Das Köppel-«Gemetzel»

Das Gedränge der Kandidaten ist bei der Zürcher SVP besonders gross.

Sein langer Schatten fällt schon auf viele Zürcher SVPler: Roger Köppel.

Sein langer Schatten fällt schon auf viele Zürcher SVPler: Roger Köppel.

(Bild: Keystone)

Daniel Schneebeli@tagesanzeiger

Über «Weltwoche»-Chef Roger Köppel hört man von den SVP-Kantonsräten meist nur Gutes. Gestern hielt sich die Euphorie in Grenzen, denn Köppel ist  jetzt in der SVP und wird auf der Nationalratsliste zum übermächtigen Konkurrenten. Kommt dazu, dass wohl Ständeratskandidat Hans-Ueli Vogt und womöglich auch noch Therese Schläpfer aus Hagenbuch einen Platz vor all den ambitionierten Kantonsräten bekommen. Aufgegeben hat bereits Anita Borer. Ihr sind Nationalratswahlen auch ohne Köppel ein Graus. Sie durfte vor vier Jahren auf Platz 2 starten und landete schliesslich auf Platz 17. «Ich konzentriere mich jetzt aufs Gemeindeparlament Uster und auf den Kantonsrat», sagt sie.

Martin Arnold (51), Gemeinde­präsident von Oberrieden, will zwar nochmals antreten, doch nur, wenn der Platz gut ist – sonst lässt er einen anderen ran. Ähnlich denkt Barbara Steinemann(38): «Ich ziehe mich zurück, wenn ich keine faire Chance bekomme.» Steinemann ist erste Ersatzfrau und könnte schon heute in den Nationalrat nachrücken, wenn Toni Bortoluzzi(68) vorzeitig zurückträte. Doch der will seinen Sessel nicht für eine junge Juristin räumen. Wortkarg gab sich gestern Claudio Zanetti(47), der sich schon seit Jahren für die SVP aufopfert. Er ärgerte sich lediglich darüber, dass im kantonalen Schulblatt SP-Regierungsrätin Regine Aeppli im Hurra-Stil abgefeiert wird – ohne eine einzige SVP-Stimme.

Offen Kritik übte der Hüntwangener Gemeindepräsident Matthias Hauser.Wenn Köppel an der Spitze kandidieren könne, werde das weder von den Zurückgesetzten noch von den Wählern goutiert. «So kommt es bei uns zum Gemetzel.» Ein Opfer könnte Hauser selber sein. Der Parteipräsident aus dem Bezirk Bülach kandidiert nämlich auch. Doch für ihn ist schon die Konkurrenz aus Bülach beachtlich: Multimillionär Hans-Ulrich Lehmann, Haudegen Claudio Schmid und vor allem Routinier Hans Fehr.

Ein Erfolgserlebnis hatte SVPler Hans-Peter Amrein. Einer seiner Anträge wurde mit Stichentscheid von Ratspräsdidentin Brigitta Johner (FDP) gutgeheissen, nachdem die Abstimmung 88 zu 88 ausgegangen war. Zu verdanken hat er den Erfolg dem Grünen Ralf Margreiter. Er muss wegen eines Rückenleidens derzeit im Parterre auf einer Pritsche liegen. Als über Amreins Antrag gestimmt wurde, schaffte es Margreiter nicht rechtzeitig an den Nein-Knopf – trotz des Rufs von Fraktionschefin Esther Guyer.

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