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Hundert Jahre Einsamkeit

Das erstarkende Konzept des Individuums hat eine Preis, schreibt Kolumnist Markus Somm.

Einsamkeit könnte bald ein grosses Problem westlicher Gesellschaften werden. Foto: Altopress
Einsamkeit könnte bald ein grosses Problem westlicher Gesellschaften werden. Foto: Altopress

Eines der grössten politischen Probleme des Westens – und gleichzeitig eines, das die Menschen am wenigsten zu kümmern scheint, weil es so kompliziert und so beklemmend wirkt – ist die Gesundheitspolitik. Finanziell warten hier Katastrophen, Desaster und Bankrotte auf uns. Wir werden älter, unsere Medizin besser und teurer, und aus sozialen Gründen scheuen wir uns, den Markt mit all seiner effizienten Brutalität schrankenlos einzusetzen. Wer möchte schon über Leben und Tod eine Buchhaltung führen, wer gibt gerne zu, dass nirgendwo Ungleichheit so unerträglich erscheint wie bei Krankheit und Alter? Das Leben ist ungerecht – und es bleibt ungerecht auch nach einem guten Jahrhundert des unablässig wachsenden Sozialstaates, auch wenn zuzugeben ist, dass wir manche Härten beseitigt haben. Am meisten half wohl der medizinische Fortschritt. Gott würfelt nicht, sagte einst Albert Einstein, der grosse Physiker, in anderem Zusammenhang, doch in der Gesundheitspolitik wirkt es oft, als ob uns Gottlosen nur Gott noch beistehen kann. Denn paradoxerweise hat, was die Gesundheitspolitik verbesserte, der Sozialstaat, unerwünschte Nebenwirkungen gebracht, die längst zu Hauptwirkungen geworden sind.

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