«Und jetzt gehen mir die Fragen dazu langsam auf den Keks»

GC-Präsident Stephan Anliker verteidigt sein Vorgehen bei der Entlassung von Axel Thoma, sieht keine Zukunft für das Owner-System und sucht einen neuen Besitzer für den Club.

«Nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Anliker das kann»: Anliker über Anliker. Foto: Emanuel Per Freudiger (Freshfocus)

«Nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Anliker das kann»: Anliker über Anliker. Foto: Emanuel Per Freudiger (Freshfocus)

Sie führen GC seit rund 18 Monaten. Sind Sie ein guter Präsident?
Es geht nicht darum, ein populärer Präsident zu sein. Es geht darum, dem Club eine neue Basis zu geben, damit er sich wieder entwickeln kann. Wir haben damals die Änderung vorgenommen (die Absetzung von André Dosé als Präsident im Dezember 2013), weil die Grundbedingungen nicht mehr gestimmt hatten – vor allem aus finanzieller Sicht. Der Erfolg war viel zu teuer eingekauft worden.

Ist das ein später Vorwurf an ihren Vorgänger?
Es ist meine Antwort auf ihre zwei­deutige Frage. (schmunzelt)

Die war nicht zweideutig.
Es ist schwieriger, aufzuräumen und entsprechend in der Öffentlichkeit zu stehen als aus einer gewissen Distanz zu kritisieren. Ich habe stets betont: Ich bin nicht GC-Präsident geworden, weil ich das unbedingt wollte. Ich bin Präsident, weil wir den Club zurück in die Realität führen mussten. Die Aufräumarbeiten haben einiges an Lärm, einiges an Unruhe verursacht. Das hat aber nichts damit zu tun, ob ich nun ein guter oder schlechter Präsident bin. Sondern mit den Umständen.

Wir fragen anders: Haben Sie das, was Sie bisher aus Ihrer Sicht haben tun müssen, gut getan?
Ja. In diesen eineinhalb Jahren haben wir die operative Führung neu organisiert, den Verwaltungsrat neu aufgestellt und die Finanzen bereinigt. Selbstverständlich haben wir auch ein paar Fehler gemacht, doch das war unter diesen Umständen wohl kaum zu verhindern.

Bei den öffentlichkeitswirksamen Entscheiden hat GC fast nie ein gutes Bild abgegeben und in den ­Fällen Dosé, Rapic, Spross/Fromm/Keller, Skibbe und Salatic, Thoma reichlich Geschirr zerschlagen.
Das interpretieren Sie alles so. Intern werden unsere Entscheidungen und Erklärungen anders aufgenommen. Sicher ist es nicht so, dass gar kein Geschirr zerschlagen worden ist. Und eben, aus der Ferne betrachtet sehen Sie vor allem das Schwierige. Doch wie sich aus dem Schwierigen etwas Gutes entwickeln lässt, das lässt sich erst mit der Zeit erklären und ist von aussen vermutlich auch gar nicht sichtbar.

Nehmen wir den Fall Thoma. Sie traten in Aarau sehr entschlossen auf, als Sie die Entlassung des Sportchefs erklärten . . .
. . . und dazu stehe ich. Zu jedem Wort, das ich gesagt habe.

Sie sagten damals, dass es Gründe gebe für eine fristlose Kündigung.
Das habe ich nicht gesagt.

Sie betonten, GC habe gute Chancen, aus dem Vertrag herauszukommen. Offensichtlich aber hat GC keine Beweise gefunden für Handlungen, die eine fristlose Kündigung rechtfertigen würden.
Wir sind doch aus dem Vertrag gekommen! Und zwar zu für uns sehr guten ­Bedingungen.

Weshalb traten Sie in Aarau derart forsch auf?
Ich trat nicht forsch auf. Ich trat wahrheitsgetreu auf. Ich sagte nichts Falsches.

Zusammengefasst warfen Sie Thoma vor, er sei ein unfähiger Blender. Weshalb haben Sie einen leitenden Angestellten auf eine Art abqualifiziert, wie das im Schweizer Fussball kaum einmal vorgekommen ist?
Ich bin ein Typ, der relativ pragmatisch handelt. Ich beurteilte damals die Situation so, wie sie war und wie ich sie auch heute noch beurteile.

