Zum Hauptinhalt springen

UhrenmesseDie Baselworld steht vor dem Ende

Knall in der Uhrenbranche: Nach der Swatch Group kehren nun auch Topmarken wie Rolex und Patek Phillippe der einstmals grössten Messe den Rücken. Auslöser ist der Streit ums Geld.

Der Luxusuhrenhersteller Rolex war seit 1939 jedes Jahr auf der Baselworld präsent. Nun ist Schluss.
Der Luxusuhrenhersteller Rolex war seit 1939 jedes Jahr auf der Baselworld präsent. Nun ist Schluss.
Foto: Keytone

Die Baselworld, bis dato die grösste Uhrenmesse der Welt, steht vor dem Ende. Denn die Marken Rolex, Patek Philippe, Chanel, Chopard und die Rolex-Tochter Tudor kündigten in einer gemeinsamen Erklärung an, der Uhrenmesse den Rücken zu kehren. Sie wollen sich der Genfer Konkurrenzmesse Watches & Wonders (vormals SIHH) anschliessen, die im April des nächsten Jahres stattfinden soll. Bereits 2019 hatte die Swatch Group mit ihren Marken Omega, Longines und Blancpain nicht mehr an der Baselworld teilgenommen.

Der Bruch hatte sich in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Denn das Messemanagement hatte sich auf offener Bühne mit den grossen Uhrenhäusern um die Kostenaufteilung für die Verschiebung der nächsten Baselworld auf Januar 2021 gezankt. «Dieser Abgang folgt einer Reihe von unilateralen Entscheidungen durch das Baselworld-Management, die ohne Konsultationen getroffen wurden», erläuterten Rolex, Patek Philippe, Chanel, Chopard und Tudor in ihrer Erklärung. Dazu zählen sie die Entscheidung, die Baselworld auf den nächsten Januar zu verschieben, sowie «die Unfähigkeit, die Bedürfnisse und Erwartungen der Marken zu erfüllen».

Anfang April hatten Baselworld-Chef Michel Loris-Melikoff und MCH-Chef Bernd Stadlwiesser dem Komitee der Schweizer Aussteller in einem Brief Vorschläge gemacht, wie die bereits angefallenen Kosten zur Vorbereitung der Baselworld 2020 zwischen Messe und den Uhrenmarken aufgeteilt werden sollen. Wegen der kurzfristigen Absage der Messe sind den Organisatoren bereits Kosten von 18,3 Millionen Franken entstanden.

Die Messeveranstalter schlugen unter anderem vor, dass 85 Prozent der bereits eingezahlten Teilnahmegelder der Hersteller für die Messe im Jahr 2021 verwendet werden sollen. Die restlichen 15 Prozent sollten zur Deckung der bereits angefallenen Kosten für die abgesagte Messe 2020 dienen, zitierte die «Handelszeitung» aus dem Schreiben. Davon wollten die Uhrenmarken nichts wissen – und drohten mit Abzug von der Messe.

«Es ist nicht Aufgabe der Baselworld, Firmen zu sanieren.»

Michel Loris-Melikoff, Baselworld-Chef

Doch Baselworld-Chef Loris-Melikoff blieb hart, eine vollständige Erstattung sei nicht möglich, denn die 18,3 Millionen Franken seien nun mal für die kurzfristig abgesagte 2020er-Ausgabe der Baselworld angefallen und müssten gedeckt werden. «Wenn ich 100 Prozent dieser Kosten tragen muss, dann ist die Zukunft der Baselworld sehr stark gefährdet», sagte Loris-Melikoff zu SRF. Und legte noch einen drauf: Derzeit sei jeder darauf bedacht, möglichst viel Liquidität zurückzuhalten. «Gleichzeitig muss man sagen: Es ist nicht Aufgabe der Baselworld, Firmen zu sanieren.»

Daraufhin zogen Rolex und die anderen Topmarken die Konsequenzen – und kehren der Baselworld den Rücken. Rolex hat an dem Branchentreffen seit 1939 teilgenommen.

Die MCH Group, an der die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Zürich sowie die Stadt Zürich zusammen 49 Prozent halten, reagierte verschnupft und widersprach der Darstellung der Uhrenmarken, die Verschiebung der Baselworld auf Januar 2021 sei ein einsamer Entscheid gewesen. «Der neue Termin für die notwendige Verschiebung der Baselworld 2020 ist gemeinsam mit führenden Ausstellern definiert worden», teilte MCH mit.

Zudem habe sich das Ausstellerkomitee positiv über die künftige Vision der Uhrenmesse geäussert. «Die Absicht einer Abwanderung nach Genf ist nie erwähnt worden.» Und weiter: «Die MCH Group muss daraus schliessen, dass die entsprechenden Pläne seit längerer Zeit vorbereitet worden sind und die Diskussionen über die finanzielle Regelung der Absage der Baselworld 2020 nun als Argument vorgeschoben werden.»

Ob und wie es mit der einstmals wichtigsten Uhrenmesse weitergeht, will die MCH in den nächsten Wochen bekannt eben.

5 Kommentare
    Tom

    Basel hat das Fuder überladen und völlig übersehen, dass die Digitalisierung auch stationäre Messen vor neue Herausforderungen stellt. Eine Publikumsmesse bringt der Messe zwar Zusatzeinnahmen, macht den Ausstellern aber den Messebetrieb komplizierter und die Sicherheitsvorkehrungen aufwendiger. Dazu kommt das unsensible Verhalten der Agglomeration Dreiländereck Basel, wo während der Messe Hotelpreise verdoppelt und in vielen Restaurants Menükarten mit erhöhten Messepreisen aufgelegt werden. Spätestens nach dem Abgang mehrerer Marke zur SIHH und dem grossen Swatch Group-Knall hätten die MCH, die BS-/BL-Politik und die Messe-Gastronomie aufwachen müssen. Leider haben sie die wachsende Unzufriedenheit der messerelevanten Marken verschlafen, was ihnen jetzt jährlich einen Umsatzverlust von mehreren hundert Mio Franken beschert. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.