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Wahlen in UnterseenDie Karten werden neu gemischt

Am 27. September wählt das Stedtli seinen neuen Gemeinderat. 21 Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich auf sechs Listen zur Verfügung. Eine Übersicht.

In Unterseen wird am 27. September ein neuer Gemeinderat gewählt.
In Unterseen wird am 27. September ein neuer Gemeinderat gewählt.
Foto: Bruno Petroni

Auf den ersten Blick scheint die Ausgangslage der Unterseener Gemeinderatswahlen wenig spannend: Gemeindepräsident Jürgen Ritschard ist aus Ermangelung einer Gegenkandidatur still gewählt, und sämtliche bisherigen Gemeinderäte treten wieder an. Aber der Schein trügt. Schliesslich tritt mit der GLP eine Partei an, die bisher auf dem politischen Parkett des Stedtlis nicht vertreten war. Bei den Grossratswahlen 2018 erreichten die Grünliberalen in Unterseen immerhin einen Stimmanteil von 5,2 Prozent. Knapp hinter der EDU (5,6 Prozent), die einen Gemeinderatssitz hält.

Insgesamt kandidieren 21 Personen – 6 Frauen und 15 Männer – auf 6 Listen. Einzig die SP reichte eine «volle» Liste mit sechs Namen ein. «Wir haben sehr aktiv gesucht und einen öffentlichen Aufruf publiziert, in dem wir uns offen zeigten, Nicht-Parteimitglieder auf die Liste zu nehmen», erklärt Walter Seiler, Co-Präsident der SP Unterseen. Sekretär Andreas Koschak hält im Namen der FDP (4 Kandidaten) fest, man habe Alter, Fähigkeiten und auch die Möglichkeiten der Partei innerhalb der Gemeinde mit unserer Liste abgebildet. «Alle Kandidaten sind zudem Mitglieder der Parteisektion.»

Ernst Vögeli, SVP, bisher.
Ernst Vögeli, SVP, bisher.
Foto: PD
Hans Ulrich Vögeli, SVP, bisher.
Hans Ulrich Vögeli, SVP, bisher.
Foto: PD
Simon Margot, bisher, WG Simon Margot.
Simon Margot, bisher, WG Simon Margot.
Foto: PD
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Man stelle sich klar hinter die Kandidatur des bisherigen Gemeinderats Christoph Perron, meint Werner Feuz, Präsident EDU Unterseen (5 Kandidaten). Deshalb habe man ihn auch doppelt auf die Liste gesetzt. Die SVP tritt mit drei Personen an. «In der heutigen Zeit ist es schwierig, Personen zu überzeugen, für die Allgemeinheit Verantwortung zu übernehmen und viel Freizeit dafür aufzuwenden», erklärt Hans Ulrich Vögeli, Präsident SVP Unterseen.

«Weiter ist eine offene und transparente Kommunikation gegen innen und aussen wichtig.»

Werner Feuz, Präsident EDU Unterseen

Der Neuling GLP tritt mit zwei Kandidaten an. Diese stehen gemäss Manuela Nyffeler-Lanker, Präsidentin GLP Bödeli, «mitten im Leben und bringen frischen Wind». Auf der sechsten Liste findet sich nur ein Name. Aber einer, den man im Stedtli kennt: Simon Margot. Der ehemalige Gemeindepräsident wird von einer Wählergruppe gestützt. Er fühlt sich nicht als Einzelkämpfer. «Als Gemeinderat bin ich ein Teamplayer, der Entscheide im Kollegium mittrage, auch wenn ich anderes entschieden hätte.»

Funktionierte der Gemeinderat?

Ob der Gemeinderat in der letzten Legislatur wirklich als Kollegium funktionierte, wurde in der Vergangenheit von verschiedener Seite angezweifelt. So traten zwei Gemeinderäte zurück und zeichneten dabei ein wenig vorteilhaftes Bild des Gremiums. Und auch auf der Verwaltung kam es zu Kündigungen, die nicht ohne Misstöne abliefen.

«Im Moment funktioniert der Gemeinderat nach meiner Meinung gut.»