Wir deuten die Trennung als Niederlage für GC. Vor kurzem lehnte Thoma eine Abfindung von acht Monatslöhnen ab. Wieso soll er nun auf einmal mit weniger zufrieden sein als mit den zwei Jahren, die ihm vertraglich zustanden?
Sie treffen Annahmen. Es ist uns gelungen, gut aus dem Vertrag auszusteigen.

Wäre es nicht klüger gewesen, Sie hätten Thoma ein Jahressalär als Abgangsentschädigung angeboten und die Entlassung mit unterschiedlichen Auffassungen in der Clubführung begründet?
Ob wir das hinter oder vor den Kulissen machen – das Ergebnis ist dasselbe. Sie behaupten etwas. Wir sagen, wie es tatsächlich war.

Wir behaupten, dass GC nicht zu den Konditionen aussteigen konnte, wie Sie glauben machen wollen.
Wir haben über die Konditionen Stillschweigen vereinbart mit Axel Thoma. Und jetzt gehen mir die Fragen dazu langsam auf den Keks.

Sie sagen, Sie hätten auch Fehler begangen. Was würden Sie neben Thomas Einstellung anders machen?
Nicht viel. Weil ich ein pragmatischer Mensch bin und weiss: Wir können nicht beurteilen, welchen Verlauf die Dinge mit anderen Entscheidungen genommen hätten.

Würden Sie auch im Fall Salatic nicht anders handeln?
Ich bin als Präsident kein Alleinherrscher. Ich bin Präsident eines Clubs, der extrem breit abgestützt ist. Das gibt uns Chancen, beinhaltet aber auch Risiken. Beim Fall Salatic war ich als Präsident nicht vom ersten Moment an involviert. Er war falsch aufgegleist worden. Ich habe ihn nachher gelöst.

Wie falsch? Mit der Suspendierung des Spielers, die Sie widerriefen, was den Abgang von Verwaltungsrat Martin Keller nach sich zog?
Ich möchte damit nur darlegen, dass die breite Abstützung in der GC-Gemeinschaft Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringt. In jeder Gemeinschaft gibt es verschiedene Meinungen und Strömungen. Damals führte eine Strömung ­relativ schnell zu einer Suspendierung Salatics.

Sie sprechen die Owner-Struktur an.
Unter anderem. Das System mit den ­Ownern waren ab 2011 als Überbrückungsfinanzierung gedacht, bis 2016 das neue Stadion steht. Nun wird das 2016 leider nicht bereit sein. Deshalb ist wahrscheinlich auch die Owner-Struktur nicht mehr das Richtige für GC. ­Hätten wir nächstes Jahr das Stadion, könnte ich mir vor­stellen, dass wir gar mehr Owner hätten als zu Beginn. Für mich als Präsident gilt, dass die Meinungsbildung in einem breit abgestützten Club wie GC viel schwieriger ist.

Betrachten Sie die Owner-Struktur als gescheitert?
Ich glaube, dass sie keine Zukunft hat. Wir haben in den vergangenen Monaten die operative Führung neu organisiert, ich konnte einen neuen Verwaltungsrat zusammenstellen nach Chargen, Kompetenzen, Bodenhaftung, GC-Affinität und Ausstrahlung. Und wir wissen jetzt, wie unsere Finanzen und die Risiken aussehen.

Sie geben an, GC habe das Budget von 28 Millionen über 24 Millionen in der vergangenen Spielzeit auf jetzt 20 Millionen Franken gekürzt.
Das ist so. Bei Einnahmen von gegenwärtig 18 Millionen fehlen uns also 2 Millionen, doch die sind durch Mäzene abgesichert. Die Probleme von früher sind gelöst, wir können vorwärts schauen. Das Ziel ist klar: Wir müssen ein Fundament schaffen, das wirtschaftlicher ist. Die ­Owner haben einfach Geld eingeschossen, sie alle waren kleine oder grosse ­Mäzene. Und das Mäzenatentum muss abgelöst werden durch ein ökonomischeres System mit mehr Planungssicherheit.

Was heisst das?
Es geht in Richtung einer neuen Eigentümerstruktur.

