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Analyse zum BSV BernDie Berner müssen für gute Schweizer noch attraktiver werden

Der BSV Bern steigt zuversichtlich in die Saison 2020/21. Das Ziel, unter die ersten vier vorzustossen, sollten sie schon in der kommenden Spielzeit erreichen.

Aleksandar Stevic (vorne) nimmt seine letzte Saison beim BSV Bern in Angriff.
Aleksandar Stevic (vorne) nimmt seine letzte Saison beim BSV Bern in Angriff.
Foto: Christian Pfander

Im Juli ist dem BSV Bern mit der Verpflichtung von Martin Rubin als Trainer ab der Saison 2021/22 ein Coup gelungen. Nach 14 Jahren kehrt die derzeit bekannteste Figur im Berner Handball vom Kantonsrivalen Wacker Thun in die Hauptstadt zurück. Rubin reizen die Möglichkeiten, die sich durch die vor zwei Jahren eröffnete Ballsporthalle in Gümligen ergeben; er verwarf für den BSV den Plan, mit 56 Jahren seine Trainerlaufbahn zumindest vorerst zu beenden.

Rubin ist aber noch Zukunftsmusik. Am Mittwoch beginnt die letzte Saison unter Trainer Aleksandar Stevic, der mit einem neuen Torhüterduo arbeitet. Edin Tatar, der die Erwartungen nur teilweise erfüllen konnte, erhielt keinen neuen Vertrag mehr, Renato Milosevic hat sich aus dem Spitzenhandball verabschiedet. Für Tatar kam der Kroate Mario Cvitkovic, für Milosevic mit Simon Schelling ein Schlussmann, der bei Pfadi Winterthur schon sehr gute Leistungen gezeigt hat und eine stärkere Nummer 2 ist, als dies der junge Berner darstellte. Und Pedro Spinola wird vom Luzerner Claudio Vögtli ersetzt, der zuvor bei Endingen seine Laufbahn lanciert hat. Gerade die Verpflichtung von Vögtli zeigt, dass der BSV für jüngere Akteure interessant geworden ist, die höhere Ziele anstreben. Vor einem Jahr gelang es bereits, Samuel Weingartner nach Bern zu holen, der über eine ähnliche Spieler-Biografie verfügt. Auch er stammt ursprünglich aus dem Kanton Luzern, wechselte dann mit Gossau zu einem kleineren Verein.

Die Berner sind jedoch noch nicht attraktiv genug, um Schweizer Topspieler zu verpflichtet, wie dies Wacker Thun etwa mit Nicolas Raemy gelungen ist. Und sie müssen in einem Jahr den Abgang von Michael Kusio hinnehmen, eines Spielers, der als Kind in der BSV-Nachwuchsabteilung mit dem Handballspielen begonnen hat und bis jetzt nie für einen anderen Verein aktiv gewesen ist. Er wechselt innerhalb der Liga zu Kadetten Schaffhausen, der Nummer 1 des Landes, um sich weiter zu entwickeln und den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen.

Das Ziel des BSV Bern muss es sein, sich sportlich so zu verbessern, dass in Zukunft ein Akteur wie Kusio nicht mehr den Wunsch verspürt, einen solchen Clubwechsel zu vollziehen. Um dies zu erreichen, sind regelmässige Platzierungen unter den ersten vier der NLA unabdingbar. Dieses Ziel, vom Verein mittelfristig proklamiert, muss in den nächsten Jahren zwingend erreicht werden: Nur so wird der BSV dauerhaft eine gute Adresse für potenzielle Neuzugänge sein, und nur so kann es gelingen, den Zuschauerschnitt wie angestrebt über 1000 Besucher anzuheben. Letzteres ist allerdings aktuell corona-bedingt in den Hintergrund gerückt und kann erst zum Thema werden, wenn die Sportinteressierten wieder weitgehend ohne Einschränkungen Spiele besuchen können.

Es ist nicht zu erwarten, dass Trainer Stevic keinen Einfluss mehr auf die Mannschaft nehmen kann, nur weil bereits bekannt ist, dass er im Frühsommer 2021 gehen muss. Zu ehrgeizig ist der junge Deutsche, zu ehrgeizig sind die Spieler, auch Kusio will sich positiv aus Bern verabschieden. Im Handball ist es zudem nicht unüblich – bei Spielern mehr als bei Coaches –, dass ein Abgang mit mehr als einem Jahr Vorlaufzeit bekannt wird. Die Vorbereitung ist gut verlaufen, die Neuen scheinen die erhofften Verstärkungen zu sein. Unter diesen Voraussetzungen muss in der Saison 2020/21 ein weiterer Schritt in eine sportlich erfolgreiche Zukunft getan werden.