In der Fifa-Kasse droht ein 100-Millionen-Franken-Loch

Hohe Anwaltskosten und weniger Sponsoren drücken auf die Jahresrechnung des Weltfussballverbandes.

Gut gepolstert: Ende des vergangenen Jahres betrugen die Reserven der Fifa 1,523 Milliarden Dollar. Foto: AFP

Gut gepolstert: Ende des vergangenen Jahres betrugen die Reserven der Fifa 1,523 Milliarden Dollar. Foto: AFP

Ueli Kägi@ukaegi

Die Fifa soll das Geschäftsjahr 2015 mit einem Verlust von 103 Millionen Franken abschliessen. Das berichtete gestern die englische Zeitung «Guardian».

Markus Kattner, seit der Absetzung von Jérôme Valcke nicht mehr nur Finanzdirektor beim Weltverband, sondern auch Generalsekretär, wollte die Meldung nicht im Detail kommentieren. Doch was er sagte, hörte sich nicht nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr an: «Es ist noch zu früh, um ein definitives Resultat bekannt zu geben.» Die Fifa müsse den Bericht zuerst fertigstellen und von den Buchprüfern begutachten lassen. Und er schob nach: «Was ich sagen kann: Es ist ein schwieriges Jahr.»

Erster Jahresverlust seit 2001

Laut «Guardian» hat die Fifa-Finanzkommission den Mitgliedern des Exekutivkomitees die schlechten Zahlen sowie deren Ursachen am Mittwoch dargelegt. Die Zeitung zitiert auch einen Fifa-Mediensprecher, der die 103 Millionen Franken Defizit als Prognose, aber noch nicht als finalen Wert bezeichnete; Währungsschwankungen könnten die Marke noch verändern.

Für die Fifa wäre es der erste Jahresverlust seit 2001, als sich der Konkurs des Rechtepartners ISL mit einem Fehlbetrag von 38 Millionen Franken in den ­Büchern widerspiegelte – wobei Kritiker der Fifa vorwarfen, die Buchhaltung geschönt zu haben. Das tatsächliche ­Minus soll damals mehr als 100 Millionen Franken betragen haben.

1,523 Milliarden Dollar Reserven

Die aktuellen Schwierigkeiten dürften auf den extremen Kostenanstieg für die Lösung juristischer und organisatorischer Probleme sowie auf Einbussen von Sponsorenseite zurückzuführen sein. Nachdem am 27. Mai die Verhaftungswelle auf Druck der US-Justiz begonnen hat, ­arbeitet nun ein Heer amerikanischer Anwälte sowie anderer spezialisierter US-Arbeitskräfte auf dem Zürichberg. Mit Sony, Emirates, Castrol, Continental sowie Johnson & Johnson haben sich Sponsoren erster und zweiter Klasse zurückgezogen, die bislang offenbar noch nicht ersetzt werden konnten.

Gemäss «Guardian» hat die Fifa ein Sparprogramm gestartet. Sorgen um ihre ­Finanzen muss sie sich allerdings nicht machen. Der Dollar ist offizielle Fifa-Währung, das Geschäftsjahr 2014 mit der Endrunde in Brasilien schloss der Weltverband bei einem Umsatz von 2,096 Milliarden mit 141 Millionen Dollar ­Gewinn ab. Der Verband denkt aufgrund der Weltmeisterschaften im 4-Jahres-Rhythmus, in Jahren ohne WM ist der Gewinn normalerweise tiefer, aber ­immer noch hoch genug, um gut zu funktionieren und ­Sicherheiten aufzubauen. Ende des vergangenen Jahres betrugen die Reserven 1,523 Milliarden Dollar.

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