GC hat offenbar nur noch sieben, acht Owner. Das ist im Vergleich zum Anfang die Hälfte.
Die Owner möchten nicht erwähnt werden, deshalb kann ich zu den Zahlen nichts sagen. Es ist aber schon so: Wir müssen in eine neue Richtung arbeiten. Es sind verschiedene Modelle denkbar. Im Idealfall kann sich der Club sogar selbst finanzieren. Wir wissen aber, wie schwierig das innert kürzester Zeit zu realisieren ist.

Sie sagen, es läuft bei GC auf neue Eigentümer hinaus . . .
. . . das ist eine Möglichkeit – eine nahe­liegende Möglichkeit...

. . . könnte es sein, dass eine Person oder eine kleine Gruppe im Stil der einstigen Financiers Gut und Gerber einsteigt?
Denkbar. Die künftige Eigentümerstruktur muss für den Club nachhaltig sein.

Ist es nicht Wunschdenken, dass ein Club wie GC in diesem schwierigen Umfeld nachhaltig geführt werden kann – sofern er den Anspruch hat, Spitzenfussball zu bieten?
Es ist kein Wunschdenken, es ist ein enorm hoher Anspruch, aber es muss unser Ziel sein. Es kann doch nicht das Ziel einer Clubführung sein, Geld zu vernichten. Vielleicht aber kommen wir nur in die Nähe einer nachhaltigen Führung. Die Einnahmen eines Fussballclubs bestehen aus Zuschauereinnahmen, Geldern von Sponsoren und Donatoren, ­Ligaprämien, Spielerverkäufen. Ein Club wie GC sollte also nicht extrem abhängig sein von Mäzenen, was ja bisher der Fall ist. Deshalb ist es heute sehr schwierig, einen anderen Weg zu finden.

GC will innert zwei Jahren 8 Millionen sparen. Können Sie vorrechnen, wie das gehen soll?
Indem wir versuchen, uns bei den Einnahmen zu verbessern – was uns im vergangenen Jahr gelungen ist, wir haben mehr Marketingerträge gehabt. Und wir versuchen, die Ausgaben zu verringern. Das gibt viel Arbeit. Dafür braucht es eine Organisation. Die hatten wir nicht in Zeiten der jüngsten sportlichen Erfolge.

Ist die neue Mannschaft nun wirklich so viel günstiger als die alte?
Das ist so.

Wieso konnte die alte zu teuer sein?
Das geht auf eine Entwicklung während eineinhalb Jahren zurück, als es wohl sportlichen Erfolg gab, aber die Mannschaft sehr viel teurer wurde. Und wenn man dann nur noch den Erfolg im Kopf hat, ohne sich zu überlegen, wie man ihn bezahlt, kommen solche Sachen vor.

Jemand musste sein Einverständnis gegeben haben, dass die Ausgaben auf 28 Millionen steigen konnten.
Ich möchte nicht auf die Details ein­gehen. Als das passierte, war ich noch nicht Präsident.

Aber Sie waren im Verein.
Es war ein Organisationsproblem. Es gab keinen Prozess, der so etwas verhindert hätte. Ich möchte daran erinnern: Als ich Präsident wurde, betrug bei uns die Zahlungsfrist für Rechnungen ein halbes Jahr.

Führt die breite Trägerschaft bei GC dazu, dass Sie teilweise auf Druck von anderen einen Kurswechsel vornehmen müssen, der Ihnen gar nicht unbedingt zusagt?
Das ist früher teilweise sicher so gewesen, aber heute nicht mehr.

Heute haben Sie also das letzte Wort?
Ich funktioniere anders: Ich höre mir andere Meinungen an, überlege dann und entscheide, falls wir uns nicht einig sind. Im Fall Salatic habe ich entschieden.

Es gibt bei GC auch den Fall mit Scout Feliciano Magro. Ihm wurde gekündigt, plötzlich aber ist er wieder eingestellt, weil mächtige Leute bei GC oder aus dem GC-Umfeld das so wollten.
Von welchem Jahr reden Sie? Das ist ja schon einige Male passiert. (schmunzelt)

Von diesem Frühjahr.
Im Fussball läuft schon einiges anders als in anderen Geschäftsbereichen. Ich muss aber auch sagen, dass es bei Magro keine Präsidialsache war, sondern eine operative Angelegenheit.

