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Der Sneaker als Anlageobjekt

Seltene Turnschuhe werden an Online-Börsen wie Wertpapiere gehandelt – die logische Konsequenz eines Booms.

Eines von nur zwölf Paaren: Dieses Paar Moon Shoes von Nike wurde im Juli bei einer Auktion in New York für 437'500 Dollar versteigert. Foto: Sotheby's
Eines von nur zwölf Paaren: Dieses Paar Moon Shoes von Nike wurde im Juli bei einer Auktion in New York für 437'500 Dollar versteigert. Foto: Sotheby's

Jordan-Index statt SMI oder Dow Jones? Klingt skurril, doch begehrte Sportschuhe haben sich von Liebhaber- zu Anlageobjekten entwickelt. An Online-Börsen werden sie inzwischen wie Wertpapiere gehandelt. Der Hype spielt nicht nur Konzernen wie Nike und Adidas in die Karten.

Kürzlich kam Nikes streng limitierter Basketballschuh «Air Jordan 1 High OG TS» heraus – mit 175 Dollar nicht eben günstig zu haben. Doch das Modell war sofort ausverkauft und kostete am Zweitmarkt kurz danach je nach Grösse schon über 2800 Dollar.

Dass bestimmte Schuhe begehrte Sammlerobjekte sind, ist nichts Neues. Doch mittlerweile entwickeln sich sogenannte Sneakers wie Kunst, Oldtimer oder seltener Whisky in Richtung einer eigenen alternativen Anlageklasse – und die boomt derzeit gewaltig.

Dass der Handel mit rarer Streetwear eine lukrative Nische sein könnte, ahnten Josh Luber und Greg Schwartz schon vor Jahren. 2016 gründeten sie mit dem US-Unternehmer und Besitzer des Basketball-Teams Cleveland Cavaliers, Dan Gilbert, die Online-Börse StockX. Hier werden neben Kleidung angesagter Marken wie Supreme oder BAPE und raren Schuhen wie Jordans und Yeezys auch begehrte Handtaschen oder Uhren gehandelt. Die Geschäfte laufen offenbar sehr gut.

Handelsplattform über eine Milliarde wert

Im Juni schloss StockX eine Finanzierungsrunde mit mehreren Investoren ab, bei der das Detroiter Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet wurde. Zeitgleich mit der Geldspritze wurde in Scott Cutler ein Topmanager vom Internethandels-Riesen Ebay abgeworben, der künftig die Geschäfte führen soll. «StockX revolutioniert E-Commerce», verspricht Cutler. Die Plattform sei eines der am schnellsten wachsenden Tech-Unternehmen weltweit.

