Das Geschäft mit den SBB-Tickets auf Rechnung

Wer seine Billette online oder via App kauft, kann neu auch per Rechnung zahlen. Der Haken: Bei Kunden ists beliebt, beim Verkäufer weniger.

Das GA gibts bereits seit einiger Zeit auf Rechnung: Zugbegleiter bei der Swiss-Pass-Kontrolle. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Das GA gibts bereits seit einiger Zeit auf Rechnung: Zugbegleiter bei der Swiss-Pass-Kontrolle. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Schweizer zahlen nicht gern per Kreditkarte. Sogar wenn sie online einkaufen, ziehen sie es vor, am Schluss eine Rechnung zu begleichen. 80 Prozent der Schweizer wählen bei Onlinebestellungen diese Option, wie Zahlen des Marktforschungsinstituts GFK zeigen. Das sind so viele wie nirgends sonst in Europa. Die Kreditkarte oder den Bezahldienst Paypal nutzen nur 15 Prozent.

Für die SBB wurde das zum Problem. Denn ihre online oder per App bezogenen Billette mussten bis vor kurzem per Debit- oder Kreditkarte bezahlt werden. Unterdessen haben die SBB aber reagiert. Schliesslich möchten sie die Passagiere dazu bringen, ihre Billette vermehrt online oder per App zu kaufen. Auch weil es billiger ist, eine Website oder eine App zu betreiben, als Schalterangestellte zu bezahlen.

Eine ältere Dame fordert deshalb die Passagiere seit einiger Zeit von Plakaten aus dazu auf, ihre Billette doch online zu kaufen. Die Kunstfigur Yvette Michel ist die Werbebotschafterin fürs Digitale bei den SBB. Sie sagt etwa: «Sie wollen das Billett nicht mit der App kaufen? So viel Zeit hätte ich auch gerne.» Oder seit neuem auch: «Sie haben keine Kreditkarte? Eine Adresse reicht auch.»

Seit einem halben Jahr können online gekaufte SBB-Billette nämlich auch per Monatsrechnung beglichen werden. Die SBB sprechen von einem «Kundenbedürfnis». SBB-Sprecher Reto Schärli sagt, mit der zunehmenden Nutzung der Online-Verkaufskanäle hätten sich immer mehr Kundinnen und Kunden einen Billettkauf auf Rechnung ­gewünscht. Kunden beispielsweise, die keine Kredit- oder Debitkarte haben oder diese nicht als Zahlungsmittel im Internet verwenden möchten.

Der Haken: Kauf auf Rechnung ist zwar bei Kunden sehr beliebt, beim Verkäufer aber weniger. Er muss Rechnungen erstellen und verschicken, den Eingang überprüfen, allenfalls Mahnungen versenden. Er hat also zusätzlichen Aufwand. Dazu kommt das Ausfallrisiko.

10'000 Billette täglich

Um diesen Aufwand zu umgehen, haben die SBB für den Billettverkauf auf Rechnung einen Partner gesucht. Den Zuschlag erhalten hat Byjuno, ein 2015 gegründetes Zuger Unternehmen, das zur Intrum-Gruppe gehört. Das Modell funktioniert wie folgt: Der Kunde kauft bei den SBB seine Billette, und Byjuno schickt ihm Ende Monat eine Rechnung. Anschliessend zahlt Byjuno den vom Kunden geschuldeten Betrag direkt den SBB zurück, und zwar unabhängig davon, ob der Kunde seine Rechnung sofort begleicht oder nicht. Anschliessend ist Byjuno dafür verantwortlich, den ausstehenden Betrag beim Kunden hereinzuholen. Die SBB erhalten ihr Geld also garantiert, entschädigen aber im Gegenzug Byjuno für den Aufwand und das Risiko.

Laut den SBB ist die zusätzliche Zahlungsmöglichkeit beliebt. Sie werde rege genutzt, schreibt SBB-Sprecher Schärli. Mike Strahm von Byjuno sagt, täglich würden mehr als 10'000 Billette mit Byjuno bezahlt. Insgesamt hätten sich über 100'000 SBB-Kunden für die Option Kauf auf Rechnung registriert. Der erwartete Zahlungsausfall liege dabei zwischen 1 und 3 Prozent, was etwas tiefer sei als im Durchschnitt.

Bevor ein Kunde die Option nutzen kann, stimmt er einer Bonitätsprüfung zu. Diese Aufgabe delegiert Byjuno dann an die Intrum AG. Relevant seien für den Kreditentscheid lediglich Bonitätsdaten und keine Einkommensdaten, sagt Strahm. Damit sei Byjuno weniger streng als Herausgeber von Kreditkarten. Diese müssten sich an das Konsumkreditgesetz halten. Das heisst, dass etwa auch die Höhe des Einkommens eine Rolle spiele. Bei Byjuno ist das nicht der Fall. Kunden, die keine Kreditkarte erhalten, können also unter Umständen dennoch SBB-Billette auf Rechnung kaufen.

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