Solche Vorgänge wirken eigenartig. Zumal Magro eine Nähe zu Erich Vogel nachgesagt wird.
Jetzt kommen Sie wieder mit Vogel. Jeder mit einer gewissen GC-Vergangenheit hatte einmal eine Nähe zu ihm. Das ist auch nicht schlimm. Aber es ist wirklich ein altes Thema. Und wenn Sie von mir wissen wollen, ob ich allein entscheiden kann, sage ich: Nehmen Sie zur Kenntnis, dass der Anliker das kann. Es ist nicht so, dass mir einer sagt, was ich zu tun habe.

Reden wir über Kim Kallström. Axel Thoma hatte den Auftrag, ihn zu verpflichten. Was er finanziell bot, war dem Agenten des Spielers viel zu wenig. Kaum war Thoma weg, war Kallström da . . .
. . . das hat keinen Zusammenhang . . .

. . . aber offensichtlich ging irgendwo ein Kässeli auf, vielleicht bei Heinz Spross oder Peter Stüber.
Hören Sie! Sie mischen Kraut und Kabis durcheinander, und am Ende kommt ­irgendein Gericht dabei heraus. Sie kennen die Fakten nicht alle. Sie kennen ein paar Teile und setzen sie zusammen, wie es Ihnen gerade passt. Das hat aber nichts mit der Realität zu tun.

Also klären Sie uns auf.
Nein, das geht Sie doch nichts an. Punkt.

So fördern Sie die Spekulation erst recht.
Das ist halt mein Berufsrisiko, dass ich meinen «Gring» gelegentlich heraus­halten muss. Und dass ich ihn dann ­anschlage.

Halten Sie den Kopf denn gerne hin?
Es ist nicht «gäng» schön, GC-Präsident zu sein. Natürlich hätte ich lieber mehr Lob. Aber das ist nicht das Ziel. Ziel muss sein, dass GC besser dasteht als vorher.

Und dabei geht nach wie vor nichts ohne das Portemonnaie von Spross.
Völlige Fehlaussage. Das ist Ihre fest­gefahrene Meinung, das stelle ich immer wieder fest.

Festgefahren muss nicht falsch sein.
Sie machen uns das Leben echt schwer. Einmal ist es Vogel, jetzt ist plötzlich Spross der Böse.

Das haben wir doch nicht gesagt.
Nehmen Sie das nur so auf, wie ich das gesagt habe.

Sind Sie aber froh, dass sich Reinhard Fromm als Sponsor und Owner zurückgezogen hat?
Überhaupt nicht. Aber zu gewissen ­Sachen, die wir auch miteinander entschieden haben, konnte er nicht stehen.

Er war es, der sich immer wieder sehr kritisch darüber äusserte, wie sich GC präsentiert.
Darüber war ich sicher nicht glücklich. Das war auch nicht positiv für GC. Reinhard Fromm hat uns mit seinen Aus­sagen nicht geholfen.

Sind Sie zuversichtlich, dass GC bald wieder ein besseres Bild abgibt?
Ich gehe einfach meinen Weg. Ich mache es so, wie ich es für richtig befinde. Und ich sehe das Ziel des Weges. Wissen Sie, ich habe eine dicke Haut und einen breiten Rücken. Das ist wahrscheinlich auch notwendig als GC-Präsident.

Wo stehen die Grasshoppers in einem Jahr sportlich?
Nach zwei sehr schwierigen Monaten konnten wir eine Mannschaft zusammenstellen, die sich entwickeln kann. Wir haben Routiniers, an denen sich die Jungen festhalten können, wir haben Junge geholt, auch aus dem Ausland, zum Teil hochtalentierte. Wir haben mehr Platz für eigene Junge. Ich gehe ­davon aus, dass es schwierig wird, gleich Tritt zu fassen. Die zweite Saisonhälfte wird darum wichtiger sein als die erste. Ich würde es darum gerne sehen, wenn sich die Mannschaft wie im Frühjahr kontinuierlich entwickelt.

Das reichte aber nur zum 8. Platz.
Ich sehe das anders, ich habe ihre Entwicklung gesehen unter einem Trainer, der für diese Arbeit prädestiniert ist.

Und in einem Jahr . . .
. . . können wir, wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, sicher einen ­vorderen Mittelfeldplatz belegen. Und wieso sollen wir nicht versuchen, um einen Platz im Europacup zu kämpfen?

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