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Die Seeländer kommen

Mit Biel ist das Team der Stunde im Hallenstadion zu Gast. Das Hoch des Clubs ist alles andere als Zufall.

26 Punkte aus den letzten 10 Spielen – niemand spielt derzeit erfolgreicher als der EHC Biel (hier in der heimischen Tissot-Arena). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
26 Punkte aus den letzten 10 Spielen – niemand spielt derzeit erfolgreicher als der EHC Biel (hier in der heimischen Tissot-Arena). Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Nur kurz trainierte der höchste Bieler den ersten Schweizer NHL-Erstrundendraft. Erich Fehr war damals noch nicht Stadtpräsident, Michel Riesen erst Junior in einem Club mit verblasstem Meisterruhm und chronischen Geldproblemen. Dass der EHC Biel drei Jahrzehnte später über die modernste Arena, die grösste Donatorenvereinigung und die beste Mannschaft der Liga verfügen würde: Das war damals so absehbar wie ein Immobilienspekulant als US-Präsident.

Und doch ist es so. Das Team, das heute beim ZSC zu Gast ist, hat in den zehn Spielen seit dem Trainerwechsel zu Antti Törmänen achtmal voll gepunktet, zweimal erst nach Penaltys verloren. Und kletterte so auf den dritten Platz.

«Eine höchst erfreuliche Momentaufnahme, die hoffentlich noch lange andauert», nennt Fehr die jüngsten Vorstellungen des EHC. Des wichtigsten sport­lichen Aushängeschilds seiner Stadt.

«Vor zwei Jahren begannen wir, unsere Strategie darauf auszurichten, konsequent Junge zu holen.»

Martin Steinegger, Sportchef EHC Biel

Auch Martin Steinegger schwärmt. «Sehr hoch zu bewerten» sind für Biels Sportchef die Vorstellungen seines Teams. «Unsere Geschichte war immer: Playoff, Ligaquali, Playoff, Ligaquali», ­illustriert er die Wellenbewegungen der letzten Jahre. Einerseits war das so, weil die besten Spieler nach guten Saisons oft ihr Glück in Grossclubs suchten. Andererseits sei jeweils auch «ein bisschen Zufriedenheit eingekehrt».

Das ist diesmal anders. 2017 erreichte man das Playoff, verlor mit Gaëtan Haas unter anderem den besten Schweizer Center der Liga. Und machte doch einen Schritt vorwärts.

Steinegger zählt dafür Gründe auf: die Fitness; das Selbstvertrauen; die ­Basis, die Törmänens Vorgänger Mike McNamara legte; Glück. Doch der Bieler Erfolg hat auch System. «Vor zwei Jahren begannen wir, unsere Strategie darauf auszurichten, konsequent Junge zu ­holen», erklärt der Sportchef. Erfolgsstorys wie die von Matthias Rossi, Julian Schmutz oder Ramon Untersander sind da beste Werbung. Und haben jüngst auch einen ZSC-Stürmer überzeugt.

Künzle, der Wunschtransfer

«Ich habe Mike Künzle gesagt: ‹Wenn du weiterkommen willst, musst du weg aus der vertrauten Umgebung›», erzählt Steinegger von seinen Gesprächen mit dem begabten, aber stagnierenden 24-Jährigen, der nächste Saison für Biel stürmt. «Er ist genau der Spielertyp, den wir suchen und weiterbringen wollen.»

Neben talentierten Jungen investiert Biel punktuell auch in Routiniers, die Führungsrollen übernehmen sollen – Goalie Jonas Hiller vor zwei Jahren, Verteidiger Beat Forster letzten Sommer.

Die finanziellen Mittel für diese Doppelstrategie kommen einerseits von der grössten Donatorenvereinigung der Liga. Ein «Who’s who der regionalen Wirtschaft und des regionalen Gewerbes» nennt Fehr die Networking-Plattform. Sie umfasst heute 400 Mitglieder, die zwischen 6666 und 26'666 Franken jährlich beitragen – kein Randposten bei einem Club-Budget von 14 Millionen.

Die zweite Spezialität des EHC ist nicht über Jahre gewachsen, sondern war ein Quantensprung: die Tissot- Arena. Für 210 Millionen Franken gebaut, 2015 eröffnet, betreibt der Club die Gastronomie, profitiert von modernster Infrastruktur und von einer im Vergleich zu den Vollkosten um mehrere 100'000 Franken tieferen Jahresmiete.

Nicht wunschgemäss entwickeln sich nur die Zuschauerzahlen. Sie sanken im Vergleich zur Premierensaison zum zweiten Mal in Folge, von damals 5896 auf aktuell 5268. Tiefere haben nur Ambri und Davos. Doch vielleicht dauert es im Seeland bloss etwas länger, bis der sportliche Höhenflug sich bei den Tickets auswirkt. Denn die Bindung zum dreifachen Meister bleibt in der Region konkurrenzlos. «Eishockey ist mein Sport, und der EHC ist mein Verein», sagt Erich Fehr stellvertretend. Es kann ja nicht bei jedem so tief gehen wie beim Stadtpräsidenten. Er ist längst Michel Riesens Stiefvater.

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