Zum Hauptinhalt springen

«Ich bin überrascht, dass es so lange dauerte, einen Affen zu klonen»

Klon-Experte Eckhard Wolf spricht über die Bedeutung des erfolgreichen Klonens zweier Primaten.

Wie die beiden Affenklone Hua Hua und Zhong Zhong im Labor leben. Video: SDA/Tamedia

Der Klonzoo wird immer grösser: Schaf, Rind, Maus, Schwein, Pferd, Hund und jetzt zwei Javaner-Affen. Ist das ein Durchbruch?

Nein, zumindest kein ganz grosser. Wir haben inzwischen mehr als 20 Säugetierarten, von denen wir genetische Doubles herstellen können. Es hat mich eher überrascht, dass es so lang gedauert hat, einen Affen zu klonen. Die Kollegen in China haben mit viel Ressourcen viele Bedingungen getestet, bis sie eine gefunden haben, die zum Erfolg geführt hat. Das ist im Prinzip die grosse Leistung.

Kommt als Nächstes der Mensch?

Das glaube ich nicht. Jedenfalls trägt die aktuelle, in der Fachzeitschrift «Cell» veröffentlichte Studie nicht dazu bei. Hätte es ein ernsthaftes Interesse dafür gegeben, einen Menschen genetisch zu kopieren und einen identischen Doppelgänger herzustellen, hätte man nicht auf die jetzige Arbeit warten müssen. Denn auch vorher haben Experten ebenfalls Chromatin-modifizierende Substanzen für die erforderliche Rückprogrammierung der zu klonenden Zelle eingesetzt.

Also kein Türöffner für menschliche Klonbabys?

Die Forscher haben in ihrer Studie nicht irgendeinen Hintergedanken erkennen lassen, dass sie ihre Erkenntnisse als Vorexperiment zum Klonen von Menschen verwenden wollen. Im Gegenteil, sie möchten geklonte Affen als Modellorganismus für Tierversuche einsetzen, um anhand von genetischen Modifikationen bestimmte Krankheiten beim Menschen besser zu verstehen.

War es eine Prestigesache, vor den Amerikanern zu sein?

Forschung ist immer ein Wettrennen. Wer ist der Erste? In China haben sie gute Ressourcen dafür. Zum einen haben sie generell nicht so restriktive Vorschriften und zum andern sehr viele Spender- und Empfängertiere, kurzum aussergewöhnliche Infrastrukturen. Vielleicht setzen die Amerikaner statt auf das Klonen eher auf den Einsatz befruchteter Eizellen, die sie mit der Genschere Crispr/CAS9 ebenfalls gezielt genetisch manipulieren ­können. Der Nachteil: Die durchgeführte Veränderung ist nicht mit hundertprozentiger Sicherheit in allen Zellen.

Warum braucht es überhaupt ­Klontiere in der Forschung?

Wir haben geklonte Schweine als Modellorganismus für die beim Menschen schwer verlaufende Erbkrankheit Duchenne-Muskeldystrophie hergestellt. Zudem arbeiten wir an gentechnisch veränderten Schweinen als zukünftige Organspender. In beiden Fällen ist ein geklonter Javaner-Affe nicht geeignet. Man muss immer von Fall zu Fall entscheiden und vorher eine profunde Güterabwägung machen, um das dem Tier zugefügte Leid gegenüber dem Erkenntnisgewinn rechtfertigen zu können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch