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«Musik macht Leute glücklich»

Fats Domino war ein grosser Stilist des Rock ’n’ Roll. Seine Musik lebte vom kulturellen Erbe von New Orleans und bereicherte es.

Pianist, Sänger und Songwriter: Fats Domino stirbt im Alter von 89 Jahren. (Video: Tamedia/Mit Material der AP)

«Fats verkörpert alles, was New Orleans an Gutem zu bieten hat», sagte sein Freund David Lind. «Er ist warmherzig, aufgestellt, spirituell, kreativ und bescheiden.» Ohne Fats Domino hätte es keine Beatles gegeben, bemerkte John Lennon einmal, und für Elvis Presley war er schlicht «der wahre König des Rock ’n’ Roll».

Antoine Domino wurde 1928 als eines von acht Geschwistern in eine französisch-kreolische Familie geboren. Den Spitznamen «Fats» erhielt er von Bandleader Billy Diamond, für den Domino schon als 14-Jähriger Piano spielte. Der Spitzname spielte auf seine Liebe für eine reichhaltige Küche und den rollenden Boogie-Woogie-Stil in der Nachfolge von Fats Waller und Fats Pichon an. Domino fand den Spitznamen nicht gerade schmeichelnd, setzte ihn aber 1949 mit «The Fat Man» in seinen ersten Hit um und schuf damit die erste Rock ’n’ Roll-Platte, die mehr als eine Million Mal verkauft wurde.

Zwischen 1955 und 1960 war die goldene Zeit für den stets gut aufgelegten Musiker. Er hatte in dieser Zeit elf Top-10-Hits und verdiente 1956 mehr als 500'000 Dollar. Ein beneidenswertes Honorar für einen schwarzen Musiker, hielt Chuck Berry später in seinen Memoiren fest.

«Nicht eine schlechte Platte»

Wie kein anderer der Rock ’n’ Roll-Pioniere der 1950er-Jahre erreichte Domino ein schwarzes und weisses Publikum. Doch wie Chuck Berry musste auch er gegen einen offenen und latenten Rassismus ankämpfen. 1957 auf einer US-Tournee, wo er 350 Auftritte vor vollem Haus spielte, mussten sich er und sein Band wiederholt mit dürftigen Restaurants und Hotels begnügen, die für Afroamerikaner bestimmt waren. Ein Auftritt vom Juli 1957 in San Diego löste einen der ersten Rock ’n’ Roll-Tumulte aus. Es flogen ­Flaschen und es gab Verletzte. An einem späteren Konzert musste er sich durch ein Fenster retten.

Domino blieb locker. Die Frage, ob diese wilde Musik, die er spiele, die Leute verrückt mache, gab er lächelnd zurück: «Soweit ich weiss, macht Musik die Leute ­glücklich.»

Fats Domino, aufgenommen 2006 in seinem Haus. Foto: AP, Keystone
Fats Domino, aufgenommen 2006 in seinem Haus. Foto: AP, Keystone

Seine Texte waren einfach, beschrieben oft nur eine kleine Beobachtung oder Begegnung. Domino habe aber nie eine schlechte Platte gemacht, meint Rockkritiker Dave Marsh. Das war auch Bandleader und Saxofonist Dave Bartholomew zu verdanken. Er zeichnete zusammen mit Domino für Hits wie «Blue Monday», «Ain’t That a Shame» oder «I Hear You Knocking» verantwortlich und fügte den Aufnahmen mit seinem Saxofon atmosphärische Dichte hinzu. 1960 setzten die beiden für die Aufnahme von «I’m Walking to New Orleans» erstmals und mit grossem Erfolg Streicher ein. Neben Lennon/McCartney sei kein anderes Komponistenpaar einflussreicher gewesen als Domino/Bartholomew, sagt Dr. John, der weisse Pianist und Sänger aus New Orleans.

Zwischen 1950 und 1963 brachte er gemäss der Rock and Roll Hall of Fame mehr Hits auf den Markt als Chuck Berry, Little Richard und Buddy Holly zusammen. Das Musikmagazin «Rolling Stone» verglich ihn sogar mit Benjamin Franklin, ein allseits geachteter älterer Staatsmann einer revolutionären Bewegung wie er. Die Library of Congress wählte seine Version von «Blueberry Hill» als historisch wichtige Aufnahme aus und reihte sie ins nationale Musikregister ein.

Nach dem Wirbelsturm Katrina galt er tagelang als verschollen, bevor sich herausstellte, dass er bei seiner kranken Frau ausgeharrt hatte und gerettet werden konnte.

Weisse Musiker und Bands wie Led Zeppelin oder Cheap Trick kopierten ihn und verdrängten ihn zusehends. Domino ging zwar immer wieder auf Tournee, bekannte aber, das Leben aus dem Koffer behage ihm immer weniger. Seine Stadt war New Orleans. Er war gern zu Hause; mit Frau und acht Kindern. 2005 machte er noch einmal Schlagzeilen. Der Wirbelsturm Katrina hatte den Stadtteil, in dem er seit seiner Geburt gelebt hatte, total verwüstet. Er galt tagelang als verschollen, bevor sich herausstellte, dass er bei seiner kranken Frau ausgeharrt und gerade noch rechtzeitig aus den Fluten gerettet werden konnte. Er verlor fast sein ganzes Hab und Gut inklusive dreier Pianos und der Goldenen Schallplatten.

Domino verstarb gestern im Alter von 89 Jahren im Kreis seiner Familie. «Goin’ Home» heisst das würdige Tributalbum, das Rockstars wie Tom Petty, Neil Young oder Robert Plant 2007 für ihn aufgenommen hatten.

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