Der gute Tag des Calle Andersson

Der schwedische Verteidiger mit Schweizer Lizenz erzielt beim 3:2-Erfolg des SC Bern über die ZSC Lions zwei Tore. In der Champions Hockey League wird er auf Malmö mit Vater und Vorbild Peter treffen.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Ausgerechnet Malmö. Calle Andersson sieht sich die Auslosung der Achtelfinals in der Champions Hockey League nicht an. Die Paarung vernimmt er trotzdem innert weniger Sekunden: Bern trifft auf Malmö. Ausgerechnet Malmö.

Wo Calle Andersson aufgewachsen ist. Wo Calle Andersson seine Juniorenzeit verbracht hat. Und vor allem: Wo ein gewisser Peter Andersson Headcoach ist – Calles Vater und Vorbild. Als Bub hatte der Verteidiger zwei Ziele: Eishockeyprofi werden und die Nummer 55 tragen, wie sein Vater Peter.

Nach der Auslosung tauschen sich die Beiden per «Facetime» aus. Die Affiche scheint den Verteidiger zu befeuern. Am Abend erzielt er seine ersten beiden Saisontore. Bern bezwingt die ZSC Lions 3:2, und Andersson sagt: «Das ist ein guter Tag für mich. Der Vergleich mit Malmö wird emotional und speziell. Und der Sieg gegen Zürich war für uns sehr wichtig.»

Der 24 Jahre alte Andersson verfasst die Geschichte des Spiels, in einer Affiche, der es selten an Stoff für Stories mangelt. Die beiden Schwergewichte des Schweizer Eishockeys haben acht der letzten elf Meistertitel unter sich aufgeteilt. Zudem kehren mit Simon Bodenmann und Maxim Noreau zwei Leistungsträger der letzten Saison im ZSC-Dress nach Bern zurück.

Die auffälligen Rollen nehmen aber andere ein, etwa Chris Baltisberger und Thomas Rüfenacht; zwei übliche Verdächtige wenn es darum geht, Emotionen ins Spiel zu bringen. Überhaupt ist früh spürbar, dass es bei den grossen Rivalen der Eisbahn eben um etwas mehr geht. «Es handelt sich um die beiden Topteams.

Und da will natürlich jeder zeigen, wer besser ist», sagt Andersson. Der SCB leistet dabei einen Tick mehr Aufwand. Als Sinnbild dient eine Szene kurz vor Ablauf des Startdrittels: Rüfenacht verpasst eine Chance, Roman Wick startet zum Konter. Der Berner erobert die Scheibe mit viel Einsatz zurück, einen Moment später entscheidet Simon Moser gegen Kevin Klein einen weiteren Zweikampf für sich. Zu diesem Zeitpunkt führen die Berner 1:0, Andersson hat ein wunderbares Zuspiel Jan Mursaks verwertet.

Blum fällt aus

Zum zweiten Drittel erscheint ZSC-Torhüter Lukas Flüeler wegen Nackenbeschwerden nicht mehr. Er wurde von Rüfenacht mit dem Knie unabsichtlich am Kopf getroffen worden. Es folgt der Tiefpunkt des Abends aus Berner Optik: Baltisberger checkt Eric Blum in die Bande, der Berner bleibt liegen und muss vom Eis begleitet werden. Auch für Baltisberger ist die Partie mit einem Restausschluss vorbei.

Zwei Dinge gibt es festzuhalten: Blum drehte sich unmittelbar vor dem Zusammenprall in geduckter Haltung in Richtung Bande ab. Baltisberger hätte den Kontakt wahrscheinlich nicht verhindern, die Charge aber mit weniger Intensität ausführen können. Womöglich hat sich der Berner erneut an der Hand verletzt.

Ein längerer Ausfall würde den SCB hart treffen, fehlt doch mit Ramon Untersander ein zweiter Kreativ-Verteidiger seit längerer Zeit. Er dürfte nach Monaten ohne Rückschlag wieder an einer Störung des Gleichgewichtssinns im Innenohr leiden.

Burrens Siegtor

Im Mitteldrittel verpasst Bern die Entscheidung. Minutenlang dürfen sich die Spieler von Kari Jalonen in Überzahl versuchen. Doch das Powerplay steht eben oft sinnbildlich dafür, wie es um das Selbstvertrauen einer Mannschaft steht.

Der SCB ist nicht verunsichert, punkto Produktivität aber herrscht keine Hochkonjunktur. Die Spieler vergeben zu viele Chancen, agieren überhastet. Dem Überzahlspiel fehlt es an Überzeugung. Drei Sekunden vor der zweiten Pause klappt es dank Andersson doch mit dem zweiten Tor. Der ZSC bleibt dank Jérôme Bachofner und Bodenmann im Spiel, zum Siegschützen aber avanciert ein Berner «B»: Yanik Burren.

Berner Zeitung

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