Der vielleicht erste Kult-Sneaker der Welt: der Converse All-Star. Die erste Version des Schuhs kam 1917 in den USA heraus.
Der vielleicht erste Kult-Sneaker der Welt: der Converse All-Star. Die erste Version des Schuhs kam 1917 in den USA heraus.
American Federation of Arts/Bata Shoe Museum
70er-Jahre in New York: Auch abseits der Profi-Arenen boomt Basketball bzw. Streetball. Die Spieler waren Idole für viele Kids in den Schwarzen- und Latinovierteln. Im Bild die Legende Dr. J im Rucker Park in Harlem.
70er-Jahre in New York: Auch abseits der Profi-Arenen boomt Basketball bzw. Streetball. Die Spieler waren Idole für viele Kids in den Schwarzen- und Latinovierteln. Im Bild die Legende Dr. J im Rucker Park in Harlem.
Youtube
Was auf dem Spielfeld cool war, fand bald den Weg in die Strassen New Yorks. Hip-Hopper, Breakdancer und Graffitikünstler liessen sich vom Sportstil inspirieren. Sneakers wurden zum Ausdruck von Identität und Kultur.
Was auf dem Spielfeld cool war, fand bald den Weg in die Strassen New Yorks. Hip-Hopper, Breakdancer und Graffitikünstler liessen sich vom Sportstil inspirieren. Sneakers wurden zum Ausdruck von Identität und Kultur.
Instagram Jamel Shabazz
«Cool hiess Stärke, Stolz, Mut und aufrichtige Liebe dir selbst gegenüber», schreibt Ernie Paniccioli in einem Bildband von Jamel Shabazz zur Strassenkultur im New York der 80er-Jahre. Sneakers waren Teil dieser Coolness.
«Cool hiess Stärke, Stolz, Mut und aufrichtige Liebe dir selbst gegenüber», schreibt Ernie Paniccioli in einem Bildband von Jamel Shabazz zur Strassenkultur im New York der 80er-Jahre. Sneakers waren Teil dieser Coolness.
Instagram Jamel Shabazz
In den 70er- und 80er-Jahren wurden viele Schuhe auf den Markt gebracht, die bis heute verkauft werden. Hier der Puma Clyde, der unter anderem gerne von Breakdancern getragen wurde.
In den 70er- und 80er-Jahren wurden viele Schuhe auf den Markt gebracht, die bis heute verkauft werden. Hier der Puma Clyde, der unter anderem gerne von Breakdancern getragen wurde.
American Federation of Arts/Bata Shoe Museum
Auch der Stan Smith von Adidas ist bis heute ein fester Bestandteil der Modewelt. Stan Smith war in den 70er-Jahren ein erfolgreicher Tennisspieler und der Schuh, der ursprünglich «Haillet» hiess, eigentlich ein Tennisschuh. Auf dem Bild zu sehen ist ein Original aus den 80er-Jahren aus der Adidas AG Collection.
Auch der Stan Smith von Adidas ist bis heute ein fester Bestandteil der Modewelt. Stan Smith war in den 70er-Jahren ein erfolgreicher Tennisspieler und der Schuh, der ursprünglich «Haillet» hiess, eigentlich ein Tennisschuh. Auf dem Bild zu sehen ist ein Original aus den 80er-Jahren aus der Adidas AG Collection.
Bata Shoe Museum, Toronto, Canada.
1982 brachte Nike den ersten Basketballschuh mit eingearbeiteten Luftkissen auf den Markt.
1982 brachte Nike den ersten Basketballschuh mit eingearbeiteten Luftkissen auf den Markt.
Kickz
1984 dann der ganz grosse Coup: Nike stattet Basketball-Superstar Michael Jordan mit dem Air Jordan 1 aus. Dieser Schuh markiert für viele den Beginn der modernen Sneaker-Kultur und des Sammelns, denn wenn eines verkündet wird, wartet man schon auf zwei, drei und weitere Modelle.
1984 dann der ganz grosse Coup: Nike stattet Basketball-Superstar Michael Jordan mit dem Air Jordan 1 aus. Dieser Schuh markiert für viele den Beginn der modernen Sneaker-Kultur und des Sammelns, denn wenn eines verkündet wird, wartet man schon auf zwei, drei und weitere Modelle.
American Federation of Arts/Bata Shoe Museum
1986 rappten Run-DMC in «My Adidas» über den Adidas Superstar. Sie trugen den Schuh wie Gefangene – ohne Schuhbändel.
1986 rappten Run-DMC in «My Adidas» über den Adidas Superstar. Sie trugen den Schuh wie Gefangene – ohne Schuhbändel.
Instagram Run-DMC
Adidas ging daraufhin als erster Sneaker-Hersteller die Zusammenarbeit mit einer Musikgruppe ein. Die Verkaufszahlen für den Adidas Superstar schnellten daraufhin in die Höhe.
Adidas ging daraufhin als erster Sneaker-Hersteller die Zusammenarbeit mit einer Musikgruppe ein. Die Verkaufszahlen für den Adidas Superstar schnellten daraufhin in die Höhe.
Adidas
Die Fans von Run-DMC waren von den Adidas-Schuhen so begeistert, dass sie an Konzerten gerne dem Aufruf der Rapper folgten: «Put them in the air!»
Die Fans von Run-DMC waren von den Adidas-Schuhen so begeistert, dass sie an Konzerten gerne dem Aufruf der Rapper folgten: «Put them in the air!»
Youtube
Fortan verbreitete sich der Sneaker immer mehr und schaffte es auch in die High-Fashion-Branche. Hier ein Modell der Luxusmarke Gucci.
Fortan verbreitete sich der Sneaker immer mehr und schaffte es auch in die High-Fashion-Branche. Hier ein Modell der Luxusmarke Gucci.
Gucci
Kollaborationen mit Künstlern sind bis heute beliebt bei Sneaker-Herstellern. Der Musiker Kanye West designte für Adidas die Yeezy-Linie.
Kollaborationen mit Künstlern sind bis heute beliebt bei Sneaker-Herstellern. Der Musiker Kanye West designte für Adidas die Yeezy-Linie.
American Federation of Arts/Bata Shoe Museum
Mittlerweile sind Sneakers ein Massenphänomen und erfreuen sich auch in der Schweiz grosser Beliebtheit – die letztjährige Sneakerness zog die Leute in Scharen an.
Mittlerweile sind Sneakers ein Massenphänomen und erfreuen sich auch in der Schweiz grosser Beliebtheit – die letztjährige Sneakerness zog die Leute in Scharen an.
Facebook Sneakerness
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Das lässt sich zwar schwer prüfen, da die Firma bislang keine Finanzberichte veröffentlicht. Doch dass es ein so junges Unternehmen auf eine Milliardenbewertung bringt, ist durchaus beachtlich und zeigt, welches enorme Potenzial Investoren wittern. Dabei gibt es die Kultur der Sneakerheads, wie die Liebhaber der speziellen Turnschuhe genannt werden, bereits seit Jahrzehnten. Die Obsession mit Kultmarken wie Air Jordan oder Converse Chuck Taylor war schon gross, lange bevor Rapstars wie Kanye West oder Travis Scott bei Sportartikel-Giganten wie Adidas und Nike ihre Kollektionen hatten.

