Die SCL Tigers haben eine riesige Chance verpasst

Den SCL Tigers fehlte in Lausanne die Leidenschaft und die Lockerheit, schreibt Sportredaktor Philipp Rindlisbacher.

Die Tigers nach der Niederlage gegen Lausanne. Die grosse Chance blieb ungenutzt.

Die Tigers nach der Niederlage gegen Lausanne. Die grosse Chance blieb ungenutzt.

(Bild: Jean-Christoph Bott/Keystone)

Philipp Rindlisbacher

1:8, in Worten: eins zu acht – es scheint, als seien die bösen Geister doch nicht vertrieben, sondern nur für eine Zeit lang fortgeschickt worden. Der Langnauer Auftritt in Lausanne rief unschöne Erinnerungen hervor. Als es zählte, standen die SCL Tigers neben den Schlittschuhen, sie griffen nicht zu, obwohl angerichtet war.

Man wähnte sich in die vergangenen Saisons zurückversetzt, als wegweisende Partien im Kampf um die Playoff-Qualifikation regelmässig mit rätselhaften Darbietungen hergeschenkt worden waren. Im Waadtland fehlten Leidenschaft und Lockerheit, die Emmentaler agierten kopflos und emotionslos.

Die Kanterniederlage ist ein Ausreisser nach unten, ohne jegliche Ansage. Sie ist ein Tolggen im Reinheft. Für Trainer Heinz Ehlers, den Baumeister des Langnauer Aufschwungs, der noch immer keine Playoff-Serie in der höchsten Liga gewonnen, aber schon dreimal ein siebtes Spiel verloren hat.

Vor allem auch für einige Führungsspieler, die im entscheidenden Moment unsichtbar waren. Angesichts der finanziellen Kluft, die zwischen den Vereinen besteht, mag das Ausscheiden gegen Lausanne der Papierform entsprechen. Und doch ist es mehr als eine leise Enttäuschung. Weil der letzte Eindruck haften bleibt. Und der Gegner trotz prominent besetztem Kader keineswegs unwiderstehlich auftrat.

Bei all dem Tadel darf nicht unerwähnt bleiben, dass Langnau die Lehren gezogen hat aus der ersten Playoff-Qualifikation 2011, als alles aus dem Ruder lief, die Spieler den Kopf nicht mehr bei der Sache hatten. Nach grossartiger Qualifikation wurde der Puck diesmal flach gehalten, auf jegliches Tamtam verzichtet.

Langnau hat die beste Saison seit Einführung des Playoff vor 33 Jahren hinter sich, insofern sind die Erwartungen übertroffen worden. Doch es kommt ein Aber: Das Optimum wurde nicht erreicht, eine grosse Chance blieb ungenutzt. Mit der Halbfinalteilnahme wären signifikante Mehreinnahmen einhergegangen, sie hätte womöglich geholfen, neue Partner zu akquirieren, auf welche der Club in den kommenden Jahren angewiesen sein wird.

Vor allem hätte der Vorstoss in die Top 4 die Tigers attraktiver gemacht, was beim Feilschen um neue Spieler hilfreich gewesen wäre. Weil das Budget knapp und die Vergangenheit wenig ruhmreich ist, fehlt es diesbezüglich zuweilen an ­Argumenten.

Berner Zeitung

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