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Bald wieder Zuschauer? «Man muss wissen, wer wo sitzt»

Daniel Kochs Aussagen zu Fussballspielen mit Zuschauern haben aufhorchen lassen. Am Montag hat er sie präzisiert. Derweil wird in den kommenden Tagen über die Zukunft des Schweizer Fussballs entschieden.

Diktiert nun auch der Super League die Geschwindigkeit: Daniel Koch, Delegierter für Covid-19 des Bundesamts für Gesundheit.
Diktiert nun auch der Super League die Geschwindigkeit: Daniel Koch, Delegierter für Covid-19 des Bundesamts für Gesundheit.
Alessandro della Valle (Keystone)
Noch gilt die Regel, dass bei Fussballspielen keine Zuschauer zugelassen sind…
Noch gilt die Regel, dass bei Fussballspielen keine Zuschauer zugelassen sind…
Peter Klaunzer (Keystone)
…doch bis zu einer vollen Fankurve wie hier in Basel ist es noch ein weiter Weg.
…doch bis zu einer vollen Fankurve wie hier in Basel ist es noch ein weiter Weg.
Fabrice Coffrini (Keystone)
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Die Aussage löste einen kleinen Sturm aus, tags darauf folgte die Präzisierung. Daniel Koch, Delegierter des Bundesamtes für Gesundheit im Bereich Coronavirus, hatte am Sonntagabend im «Sportpanorama» gesagt, er könne sich vorstellen, dass Sportveranstaltungen mit Zuschauern bereits ab Juli wieder möglich seien – sollten sich die Fallzahlen so gut entwickeln, wie bisher. Am «point de presse» am Montag dann präzisierte Koch seine Aussage. «Man muss wissen, wer wo sitzt – das ist das einzige, was wirklich wichtig ist», sagte er. Das Contact-Tracing habe oberste Priorität, egal, welche Veranstaltungen man umzusetzen gedenke. Damit impliziert Koch, dass Stehplätze bei allfälligen Spielen mit Publikum schon per se keine Möglichkeit sind.

Koch führte das Gedankenexperiment eines Fussballspiels mit 10’000 Zuschauern und einem Corona-Fall an. «Wenn man genau weiss, wer wo gesessen ist, schickt man 20, 30, vielleicht 50 Leute in Quarantäne.» Wisse man das nicht, so müsste man theoretisch alle 10’000 Besucherinnen und Besucher krankheitshalber verwahren. Das sei kaum möglich.

Die forschen Aussagen kommen für viele völlig unerwartet. Geisterspiele schienen gerade noch die einzige Möglichkeit, die Saison beenden zu können. Als Markus Lüthi, Präsident des FC Thun, letzte Woche andachte, schon ab dem Sommer bei einem Spiel 5000 statt 10’000 Zuschauer zuzulassen, wurde ihm vorgeworfen, den Sinn für die Realität verloren zu haben.

Umsetzbar, aber …

YB- CEO Wanja Greuel spricht von einer positiven Überraschung, einem schönen Zeichen. Er mache deshalb aber keine Jubelsprünge. Denn: «Steigt die Zahl der Neuansteckungen in den nächsten Tagen wieder, sind solche Überlegungen rasch obsolet.»

Ähnlich tönt es bei anderen Clubs, euphorische Stimmen sind keine zu vernehmen. «Natürlich ist das ein positives Zeichen. Allerdings ist die Idee, nur eine bestimmte Anzahl Zuschauer zuzulassen, in der Praxis aus verschiedenen Gründen kaum realisierbar», sagt etwa FCZ-Präsident Ancillo Canepa. «Ich persönlich möchte auch keine Selektion vornehmen. Besonders unsere Fans in der Stehkurve würden keinen Zutritt erhalten. Und das ist für mich ein No Go.»

Stadtrivale GC lässt über Sprecher Adrian Fetscherin verlauten, dass die Äusserungen zwar verlockend klingen, aber «viele Fragen offen lassen». Aber der Grundtenor, der stimme auch die Grasshoppers «durchgehend positiv.»

Der FC Basel teilt mit, dass die Thematik mit allfälligen Spielen vor Zuschauern im Juli im Moment noch sehr hypothetisch sei. Und die Swiss Football League lässt verlauten: «Wir nehmen die Aussagen mit Interesse zur Kenntnis. Wichtig für das weitere Vorgehen sind nun die nächsten Entscheide des Bundesrats zu den Lockerungsschritten. Fallen diese positiv aus, entstehen Perspektiven, und wir werden uns für weitere Gespräche mit den Behörden in Verbindung setzen.»

Dass bis auf weiteres nur Sitzplätze angeboten werden könnten, hält Greuel für umsetzbar, bei YB mache man sich schon länger über solche Szenarien Gedanken, zumal bei europäischen Spielen jeweils keine Stehplätze zugelassen sind. Er meint aber auch, man könne kaum verhindern, dass ein Zuschauer während des Spiels seinen Platz verlasse. «Wobei», sagt Greuel, «die Bevölkerung ist mittlerweile sehr sensibilisiert im Umgang mit dem Virus.»

Zuversichtlich, dass die Saison fortgesetzt wird

Am Mittwoch gibt der Bundesrat definitiv bekannt, ob Profispiele im Juni wieder möglich sind, am Freitag dann entscheiden die zwanzig Clubs der Super und Challenge League an einer ausserordentlichen GV über die Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebs ab dem 20. Juni. Die Frage ist nun, ob Kochs Aussage gar Einfluss auf die Abstimmung hat.

Greuel, ein grosser Befürworter der Wiederaufnahme der Saison, sagt, sie könne zumindest nicht schaden, wichtiger sei aber, dass die Bundesliga gerade beweise, dass es möglich sei, die Saison trotz Corona fortzuführen. Greuel sagt, er sei zuversichtlich, dass sich die Clubs am Freitag fürs Weiterspielen entscheiden.

Koch selber war es ein Anliegen, am Montag noch einmal festzuhalten, dass er mit seinen Gedanken nur eine Diskussion anstossen , nicht aber einer Entscheidungsfindung zuvorkommen wolle. Ganz allgemein gelte es, Konzepte für grössere Veranstaltungen zu diskutieren. «Man muss solche Konzepte jetzt erarbeiten, wenn die Fallzahlen tief sind.»

Mitarbeit: kay/mrm