«Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe»

Kulturredaktor Martin Burkhalter über einen Film, der bei ihm aus einstiger Begeisterung Ernüchterung auslöste.

Schlecht gealtert: «Forrest Gump»

Schlecht gealtert: «Forrest Gump»

(Bild: PD)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Ach, wie toll das war. 25 Jahre ist es jetzt her, dass ich diese Sätze das erste Mal hörte und zu lieben begann: «Dumm ist der, der Dummes tut.» Oder «Mama konnte immer alle Sachen so erklären, dass ich sie verstehen konnte», und natürlich jener Satz, der mir die Tränen in die Augen trieb, wie kaum ein anderer das je in einem Film konnte: «Ich bin kein kluger Mann… Aber ich weiss, was Liebe ist.»

Ach, Forrest Gump. Genau vor einem Vierteljahrhundert kam er in die Kinos. Und meist während der Feiertage zeigten die Sender den zwei Stunden und 22 Minuten langen Feel-good-Movie immer und immer wieder. Herrlich war das. Und die Welt war noch so einfach: «Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiss nie, was man kriegt.»

Als ich unlängst den Film wieder geschaut habe, trat an die Stelle der einstigen Begeisterung schnell einmal Ernüchterung. Der Film ist so durch und durch brav, dass es einem ungut wird.

Das ist alles so harmlos und nett gestaltet, dass einem sogar der Vietnamkrieg wie ein Ferienlager vorkommt: «Das Gute an Vietnam war, dass man immer was zu tun hatte.» Der ganze Wahnsinn von 40 Jahren amerikanischer Zeitgeschichte wird so gezeigt, als wären immer nur die anderen schuld.

Und: Der Film feiert ein Strammstehen und eine Art Konservatismus, der heute etwas grausig wirkt: Der dumme, aber brave Mann wird dadurch zum Helden und wohlhabenden Mann, indem er mitläuft und, ohne Fragen zu stellen, jene Wege geht, die man ihm vorschreibt.

Dazu kommt, dass die einzige politische Aussage, die nach Rebellion tönt, im Film gar nicht zu hören ist. In Washington hält Gump eine Rede an einer Antikriegsveranstaltung. Leider hat einer den Stecker des Mikrofons gezogen.

Auf einschlägigen Websites ist der Satz jedoch zu finden. Ach, es ist ein Gump-Satz, den man nur lieben kann, trotz allem: «Manchmal, wenn Menschen nach Vietnam gehen, kehren sie ohne Beine zu ihrer Mama zurück. Manchmal kommen sie gar nicht nach Hause. Das ist nicht gut. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe.» Seufz.

Aare, Wasser, Tränen: In dieser Rubrik schreiben wir, wie Kultur und Kleinigkeiten uns nachhaltig zu bewegen vermögen.

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