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«Irgendwann klopfst du auf den Tisch»

Roger Federer stützt die Forderungen nach mehr Preisgeld – obwohl es sich in zehn Jahren verdoppelt hat.

Viele Spieler zeigen zu wenig Engagement für die gemeinsamen Interessen, findet Roger Federer.
Viele Spieler zeigen zu wenig Engagement für die gemeinsamen Interessen, findet Roger Federer.
Keystone

Die Aufregung am Australian Open war gross, als durchsickerte, dass Novak Djokovic eine neue, massive Lohnerhöhung fordert. Dabei hat sich das Preisgeld im Männertennis in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt, von 104,2 auf 197,7 Millionen Dollar. Selbst Startrundenverlierer erhalten an den Grand Slams inzwischen Checks in der Grössen­ordnung von 45'000 Franken.

Roger Federer war massgeblich beteiligt, dass die Preisgeldspirale derart in Schwung kam. Bis 2014 war er sechs Jahre lang Präsident des Spielerrats der ATP-Tour, eine Rolle, die nun Djokovic innehat. Der Serbe hatte die Diskussionsrunde vergangene Woche auch ­angeregt und gefordert, dass die Spieler dabei unter sich waren, alle anderen mussten den Raum verlassen.

«Ich bin dafür, dass der Spielerrat darüber informiert, was läuft, und die Zahlen auf den Tisch legt», kommentierte Federer, der von einem guten Meeting sprach. Solche Gelegenheiten seien selten. «Und man muss den richtigen Moment erwischen. Sonst verteilen sich die Spieler in tausend Richtungen, und es passiert wieder drei Jahre lang nichts.»

Federer begrüsst Djokovics Initiative, die Interessen der Spieler zu eruieren, zu bündeln und aktiv zu werden. «Als wir vor vier, fünf Jahren um mehr Preisgeld kämpften, kam auch Bewegung in die Sache. Diese Zeit ist jetzt abgelaufen, und prompt flachten die Preisgelderhöhungen wieder ab.» Dabei geht es seit Jahren in erster Linie darum, die Spieler der hinteren Regionen besser zu entschädigen, damit mehr von ihnen vom Tennis leben können. Die Millionen­einnahmen der Stars überblenden, dass schon bald jenseits der Top 100 viele Spieler um ihre Existenz kämpfen.

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Video: Will Ferrell macht sich über Roger Federer lustig

«Bist du ein Vampir oder eine Hexe?», der US-Comedian witzelt über Federers Alter. Video: Tamedia/AP

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Die Grand Slams knausern

Der Amerikaner Ryan Harrison hielt fest, dass es im Tennis deutlich weniger Athleten mit siebenstelligen Einnahmen gebe als in anderen Sportarten, etwa American Football oder Basketball. Im vergangenen Jahr waren es 51, die über eine Million Dollar Brutto-Preisgeld einspielten. Der Stein des Anstosses ist, dass die Turniere der ATP-Tour zwischen 15 und 28 Prozent der Gesamt­einnahmen an die Spieler abgeben, die vier Grand-Slam-Turniere aber unabhängig sind, selbst entscheiden können, wie sie die Spieler entschädigen, und ­dabei knausern.

Sie lassen diese prozentual viel weniger an den Einnahmen teilhaben, wobei die Schätzungen bis auf 7 Prozent hinuntergehen. Ein Anteil, den der Djokovic nahe stehende Serbe Viktor Troicki als lächerlich bezeichnet: «Zwar bezahlen sie uns besser, aber sie nehmen auch viel mehr ein als früher.»

Am Australian Open, das vom Bundesstaat Victoria massiv unterstützt wird, manifestieren sich die hohen Einnahmen auch in einer rastlosen, Hunderte Millionen teuren Verbesserung der Anlage. Dass bezüglich Preisgeld Spielraum besteht, bestreitet Turnierchef Craig Tiley nicht. Er soll am Spieler-Meeting erklärt haben, dass es bis in fünf Jahren auf umgerechnet 76 Millionen Franken erhöht werden soll, was gegenüber diesem Jahr einer Steigerung von 80 Prozent entspräche.

Die Association of Tennis Professionals (ATP) war zwar bei der Gründung eine Spielergewerkschaft, doch mit dem Entstehen der ATP-Tour 1990 änderte sich das; sie ist nun ein gemeinsames Unternehmen von den Turnierdirektoren und den Spielern. Dass die von Djokovic angeregte Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft von vielen Spielern begrüsst würde, ist deshalb verständlich.

Es braucht mehr Bewegung

Federer bezweifelt jedoch, dass dies der richtige Schritt wäre. «Ich verstehe zwar die Frustration gewisser Leute», sagt er. Er wisse aber aus eigener Erfahrung, dass die Spieler auch im aktuellen System viel erreichen könnten, wenn sie sich engagierten und «am gleichen Strick ziehen». Allerdings regt er an, die Mitglieder des Spielerrats schneller auszuwechseln, damit Bewegung hineinkomme. «Aber im Tennis gibt es halt Konflikte. Jeder macht ein wenig alles.»

Federer beklagte im kleinen Kreis gegenüber Schweizer Medien aber auch das fehlende Engagement vieler Spieler. «Viele der Jungen werden von den Eltern und Agenten abgeschottet, viele Spitzenspieler haben keine Zeit, und viele der älteren sagen, damit möchte ich mich jetzt auch nicht mehr beschäftigen.» Deshalb sei es gut, wenn jemand komme und sage: «Jetzt setzen wir uns zusammen, wir können nicht alles der ATP-Tour überlassen.» Er verstehe deshalb auch Djokovic: «Irgendwann klopfst du einfach auf den Tisch und sagst: Jetzt muss etwas geschehen.»

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