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Da hilft nur ein Zäpfchen

Der Arbeitgeber-Präsident rät Eltern, die Krankheiten ihrer Kinder besser zu planen. Warum der Vorschlag chauvinistisch ist.

Grippezeit: Was soll man tun, wenn die Kinder krank werden?
Grippezeit: Was soll man tun, wenn die Kinder krank werden?

Das schweizerische Verhältnis zur Arbeit ist von fast schon erotischer Qualität – so leidenschaftlich, dass der gemeine Arbeitnehmer sich durch nichts davon abhalten lässt. Lieber schleppt er sich niesend ins Büro oder sitzt schleimend hinter der Migros-Kasse, als einen Tag zu verpassen. Dasselbe mit den Kindern, wie gestern im «Blick» stand. Eltern blasen ihnen ein Zäpfli in den Hintern und parkieren sie in der Krippe, um ja keinen oder – Gott behüt – gar mehrere Tage bei der Arbeit auszufallen. Denkbar ist auch, dass dieses Verhalten weniger mit Eros zu tun hat. Dafür mit nackter Angst.

Dafür hat man ja eine Frau

Und die kommt nicht aus dem Nichts. Gestern meldete sich Arbeitgeberdirektor Roland Müller in der Sache zu Wort: «Die Arbeitgeber empfehlen, dass die Eltern potenziell auftretende Betreuungsfälle wie ein krankes Kind im Voraus planen und generell organisieren.» Dies sei nur eine generelle Empfehlung, sagt der Arbeitgeberverband auf Anfrage. Doch für jene, die Angst um ihre Stelle haben, dürfte das nicht besonders beruhigend sein.

Blöderweise halten sich Viren und Bakterien nämlich schlecht an Terminabsprachen. Meistens fallen sie ohne Vorwarnung über die Kinder her und verwandeln sie in Rekordzeit in Rotzschleudern und in Häufchen Elend, die dann auch nicht gern in der Gegend herumgefahren oder bei Fremden platziert werden. Zumal das der Genesung nicht eben zuträglich ist. Blöd auch, dass nicht alle Eltern jemanden haben, den man «generell organisieren» kann. Aber wie sollten die Herren vom Arbeitgeberverband das auch wissen? Dafür hat man im Normalfall ja eine Frau. Praktisch, oder?

Spezialzäpfchen gefällig?

Vielleicht sollte man den Herren einmal ein Zäpfchen verabreichen, damit sie begreifen, dass Menschen keine Maschinen, Familien keine Uhrwerke und Krankheiten unvermeidlich sind, gerade bei Kindern. Deshalb ist die Frage auch per Gesetz geregelt: Eltern haben das Recht, bis zu drei Tagen bei ihren kranken Kleinen zu bleiben. Wenn sich die Bakterien mal wieder nicht an den Termin gehalten haben.

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