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Jetzt ist es definitivDas Gurtenfestival 2020 ist abgesagt

Der Bundesrat verlängert das Veranstaltungsverbot, damit gibt es diesen Sommer keine Open Airs. Der Entscheid war überfällig.

Ende Gelände für die Festivals. Der Sommer 2020 wird zum Desaster. Hier das Gurtenfestival 2017 beim Konzert von Züri West.
Ende Gelände für die Festivals. Der Sommer 2020 wird zum Desaster. Hier das Gurtenfestival 2017 beim Konzert von Züri West.
Foto: Raphael Moser

Mit einem Gurtenfestival hat längst niemand mehr gerechnet. Spätestens seit das Paléo in Nyon und das Montreux Jazz Festival am 16. April ihre diesjährigen Open Airs abgesagt haben, war der Fall eigentlich klar. Nun hat der Bundesrat entschieden, dass das Veranstaltungsverbot bis Ende August verlängert wird. Und somit ist es auch definitiv: Der Sommer 2020 wird weitgehend kulturfrei.

40’000 Tickets bereits verkauft

Die Konzertveranstalter trifft es durch den langen Vorlauf besonders hart. Laut Co-Leiter Simon Haldemann hat das Gurtenfestival bis Ende Februar bereits rund die Hälfte der Tickets verkauft. Das viertägige Festival hat in pandemiefreien Jahren eine Kapazität von 20’000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag, das ergibt 40’000 verkaufte Eintritte.

Zusammen mit den anderen grossen Musikfestivalveranstaltern hat das Gurtenfestival beschlossen, 90 Prozent des Ticketpreises zurückzuerstatten. Alternativ können Ticketbesitzerinnen und -besitzer ihr Billett ohne Verlust gegen einen Gutschein für nächstes Jahr umtauschen. Ende Mai soll der Rückgabeprozess beginnen.

Druck auf den Bundesrat

Der Entscheid war überfällig. Die Festivals hatten seit Wochen auf einen Entscheid gedrängt, damit die ungewisse Situation nicht immer höhere Kosten verursachen würde – für Veranstaltungen, die letztlich nicht stattfinden können. Besonders, nachdem Deutschland bereits vor zwei Wochen den Open-Air-Sommer abgesagt hatte, stieg bei den Veranstaltern das Unverständnis für die zögerliche Haltung.

Aus rechtlichen Gründen wollten die Open Airs nicht von sich aus annullieren. Denn: Wenn der Bundesrat die Grossveranstaltungen pandemiebedingt verbietet, werden diverse Verträge wegen «höherer Gewalt» obsolet. Nebst den Tickets betrifft dies Verträge mit Bands sowie mit Zulieferern, von Bühnenbauern über Bierlieferanten bis Essensstand-Betreiber. Hätten die Festivals von sich aus abgesagt, hätten sie noch weit höhere finanzielle Schäden riskiert.

Auch Buskers und Seaside Festival abgesagt

Anders haben etwa die Organisatoren des Paléo-Festivals ihre vorzeitige Absage begründet: Nachdem viele Bands ihre Tourneen abgesagt hatten, stützen sie sich auf eine «Unmöglichkeit der Leistung» gemäss dem Obligationenrecht. Das war etwa für das Gurtenfestival unmöglich: Bis zum Bundesratsentscheid hatte erst eine deutsche Band ihre Tournee mit Halt in Bern abgesagt.

Nebst dem Gurtenfestival sind zahlreiche weitere grosse Kulturveranstaltungen betroffen. Darunter auch das Strassenkultur-Festival Buskers, das am 6. bis 8. August stattgefunden hätte. Zahlreiche weitere Openairs dürfen nicht stattfinden, so auch das Seaside Festival in der Spiezer Bucht. Die Organisatoren haben das Festival gemäss Medienmitteilung «verschoben» – sie wollen nächstes Jahr ein Programm bieten, das dem abgesagten diesjährigen möglichst identisch ist.

Bereits in den September verschoben wurde das Stars of Sounds Aarberg. Das Festival in Murten wurde schon Anfang April abgesagt.