Ihr konsumiert euch noch zu Tode

Marie Kondo, Hohepriesterin des Minimalismus, eröffnet einen Online-Shop.

Marie Kondo präsentiert ihre berühmte Kleiderfalttechnik, die Platz im Kleiderschrank spart. Foto: Keystone

Marie Kondo präsentiert ihre berühmte Kleiderfalttechnik, die Platz im Kleiderschrank spart. Foto: Keystone

Edgar Schuler@Edgar_Schuler

Entrümpeln, sich vom Überflüssigen trennen, von all dem Schnickschnack, der sich über Jahre nutzlos angesammelt hat, das ist, sagt Marie Kondo, Balsam für die Seele: Wer seinen materiellen Besitz ordnet und entschlackt, entschlackt und ordnet sein Leben. Die dauerlächelnde Japanerin hat auch hierzulande viele mit ihrem Aufräumfimmel angesteckt. Nun will sie aber mehr als nur Ratgeber verkaufen und eine Fernsehserie («Aufräumen mit Marie Kondo» auf Netflix). Nämlich auch das: Duftkerzen, Räucherstäbchen, Teekannen, Vorratsgläser, Serviertabletts, Badeschwämme, Flaschenöffner, Käsemesser und, ach ja, Computertastaturbürsten.

Kondos Radikal-Minimalismus ist eine verkappte Verführung zu noch mehr Konsum.

Sicher, was Kondo seit gestern, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft, in ihrem neuen Online-Shop anbietet, ist alles von ausgesuchtester japanischer Schlichtheit. Zweifellos wurden sämtliche Produkte nachhaltig hergestellt und fair gehandelt. Eine Zierde für jede nach der Konmari-Methode leer gefegte Wohnung. Nur: Der Verdacht steigt auf, dass auch von diesen edlen Dingen sich die meisten nutzlos ansammeln werden. Bis uns dereinst Marie Kondo lächelnd erklärt, wir sollten das Zeug dem nächstbesten Brockenhaus anvertrauen, weil es «keine Freude mehr entfacht».

Ihre Kritiker sagen es schon lange: Kondos Radikal-Minimalismus ist eine verkappte Verführung zu noch mehr Konsum. Und noch mehr Konsum.

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