Längst nicht nur Sammler

Doch was sich früher auf eine überschaubare Szene von Sammlern beschränkte, erreicht mehr und mehr den Mainstream und wird damit auch für die Finanzwelt immer interessanter. Der Handel mit limitierter Streetwear ist vom Untergrund-Phänomen zu einer grossen Kommerzveranstaltung geworden. In New Yorks Szenevierteln wie SoHo gehören die langen Schlangen vor den Sneaker-Läden längst zum gewohnten Bild. Heutzutage halten spezielle Apps und Websites die Szene über exklusive Veröffentlichungen auf dem Laufenden.

Auf «Re-Seller», die bei raren Kollektionen rasch zuschlagen und dann zu höheren Preisen weiterverkaufen, sind Sammler traditionell nicht gut zu sprechen. Doch die Grenzen sind fliessend, natürlich sind auch viele Sneakerheads dem Geld nicht abgeneigt, wenn sie sich mehr als ein Paar sichern und etwas dazuverdienen können. Angesichts der hohen Renditen wird das Geschäft aber ohnehin immer professioneller. Da der Verkauf zunehmend über das Internet abläuft, versuchen nun auch schon Hacker, sich mit programmierten Bots Vorsprünge zu verschaffen.

Nur zwölf Paar angefertigt

Wie viel Geld seltene Schuhe wert sein können, zeigte sich im Juli bei einer Auktion in New York. Insgesamt 437'500 Dollar blätterte ein kanadischer Unternehmer und Sammler für ein paar Moon Shoes von Nike hin – ein neuer Rekordwert. Angeblich soll Nike-Mitgründer Bill Bowerman auf der Suche nach einer ganz speziellen Sohle Gummi in das Waffeleisen seiner Frau gegossen haben. Nur etwa zwölf Paar des Modells wurden angefertigt, das nun versteigerte gilt als das einzige bekannte, dessen Zustand als ungetragen bezeichnet werden kann.

Online-Börsen wie StockX, an denen Sportschuhe wie Wertpapiere gehandelt werden, sind gewissermassen die logische Konsequenz des Booms. Die Plattformen bieten nicht nur Zugang zu Artikeln, die sonst kaum zu bekommen wären, sie versprechen auch sorgfältige Prüfungen der Ware, die bei ihnen angeboten wird. Der Originalitäts-Check ist ein wichtiges Argument, denn es gibt viele Fälschungen, die teilweise sehr schwer zu erkennen sind. Im Netz präsentiert sich StockX im Stil einer Investment-Plattform – wie hoch welcher Schuh gerade im Kurs steht, wird anhand von Angebot und Nachfrage laufend ermittelt.

Bereits 2 Milliarden Dollar Marktvolumen

Jordan- oder Yeezy-Index statt Dax oder Dow Jones? Das mag auf den ersten Blick etwas skurril wirken, doch klein ist der Markt nicht. Die Investmentbank Cowen & Co schätzt, dass das Volumen alleine bei Sneakern und Streetwear in Nordamerika bis 2025 von derzeit zwei Milliarden auf rund sechs Milliarden Dollar steigt. Hierbei geht es wohlgemerkt nur um den Zweitmarkt, also wiederverkaufte Artikel. Kein Wunder also, dass das Segment auch für Branchengrössen wie Nike, Adidas oder Puma längst grosse Attraktivität gewonnen hat.

Der Rummel um die raren Kultobjekte verleiht den Marken mehr Strahlkraft und kommt besonders beim Buhlen um die jüngeren Käufergruppen gelegen. Zu den Gewinnspannen limitierter Kollektionen halten sich Nike, Adidas und Co. zwar bedeckt, doch die Kooperationen mit hochkarätigen Musikern und Sportlern würden sich die Unternehmen wohl sparen, wenn sie nicht lukrativ wären. Anleger sollten sich indes im Klaren sein, dass nicht jeder Sneaker ein Renditebringer ist und die Kurse auch an der Turnschuh-Börse kräftig fallen können.

(SDA)

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