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Berner KonzerneDie Cheflöhne sinken

Fallende Aktienkurse und verfehlte Gewinnziele drücken die Boni der Topmanager in den grössten Berner Unternehmen. Das hat schon vor der Corona-Krise begonnen.

1. Nick Hayek (Swatch Group), 6’248’499 Franken (–13,9 Prozent).
1. Nick Hayek (Swatch Group), 6’248’499 Franken (–13,9 Prozent).
Foto: Anthony Anex, Keystone-SDA
2. Suzanne Thoma
 (BKW)


 1’764’000 Franken (-13,1 Prozent)
2. Suzanne Thoma
(BKW)


1’764’000 Franken (-13,1 Prozent)
Foto: Franziska Rothenbühler
20. René Rothen (Adval Tech) 507’887 Franken (-24,0 Prozent)
20. René Rothen (Adval Tech) 507’887 Franken (-24,0 Prozent)
Foto: pd
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Der Trend ständig steigender Managerlöhne ist gebrochen. Die Topsaläre sind im vergangenen Jahr in vielen Fällen gesunken. Das zeigt eine Auswertung der Geschäftsberichte von zwanzig Konzernen mit Sitz im Kanton Bern.

Aktienbonus weniger wert

Topverdiener ist nach wie vor Nick Hayek. Der Chef des Bieler Uhrenkonzerns Swatch Group erhielt mit 6,25 Millionen Franken aber rund 1 Million weniger als im Vorjahr. Grund dafür ist, dass der Aktienkurs deutlich gesunken ist. Damit haben die Aktien, die Hayek als Teil der Entlöhnung erhält, weniger Wert.

Bei den Verwaltungsratspräsidentinnen und -präsidenten spielt die Swatch Group ebenfalls in einer eigenen Liga. Nayla Hayek steht mit knapp 4 Millionen Franken an der Spitze. Sie hat aber wie ihr Bruder etwa 14 Prozent weniger erhalten. Ansonsten kommt in den Berner Verwaltungsräten niemand auf über eine Million Franken.

Auf Kritik reagiert

An zweiter Stelle der Konzernchefs steht mit Suzanne Thoma die einzige Frau auf dieser Liste. Die Chefin des Energiedienstleisters BKW hatte im Jahr 2018 erstmals über 2 Millionen Franken erhalten. Das provozierte scharfe Kritik aus der Politik an dem Konzern, der mehrheitlich dem Kanton gehört und von Monopolen im Stromgeschäft profitiert. Nach diesem Topsalär rief gar der Regierungsrat die BKW zur Mässigung auf.

Auf 1,76 Millionen Franken gesunken ist der Lohn der BKW-Chefin nun, weil die einmalige Nachzahlung in die Pensionskasse von 2018 wegfiel. Zudem wurden auch die Kriterien für die Aktienzuteilung angepasst. Dabei hat sich der Geschäftsgang weiter verbessert: Dank des erfolgreichen Stromhandels erzielte die BKW letztes Jahr einen Rekordgewinn.

Platz 3 der CEOs belegt Urs Schaeppi von der Swisscom mit einem praktisch gleich hohen Salär wie die BKW-Chefin. Allerdings erwirtschaftet der Telecomkonzern ziemlich genau das Vierfache an Umsatz und Reingewinn wie die BKW. Schaeppis Lohn ist gesunken, weil die Boni in bar und in Aktien nach durchzogenen Konzernergebnissen tiefer ausfielen. Auch bei anderen vom Bund kontrollierten Unternehmen wie Post, SBB und Ruag hält der Druck auf die Managerlöhne an.

Ausnahmen im Gesundheitswesen

Zu den wenigen Chefs mit höheren Salären zählen zwei Vertreter des Gesundheitswesens: Reto Egloff von der Krankenkasse KPT und der neue Chef der Insel-Gruppe, Uwe E. Jocham. Dagegen erhielt Jean-Claude Clémençon beim Apothekenkonzern und Gesundheitsdienstleister Galenica fast 10 Prozent weniger gutgeschrieben.

