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Restaurantöffnung am 11. MaiDie Beizer kämpfen um jeden Sitzplatz

Für Stadtberner Wirte werden Terrassen und Plätze in der Corona-Krise noch wichtiger. Aber das Bewirtschaften dieser Aussenplätze bringt Konfliktpotenzial mit sich.

Ein Bild aus der Vergangenheit: Solch enges Zusammensein gibt es noch länger nicht, um die Ausbreitung des Coronavirus weiterhin zu unterbinden.
Ein Bild aus der Vergangenheit: Solch enges Zusammensein gibt es noch länger nicht, um die Ausbreitung des Coronavirus weiterhin zu unterbinden.
Foto: Beat Mathys

Als der Bundesrat am Mittwoch verkündete, dass in rund 10 Tagen Restaurants wieder öffnen dürfen, sass im Aarbergerhof in der Aarbergergasse eine illustre Runde von Berner Beizern beieinander: Der Wirt vom Rosengarten, das Taberna-Duo, der Tramdepot-Gründer und die «Araber»-Chefs schauten sich den Entscheid gemeinsam an – und hörten so, dass sie einen Monat früher wieder ihrem Geschäft nachgehen dürfen.

Die Freude war nicht bei allen Gastronomen gleich gross: Im Aarbergerhof gibt es sowieso wenig Plätze, und von den Terrassen des Tramdepots und des Rosengartens muss wohl jeder zweiten Tisch entfernt werden. 20’000 Lokale existieren hierzulande. Und jede Beiz ist anders. Der Bundesrat erlaubt, dass ab dem 11. Mai an einem Tisch zu viert gegessen werden darf. Um diesen Tisch herum muss mindestens zwei Meter Abstand bis zum nächsten Tisch sein. Wer also einen grossen Garten oder ein grossflächiges Lokal hat, ist im Vorteil. Das bestätigt auch Stefan Ruprecht vom Gastrounternehmen Taberna, welches das Restaurant Ringgenberg, das Café des Pyrénées, die Marzilibrücke und die Dampfzentrale führt. «Drei unserer vier Lokale sind Gartenrestaurants. Für uns ist dieser Entscheid gut», sagt er.

Anstatt 100 noch 60 Plätze im Ringgenpärkli: Die Taberna hat in drei von vier ihrer Lokale grosse Terrassen zur Verfügung.
Anstatt 100 noch 60 Plätze im Ringgenpärkli: Die Taberna hat in drei von vier ihrer Lokale grosse Terrassen zur Verfügung.
Foto: Archiv BZ

Als Beispiel nennt Stefan Ruprecht das Ringgenpärkli, das Taberna jeweils im Sommer nutzt und das dieses Jahr zum ersten Mal nach 20 Jahren schon im April hätte bewirtschaftet werden dürfen. Am 11. Mai wird der Park, wo normalerweise 100 Personen sitzen können, mit 15 Tischen möbliert. 60 Personen dürfen so immerhin bedient werden, hat er bereits ausgerechnet. Auch die immense Terrasse der Dampfzentrale im Marzili, wo 180 Personen in Nicht-Corona-Zeiten Platz hätten, hat Vorteile. Ruprecht relativiert aber: «Diese Lockerung stoppt nur unsere Blutungen, wir verlieren jeden Tag Geld.»

Mike Hersberger und Stefan Ruprecht von Taberna führen die Lokale Dampfzentrale, die Marzilibrücke, das Ringgenberg und das Pyri.
Mike Hersberger und Stefan Ruprecht von Taberna führen die Lokale Dampfzentrale, die Marzilibrücke, das Ringgenberg und das Pyri.
Foto: Raphael Moser

Er wie auch sein Geschäftspartner Mike Hersberger wollen akribisch die Abstandsregeln kontrollieren. «Jeder einzelne Beizer ist nun gefordert, alles zu kontrollieren», sagt Hersberger. Dass Gäste nur noch mit Reservation einen Tisch bekommen, hält er indes für unrealistisch. Auch fixe Zeitfenster wollen sie nicht. «Wir wollen nicht abweisend sein. Es hat auch so noch genug Gäste, die Angst haben und nicht kommen werden», sagt Hersberger.

