Mit Absicht traumatisiert

Die USA sperren Migrantenkinder in Zeltstädte, Europa lässt sie auf Lesbos kaputtgehen.

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Es ist nicht so, dass Bernerzeitung.ch/Newsnet und Europas Medien zu wenig aus den USA berichten würden. Doch manchmal gehen Meldungen unter, die mehr Beachtung verdienen.

Etwa diese: Das Ministerium für Gesundheit und Soziale Dienste hat damit begonnen, unerlaubt in die USA eingereiste Migrantenkinder in eine Zeltstadt in der Wüste zu verlegen. Zu Hunderten werden die Kinder derzeit überall im Land aus Pflegefamilien und Sozialeinrichtungen abgeholt und in nächtlichen Busfahrten nach Tornillo, Texas, gefahren. Dort bleiben sie inhaftiert, Ziel ist ihre Rückführung.

In Tornillo wird kein Schulunterricht mehr angeboten, die Betreuung ist reduziert, der Zugang zu Rechtsberatung erschwert. «Kinder verrotten in der Wüste», kommentiert die «New York Times». Insgesamt halten die Vereinigten Staaten rund 13'000 Migrantenkinder fest, mehr denn je. Die meisten sind unbegleitet eingereist, eine Handynummer in die Innenseite des Gürtels geschrieben, einige Hundert sind immer noch Kinder, die der US-Staat an der Grenze von ihren Eltern gezielt getrennt hat.

Kinder schlafen in Unrat

Kein Kind verdient eine solche Behandlung. Die Politik der US-Behörden ist unmenschlich, eine willentliche Traumatisierung der Wehrlosesten aus Gründen der Abschreckung. Kein US-Bürger sollte sie akzeptieren.

Sagt man laut als Europäer. Und blättert schnell um, wenn wieder Berichte aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland erscheinen. 3000 der 9000 dort Festgehaltenen sind Kinder, die Bedingungen sind laut Médecins sans Frontières schlimmer als in Ebola-­verseuchten Camps in Sierra Leone. Kinder schlafen in Unrat, werden bedroht von Gangs, vergewaltigt, geschlagen. Viele harren seit Monaten dort aus. Suizidversuche sind Alltag.

Was tut die griechische Regierung? Weshalb liefert die EU nicht sofort die Mittel zur Verbesserung des Lagers? Wo ist das Geld, das sie schon überwiesen hat? Oder soll Moria eben doch künftige Migranten abschrecken? Keinem Europäer sollten diese Fragen egal sein. Kein Kind hat das verdient. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.10.2018, 20:36 Uhr

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