrieb die Zeitung denn auch von: «Verfolgungsjagd und ein Streit bei Cocktails: Die Auswirkungen bedrohen CEO Tidjane Thiam.»

Stoff für Spionageroman

Ein Kommentator der «Financial Times» spricht gar davon, dass die Geschichte eines John Le Carré würdig wäre. Le Carré hat Spionageklassiker wie «Dame, König, As, Spion» oder «Der Spion, der aus der Kälte kam» geschrieben. Den Plot der Credit-Suisse-Version beschreibt die Zeitung mit folgenden Worten: «Ein heftiger Streit in der Nähe der Schweizerischen Nationalbank zwischen einem Bankier für die Milliardäre dieser Welt und einem Privatdetektiv, der ihm auf der Spur war.»

Auch das altehrwürdige «Wall Street Journal» nahm den Fall auf. Es blieb dabei ganz sachlich. «Die Credit Suisse führt eine Untersuchung der Überwachung eines Topmanagers durch», lautete ein Titel diese Woche. Anders die französische Wirtschaftszeitung «Les Echos». Sie titelte: «Die abenteuerliche Verfolgung bringt die Credit Suisse in Verlegenheit».

Bei der US-Nachrichtenagentur Bloomberg spricht man mittlerweile von einem «Boulevardskandal» im Hause Credit Suisse, der zu einer Bedrohung für Thiam werde. Sogar die norwegische Wirtschaftszeitung «Dagens Næringsliv» nimmt die Geschichte auf. Sie schreibt von «grossen Egos und einem erbitterten Nachbarschaftsstreit». Die Liste lässt sich fast beliebig erweitern. «The Times», «The Telegraph», «New York Times»: Sie alle berichteten über die Posse. Und auch auf der anderen Seite des Erdballs, in Australien, wird der Krimi inmitten der Schweizer Bankenwelt breitgetreten.

Mittlerweile ist die Geschichte für die Credit Suisse also vor allem peinlich. Ein Rufschaden ist absehbar, und zwar nicht nur für die Grossbank, sondern für den gesamten Schweizer Bankenplatz. Für Khan wird die Affäre zudem zur Belastungsprobe: Am nächsten Dienstag hat er seinen ersten Arbeitstag bei der UBS.

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