Das Lauberhorn-Spektakel in Zahlen

Wie viele Zuschauer verfolgen die längste Abfahrt im Skiweltcup? Welche Nation konnte am häufigsten triumphieren? 9 Fakten zum Klassiker in Wengen.

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Tradition, Spektakel, Mythos: Die Lauberhornrennen gehören zu den ganz grossen Klassikern im Skizirkus. 1930 fanden sie zum ersten Mal statt, seit 1967 werden in Wengen Weltcuprennen ausgetragen. Die unvergleichliche Abfahrt lockt jedes Jahr Zehntausende Zuschauer an den Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau. Wir fassen zusammen, was Sie über das Lauberhornspektakel wissen müssen.

Die Lauberhornabfahrt ist mit fast viereinhalb Kilometern die längste Strecke im Skiweltcup, oft wird sie auch als längste Abfahrt weltweit bezeichnet. Gestartet wird auf 2315 Meter über Meer, die Höhendifferenz bis zum Ziel beträgt 1028 Meter.

Interaktive Karte mit Videos: Klicken Sie auf die Punkte, um von Skilegende Marco Büchel mehr über die Schlüsselstellen der Abfahrt zu erfahren.

Den bis heute gültigen Streckenrekord von 2:24,23 Minuten hält der Italiener Kristian Ghedina mit seinem Sieg im Jahr 1997, wobei er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 106,33 km/h erzielte.

Nie war ein Fahrer schneller unten im Ziel: Kristian Ghedina im Jahr 1997. (Bild: Keystone)

Ghedina ist aber bei weitem nicht der Fahrer, der am schnellsten unterwegs war. Den Geschwindigkeitsrekord bei der Lauberhornabfahrt erreichte Johan Clarey. 2013 raste er mit 161,9 Stundenkilometern durch den Haneggschuss. Gewonnen hat er das Rennen trotz des hohen Tempos nicht. Clarey wurde nur Fünfter.

Zur bisher knappsten Entscheidung bei der Lauberhornabfahrt kam es 1994: Die ersten vier Fahrer trennten lediglich 5 Hundertstelsekunden. Der Italiener Kristian Ghedina schaffte es mit eben diesem Rückstand nicht einmal auf das Podest. Marc Girardelli, der für Luxemburg startete, und Peter Runggaldier aus Italien verpassten den Sieg um vier Hundertstel und teilten sich Platz zwei. Zuoberst auf dem Podest stand der Schweizer William Besse.

Die meisten haben es wohl befürchtet, hören es aber trotzdem nicht gern: Die erfolgreichste Nation auf der Lauberhornabfahrt ist der ewige Rivale Österreich mit insgesamt 30 Siegen. Die Schweiz triumphierte zweimal weniger in der «Königsdisziplin». Je fünf Siege holten die Italiener und die US-Amerikaner.

2014 Patrick Küng war vor vier Jahren der letzte Schweizer Abfahrtssieger in Wengen. Weniger erfolgreich sind die Gastgeber im Slalom: Den letzten Sieg eines Einheimischen gab es 1987, als Joël Gaspoz gewann. In der Kombination hingegen jubelte die Schweiz 2017 dank Überraschungssieger Niels Hintermann.

Das ewige Duell: Der Österreicher Hannes Reichelt gewinnt 2015 die Abfahrt vor den Schweizern Beat Feuz und Carlo Janka. (Bild: Keystone)

Abfahrtsrekordsieger am Lauberhorn ist mit sechs Triumphen Karl Molitor. Der Schweizer gewann 1939, 1940, 1942, 1943, 1945 und 1947. Seinen ersten Sieg holte er trotz eines Sturzes mit zehn Sekunden Vorsprung. Später wurde bekannt, dass Schüler heimlich eine 200 Meter lange Abkürzung in den Schnee gestampft hatten, die der damals 19-jährige Molitor nahm.

Pro Disziplin werden dieses Jahr in Wengen 120’000 Franken ausgeschüttet. Preisgeld erhält jedoch nicht nur der Sieger, sondern auch die Fahrer auf den Plätzen 2 bis 30. Wer zuoberst auf dem Podest steht, bekommt 45’500 Franken, der Zweitplatzierte 20’000 Franken und der Drittplatzierte immerhin noch 10’000 Franken.

Jedes Jahr sind über 1800 Helfer tage- und nächtelang im Einsatz, damit die Lauberhornrennen stattfinden können. Es handelt sich um Militärangehörige, Personen vom Zivilschutz und freiwillige Helfer. Die Aufgaben, für die sie eingesetzt werden, sind vielfältig: So gibt es sogenannte Rutscher, die für den einwandfreien Zustand der Pisten sorgen. Die Torwarte helfen den Schiedsrichtern zu beobachten, ob die Fahrer die Tore nach den FIS-Vorschriften korrekt passieren. Der Ordnungsdienst ist dafür verantwortlich, dass die Rennpiste während der Renntage nur von berechtigten Personen betreten wird.