Bestellt haben sie Schutzwände und Stirnbänder mit Plexiglas als Schutzmasken für die Mitarbeiter. «Das ist natürlich nicht optimal und bequem. Doch mehr Sorgen bereitet uns die Küche, dort ist es auch noch heiss», sagt er. Ihr Hygienekonzept werden sie mit neuen Vorschriften zu Abständen ergänzen. Nun warten sie auf das Konzept des Branchenverbands Gastro Suisse, damit sie erste Vorbereitungen treffen können.

Aussenbewirtschaftungsflächen sind in diesem Sommer noch wichtiger. Das scheinen auch diejenigen Gastronomen zu wissen, die entsprechende Baugesuche eingereicht haben, die am Mittwoch publiziert wurden: Das vegane Restaurant Swing Kitchen an der Laupenstrasse 4 will draussen Tische aufstellen, das Restaurant Pomodoro in der Neuengasse will seinen Bereich vergrössern, und der Take-away Amino in der Schweizerhof-Passage soll in ein ordentliches Restaurant mit Aussensitzplätzen umgewandelt werden.

Die Lärmfalle

Solche Anliegen, Aussenplätze zu bekommen, kommen nicht in jedem Fall durch. Das zeigt ein kürzlich publizierter Entscheid der kantonalen Baudirektion: Zwei Altstadtbewohner sind besorgt, dass von einem Gastrobetrieb mehr Lärm ausgehen könnte. Die Namen aller Parteien sind anonymisiert, aus den Unterlagen geht jedoch hervor, dass sich die Beschwerde gegen eine Gaststätte in der unteren Altstadt richtet. Das Lokal verfügt über 14 Aussenplätze. Letztes Jahr veröffentlichte der Beizer eine Baupublikation, um auf auf der angrenzenden Parzelle 22 weitere Aussenplätze zu bekommen. Diese befinden sich genau unter dem Schlafzimmer der beiden Beschwerdeführenden.

Die kantonale Baudirektion räumt ein, dass mit der Erhöhung mehr als doppelt so viele Plätze zur Verfügung stünden. «Selbst wenn nicht alle Aussensitzplätze besetzt sein sollten, ist grundsätzlich von einer höheren Gästeanzahl als bisher und somit einem erhöhten Lärmpegel auszugehen», schreibt sie. Die Vorinstanz hätte einen Fachbericht der Fachstelle Lärmakustik/Lasertechnik der Kantonspolizei in Auftrag geben müssen. Die Beschwerde wird vom Kanton gutgeheissen und hebt den Entscheid des Regierungsstatthalteramtes auf. Das betroffene Restaurant hat die Möglichkeit, den Entscheid weiter ans Verwaltungsgericht zu ziehen.

Wenn sich das Beizenleben noch mehr nach draussen verlagert, kann das zu Konflikten führen, wie dieses Beispiel zeigt. Ob nun mit oder ohne zwei Meter Corona-Abstand zwischen den Gästen.

3 Kommentare
    Markus Weber

    Langsam dämmert es den Wirten, dass ihr Verband ihnen einen Bärendienst erwiesen hat mit seinem Gejammer und vor allen die Interessen der grossen Gastroketten vertritt. Viele kleine Lokale sind jetzt gezwungen zu öffnen, da sie bei geschlossenem Betrieb keine Kurzarbeitentschädigung mehr erhalten. Aber eine Teil-Öffnung hohe Kosten verursacht und noch weniger rentabel ist als die behördliche Zwangsschliessung mit Kurzarbeit. Zumal jetzt natürlich auch die Vermieter wieder einen Anspruch auf die Pacht haben.