Zum Hauptinhalt springen

Erkältung im Corona-JahrDarf ich bei Schnupfen, Husten oder Fieber noch zur Arbeit?

Für die anstehende Erkältungszeit gelten während der Pandemie besondere Regeln. Firmen müssen deswegen mit höheren Ausfällen kalkulieren.

Eine normale Erkältung oder Covid-19? Diese Frage kann nur ein Test klären.
Eine normale Erkältung oder Covid-19? Diese Frage kann nur ein Test klären.
Getty Images

Husten und Fieber gibt es jeden Herbst. Doch diesmal schwingt bei jedem Huster die Frage mit, ob dahinter das neue Coronavirus steckt. Deswegen könnte auch ohne eine zweite Pandemie-Welle die bevorstehende Erkältungszeit das Wirtschaftsleben durcheinanderbringen: Wer letztes Jahr bei einem einfachen Husten erst einmal normal weitergearbeitet hat, darf das dieses Jahr nicht.

«Ein Test wird bereits bei Husten empfohlen», sagt Daniel Dauwalder vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ein blosser Schnupfen sei dagegen kein genügendes Kriterium – auch wenn einige Schulen ihre Schülerinnen selbst dann zum Test schicken. Auf seiner Website zum Coronavirus listet das BAG unter den häufigsten Krankheitssymptomen drei wesentliche Punkte auf:

  • Akute Atemwegserkrankung (Halsschmerzen, meist trockener Husten, Kurzatmigkeit, Brustschmerzen)
  • Fieber
  • Plötzlicher Verlust des Geruchs- und/oder des Geschmackssinns

Es kann jedoch Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie je nach Alter geben. Wer es genauer wissen will, geht am besten eine Online-Checkliste des BAG durch. Etwa: Frau, 35 Jahre, mit Husten, aber ohne Fieber, nicht schwanger, ohne Kontakt mit Menschen aus der Risikogruppe in Beruf und Familie sowie ohne wissentlichen Kontakt mit einer Person, die positiv auf Covid-19 getestet wurde. Doch auch bei diesem Check kommt für diese Frau wie auch für alle anderen mit Fieber oder akuten Atemwegserkrankungen oder Verlust des Geschmackssinns am Schluss des Schnellchecks die Empfehlung: testen, testen, testen.

Und nach dem Testen? Zu Hause bleiben und abwarten. «Falls der Test negativ ist, empfiehlt das BAG, bis 24 Stunden nach Abklingen der Symptome nicht zu arbeiten», sagt Dauwalder. Bei einem positiven Test soll die Person isoliert werden. «Es ist im Moment nicht geplant, diese Empfehlungen zu ändern.» (Lesen Sie hier über die Diskussion um einen etwaigen Strategiewechsel.)

Mit der Erkältungszeit steht jetzt der grosse Praxistest dieser BAG-Empfehlungen bevor. Schicken Arbeitgebende ihre Angestellten mit Halsschmerzen wirklich nach Hause? Auch wenn sie dort nicht im Homeoffice arbeiten können?

Bei Gidor, der grössten Coiffeurkette der Schweiz, heisst es: ja. «Wenn Mitarbeitende krank sind, weisen wir darauf hin, den Arzt anzurufen und die Situation zu schildern», sagt Sprecherin Gisela Bühlmann. Das bedeutet dann auch, dass Coiffeusen, die letzten Herbst noch mit Schluckweh Haare schnitten und föhnten, nun zu Hause bleiben und auf ihr Testergebnis warten müssen.

Personalplanung im Krisenstab

Genauso soll das auch auf dem Bau gehandhabt werden, wie Implenia-Sprecherin Eva Heimrich betont. Um bei einem positiven Testergebnis eines Mitarbeiters die Quarantäne der Arbeitskollegen möglichst zu vermeiden, sollen die Hygiene- und Abstandsregeln strikt eingehalten werden. Denn laut BAG müssen «nur Personen, mit denen die erkrankte Person in engem Kontakt stand» in angeordnete Quarantäne.

Dennoch: Es dürfte allein durch Mitarbeitende, die zu Hause auf ihr Testergebnis warten, zu vermehrten Arbeitsausfällen kommen. «Um Engpässe in den Filialen zu vermeiden, vor allem in den kommenden Wintermonaten, haben wir sogenannte Springer, welche flexibel in den Filialen aushelfen», erklärt Gidor-Sprecherin Bühlmann.

Beim Detailhändler Migros gibt man sich gelassen: «Sind die Fallzahlen wieder auf demselben Niveau wie im Frühjahr, machen wir uns keine allzu grossen Sorgen, dass reihenweise Mitarbeitende von der Arbeit fernbleiben werden», sagt Sprecher Marcel Schlatter. Während der ersten Welle seien die Krankheitsfälle nämlich nicht höher als während einer gewöhnlichen Grippesaison gewesen. «Selbstverständlich sind aber die Personalplanung und mögliche Ausfälle ein Bestandteil unserer Krisenstabsarbeit.»

30 Kommentare
    Dahlia Meier

    Mit Fieber ging und geht man eifach nicht arbeiten. Gesunder Menschenverstand hilft wohl am meisten!