Nicht mehr zum erlesenen Klub der Einkommensmillionäre zählt der Chef der Berner Kantonalbank, und auch jener der Bank Valiant verdient weniger als sein Vorgänger. Armin Brun und Ewald Burgener haben ihre Posten allerdings erst im Mai respektive im Juli des letzten Jahres angetreten. Wird dieser Effekt herausgerechnet, dann dürften sie im laufenden Jahr wie ihre Vorgänger über eine Million erhalten.

Unter die Millionengrenze gefallen ist auch der Chef von Meyer Burger, Hans Brändle. Nach dem achten Jahresverlust in Folge dürften sich allerdings viele fragen, warum es beim kriselnden Thuner Solarunternehmen überhaupt noch einen Bonus gab. Brändle hat inzwischen das Handtuch geworfen, Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf nach nur einem Jahr ebenso. Und nachdem die Corona-Pandemie eskalierte, führte auch Meyer Burger Kurzarbeit für die Belegschaft ein. Verwaltungsrat und Konzernleitung verzichten «aus Solidarität» auf 15 Prozent ihrer Entschädigungen.

Bonus gestrichen

Beim Autozulieferer Adval Tech ist René Rothen der Bonus ganz gestrichen worden, obwohl das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt. Der von VR-Präsident Willy Michel geleitete Vergütungsausschuss sah die Kriterien für einen Bonus nicht erfüllt, weil der Betriebsgewinn gesunken ist. Die Kriterien wurden also nicht nachträglich frisiert, damit doch noch das Bonusziel erreicht wurde.

Ebenso rund ein Viertel weniger erhielt Michael Hauser, der Chef des Drehmaschinenherstellers Tornos in Moutier. Das von Willy Michel ebenfalls präsidierte Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed hat den Geschäftsbericht noch nicht publiziert. Es fehlt auch noch der Landwirtschaftskonzern Fenaco.

Corona-Krise lastet schwer

Diverse Industrieunternehmen bekamen bereits letztes Jahr die Abkühlung der Weltwirtschaft zu spüren. Wegen der Corona-Pandemie sind nun weite Teile der Berner Wirtschaft in die Krise geschlittert. Die Uhrenindustrie steht praktisch still. Selbst die Swatch Group kürzt die Dividende, was insbesondere die Familie Hayek als grösste Aktionärsgruppe zu spüren bekommt. Swatch führte zudem Kurzarbeit ein, um Entlassungen abwenden zu können.

Die schlechteren Unternehmensergebnisse und fallende Aktienkurse werden wohl auch die Saläre der Teppichetage nach unten drücken. Insbesondere die ergebnisabhängigen Boni dürften schwinden und die zugeteilten Aktien an Wert verlieren.

Das macht viel aus. Denn das Grundgehalt bei Firmenbossen in der Schweiz beträgt nur rund 42 Prozent. Bei Verwaltungsratspräsidenten sind es laut einer Studie des Beratungsunternehmens HCM International 59 Prozent, wie die Nachrichtenagentur AWP berichtete. Stephan Hostettler von HCM International geht davon aus, dass der Coronavirus-Schock deutliche Spuren in den Managementvergütungen hinterlassen wird. «Sowohl die kurz- als auch die langfristigen variablen Vergütungskomponenten sind im Regelfall signifikant an die finanziellen Resultate des Unternehmens geknüpft», sagte er.

Weiche Kriterien locken

Bleibt die Frage, ob wegen der Krise die Kriterien angepasst werden. So könnte es die gewohnten Boni für die Topmanager doch weiterhin geben, wenn statt der harten Unternehmenszahlen weichere Kriterien wie «persönliche Ziele» stärker gewichtet werden. Der Transparenz ist dies nicht förderlich. Dabei sind die Kriterien für die Boni trotz vielerorts seitenlanger Erläuterungen schon jetzt kaum nachvollziehbar.

Im Dunkeln bleibt, wie viel der Chef der Versicherungsgruppe Mobiliar, Markus Hongler, verdient. Die Genossenschaft gibt lediglich bekannt, dass die neun Mitglieder der Geschäftsleitung 2019 insgesamt 9,1 Millionen Franken erhielten. Hongler dürfte als Vorsitzender also deutlich über eine Million Franken bekommen.