Hans Ulrich Vögeli, Präsident SVP Unterseen

«Es gab in der Vergangenheit diverse Meinungen, die vermutlich zu Unstimmigkeiten geführt haben», meint SVP-Präsident Vögeli. «Im Moment funktioniert der Gemeinderat nach meiner Meinung gut.» Womit die Abgänge in den konkreten Fällen zu tun hatten, könne die FDP nicht kommentieren, erklärt Koschak. Man orientiere sich aber stark an messbaren Resultaten, und da seien die gesunden Gemeindefinanzen «mit die Folge der guten Arbeit unseres Gemeinderates».

Es sei eine Realität, dass «Herausforderungen und schwierige Situationen und Meinungsverschiedenheiten in einem Milizgremium nicht immer souverän gemeistert werden», meint Feuz von der EDU. Wichtig sei die Bereitschaft, zu Fehlern zu stehen und daraus zu lernen. Aber auch Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen müssten klar geregelt sein. «Weiter ist eine offene und transparente Kommunikation gegen innen und aussen wichtig.»

Auch Margot äussert sich zurückhaltend. Es gebe «komplexe Themen, die oft sehr kontrovers beraten werden». Dabei seien nicht immer alle einer Meinung. «Schlussendlich heisst es aber: Der Gemeinderat hat entschieden.» Die Rücktritte und Kündigungen will Margot nicht kommentieren. «Ich persönlich trete wieder an.»

«Eine Erneuerung und Verjüngung des Rates wäre jetzt richtig.»

Walter Seiler, Co-Präsident SP Unterseen

«Eine Erneuerung und Verjüngung des Rates wäre jetzt richtig», sagt hingegen Seiler. Seine SP stellt mit Jasmin Moser gemeinsam mit Michelle Schweizer von der FDP mit Jahrgang 1997 die jüngste Kandidatin. Und auch der bisherige SP-Gemeinderat Oliver Grunder ist erst ein Jahr im Amt. Man kenne die entsprechenden Details zu den Rücktritten und Kündigungen nicht, erklärt Manuela Nyffeler-Lanker, finde sie aber «beunruhigend». Bei der GLP wolle man aber nach vorne sehen.

Fusion könnte zum Thema werden

Erstaunlich differenzierte Antworten geben die Parteien zur Fusionsfrage, der Gretchenfrage auf dem Bödeli. «Regional denken ist eine starke Eigenschaft der GLP Bödeli», meint Manuela Nyffeler-Lanker. Die GLP tritt schliesslich auch als Regional- und nicht als Ortspartei an. Statt Ressourcen im «kleinräumigen Verteilkampf» zu vergeuden, soll die Zusammenarbeit gestärkt werden. «Wo sinnvoll, streben wir Zusammenschlüsse an.»

«Wir könnten uns ein Zusammengehen vorstellen.»

Andreas Koschak, Sekretär FDP Unterseen

Man stehe für «vernünftige, moderne Lösungen», hält FDP-Sekretär Koschak fest. «Wir könnten uns ein Zusammengehen vorstellen.» Die Abklärungen würden aber viel Zeit und Augenmass erfordern. Zwar habe innerhalb der SP in letzter Zeit keine vertiefte Diskussion stattgefunden, da das Thema nicht zuoberst auf der regionalen Traktandenliste stehe», erklärt Seiler. «Doch sind wir der Meinung, dass die Fusion in den nächsten Jahren wieder zur Diskussion gestellt werden muss.»

«Wir sind drei Gemeinden, wir treten gemeinsam auf.»

Simon Margot, Gemeinderat

Eine Fusion sei im Moment «vermutlich nicht machbar», meint SVP-Präsident Vögeli. «Trotzdem könnte in den Verwaltungen einiges angestossen werden, um die Abläufe zu verbessern.» Margot war Gemeindepräsident, als zuletzt über eine Fusion diskutiert wurde. Er sieht keine Notwendigkeit. Die drei Gemeinden seien finanziell gesund und hätten gut funktionierende Verwaltungen. Wichtig seien aber die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis. «Wir sind drei Gemeinden, wir treten gemeinsam auf.» Auch für die EDU steht eine Fusion «zum jetzigen Zeitpunkt» nicht im Zentrum. Vielmehr erachte man eine «enge Zusammenarbeit» als sinnvoll, sagt Feuz. Man müsse aber die «Erfüllung von Aufgaben mittels regionaler Kompetenzzentren» prüfen.