Präparieren die Abfahrtspiste: Helfer im Jahr 2016. (Bild: Keystone)

Aus 1500 Tonnen Material errichten die Helfer die Tribünen und die verschiedenen Zelte. Die Gesamtlänge der Absperrzäune beträgt 30 Kilometer. Zur Pistenmarkierung müssen 2500 Liter Farbe aufgewendet werden. Für die Beschneiung der Piste, die möglichst hart sein soll, sind üblicherweise 90'000 Kubikmeter Wasser nötig. Dieses Jahr mussten wegen der hohen Temperaturen und des aufgeweichten Schnees 270'000 Kubikmeter Wasser (270 Millionen Liter) eingesetzt werden.

Für die Gastronomie werden 300 Mitarbeiter rekrutiert. Am ganzen Wochenende werden etwa 40 Tonnen Lebensmittel und Getränke verbraucht.

Immer wieder sorgt er für Turbulenzen am Berg: der «Guggiföhn». Dieses Jahr wurde der spezielle lokale Föhnsturm fast zum Spielverderber am Lauberhorn. In der Nacht von Montag (8.1.) auf Dienstag (9.1.) suchten Böen mit Windgeschwindigkeiten von rund 200 km/h das Lauterbrunnental und Wengen heim. Ein Teil der Infrastruktur für das Rennen wurde zerstört.

Nach einer Überprüfung stellten die Organisatoren zum Glück fest, dass die Durchführung der Rennen nicht gefährdet ist. OK-Chef Urs Näpflin gab gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet Entwarnung.

Die Kraft der Natur: OK-Chef Urs Näpflin über die Folgen des Föhnsturms. (Video: fas)

Das Wochenende in Wengen gehört zu den grössten Sportveranstaltungen in der Schweiz. Jedes Jahr zieht es Zehntausende Zuschauer an den Pistenrand. Aus dem einst einfachen Skirennen ist ein Event mit Rahmenprogramm geworden. Ab 2007 lockte das Lauberhorn immer mehr Publikum an. 2012, im Rekordjahr, kamen 66’000 Zuschauer an die drei Renntage, alleine 38’000 sahen die Abfahrt. Doch seither sind die Zahlen rückläufig.

2016 zählte Wengen nur noch 43’500 Zuschauer. 2017 musste das Organisationskomitee wegen heftiger Schneefälle gar kapitulieren und erstmals seit dreizehn Jahren die Lauberhornabfahrt ausfallen lassen. Der Zuschauerrückgang der letzten Jahre ist laut den Veranstaltern vor allem auf mässige Wetterprognosen, Verschiebungen und ebensolche Ausfälle zurückzuführen. Einen Einfluss dürfte auch die Form und damit die Siegesaussichten der Schweizer Fahrer haben.

Dafür ist die Lauberhornabfahrt im TV ein beständiger Quotenrenner. 2016 verfolgten sie im Schnitt 823'000 Zuschauerinnen und Zuschauer aus der Deutschschweiz live auf SRF zwei, was einem Marktanteil von 73,5 Prozent entspricht. Auch in den drei Jahren zuvor war der Marktanteil jeweils hoch.

2015 erzielt die Lauberhornabfahrt sogar einen Zuschauerschnitt von 988'000 Personen. Damit gehört sie zu den Top 20 der meistgeschauten Sendungen bei SRF seit 2013.

Rund 430 Journalisten aus 17 Ländern sind in Wengen akkreditiert. In Europa allein hatte die Abfahrt bisher jeweils über 10 Millionen Fernsehzuschauer. Dieses Jahr dürften es weltweit rund 15 Millionen werden. Denn das chinesische Fernsehen wird die Weltcupskirennen erstmals live übertragen, wie Radio Zürisee berichtete. Aufgrund der Zeitverschiebung sehen sie die Chinesen zur absoluten Primetime.

Für Wengen sind die Lauberhornrennen ein wunderbares Schaufenster und unbezahlbare Werbung. Millionen Zuschauer sehen den Ort im Fernsehen. Dazu kommen die Skifans vor Ort. 31'000 Logiernächte verzeichnete Wengen 2015. Insgesamt generierte der Anlass 3,9 Millionen Franken Wertschöpfung in der Region, wie Bernerzeitung.ch/Newsnet vor drei Jahren aufzeigte.

Eine Studie des Instituts für Tourismuswirtschaft (ITW) der Fachhochschule Zentralschweiz kam bei einer Auswertung des Events von 2002 zum Schluss, dass die Skirennen am Lauberhorn der Jungfrauregion jährlich Umsätze von knapp 9 Millionen Franken bringen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2018, 21:03 Uhr

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