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Hochwasser 1999Die Sintflut von Thun

Wie Thun im Frühjahr 1999 das Wasser bis zum Hals stand. Erinnerungen an hektische Tage.

17. Mai 1999: Hanspeter Schmutz (links) und Fredy Bätscher wollen mit dem Boot noch Gegenstände aus der überfluteten Garage retten.
17. Mai 1999: Hanspeter Schmutz (links) und Fredy Bätscher wollen mit dem Boot noch Gegenstände aus der überfluteten Garage retten.
Foto: Archiv TT

Zweimal pro Tag lud der Krisenstab der Stadt Thun in den Pfingsttagen anno 1999 zur Medienkonferenz, die auch der Schreibende regelmässig besuchte. Zu berichten gab es viel: Die Quartiere Gwatt und Dürrenast standen zur Hälfte unter Wasser, die reissende Aare überschwemmte Keller und Geschäfte der Innenstadt, Altersheime mussten evakuiert werden, Wohnungen wurden unbewohnbar und draussen auf dem See trieb Schwemmholz, welches das Potenzial zur Katastrophe hatte.

Die Flut kam über Nacht

Die Flut kam beinahe unsichtbar und über Nacht. Zentimeter um Zentimeter hob sich der Seespiegel und mit jedem Zentimeter stiegen die Probleme. Die Ereignisse begannen sich zu überstürzen. Als Erstes musste das Altersheim Seewinkel evakuiert werden. Das Hochwasser bedrohte auch das Gwatt-Zentrum. 300 Teilnehmer eines Symposiums verliessen das Hotel fluchtartig.

Mehrere Hundert Wohnungen im Gwatt und Dürrenast wurden vom Hochwasser beschädigt, das Strandbad musste geschlossen werden und sogar die Gwattstrasse wurde überflutet. Hochwasser auch in der Innenstadt, es drang unter anderem ins Warenhaus Loeb ein. Geschäfte im Bälliz wurden geschlossen und es kam zu Stromausfällen. Die Armee eilte zu Hilfe. Rekruten versuchten, die Ufer der Inneren Aare mit Sandsäcken zu sichern. Zahlreiche Geschäfte der Innenstadt verbarrikadierten ihre Türen mit Sandsäcken.

Katastrophentourismus

Am meisten Sorge bereitete dem Krisenstab Schwemmholz, das in Richtung Aarebecken trieb. Hätte es nicht mit schwimmenden Barrieren gestoppt werden können, hätte es sich in den Schleusen verkeilt und die Wassermassen hätten sich neue Wege gesucht, mit katastrophalen Folgen für die Innenstadt.

Obschon es damals noch keine Handykameras und soziale Medien gab, war der Sensationstourismus bereits ein Problem. Hunderte von Gaffern behinderten in der Innenstadt die Einsatzkräfte bei der Arbeit. Mit einem Ordnungsdienst und Sperrzonen versuchten diese, den Katastrophentourismus fernzuhalten.

Kontroverse um Seeabsenkung

Die Wasserpumpen liefen noch auf Hochtouren, da setzte bereits eine Kontroverse zur Seeabsenkung ein. Hatte das zuständige kantonale Amt auf das absehbare Hochwasser zu spät reagiert und den See zu spät und zu wenig abgesenkt? Ja, meinte auch diese Zeitung. Eine stärkere Absenkung hätte die Flut allenfalls verzögert, aber nicht verhindert, wehrte sich das Wasserwirtschaftsamt gegen die Kritik.

Keine zweite Welle

Die Sintflut und deren Folgen lösten aber auch eine Welle der Solidarität in der Bevölkerung aus. Und dank einer Wetterbesserung begann sich die Lage nach einer Woche zu entspannen. Die befürchtete «zweite Welle» blieb aus. Die Aufräumarbeiten nahmen danach mehrere Monate in Anspruch.

1 Kommentar
    Mikeepykee

    Habe den Bericht gelesen.

    Ich finde es schade, dass BZ (Thuner Tagblatt) lediglich 1 Bild veröffentlicht.

    Dies betrifft übrigens beinahe jeden Artikel. Dass es im Papierformat Kosten verursacht ist mir klar, jedoch in der digitalen Welt kann es doch kein Problem sein 10-20 Bilder anzuhängen?