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Patrick Küng ist zurück – zurück auf dem Boden

Der Weltmeister von 2015 kämpft auch in Kitzbühel mit sich und dem Material.

Im ersten Training am Dienstag kam Küng mit den Sprüngen der Streif überhaupt nicht zurecht.
Im ersten Training am Dienstag kam Küng mit den Sprüngen der Streif überhaupt nicht zurecht.
Keystone

Eine Fahrt wie am Dienstag, «und alles, was ich zuletzt aufgebaut habe, ist weg. In einem Augenblick bin ich zurück ganz unten auf dem Boden. Die Gedanken ­beginnen wieder zu kreisen.»

So ist das derzeit bei Patrick Küng, dem Abfahrtsweltmeister von 2015. ­Ein Suchender ist der 34-Jährige, nach dem Gefühl von einst, nach dem Selbstvertrauen. Und das nun schon seit zwei Jahren, seit sein Ausrüster die Ski nicht mehr herstellt, mit denen er in Beaver Creek seinen bislang grössten Sieg feierte. «Ich spüre das Material nicht mehr», so sagt es Küng. «Ich müsste meinen Fahrstil anpassen, müsste aktiver werden, meine defensive Position funktioniert nicht mehr. Das hätte ich eigentlich längst in den Griff kriegen sollen.» Kriegte er aber nicht. Und so kann es für den Glarner auch einmal «eins auf die Nuss geben», wie er es nennt, «und zwar vom Gröbsten». Wie eben am Dienstag, als die erste Trainingsfahrt in Kitzbühel anstand – und er komplett neben den Skischuhen stand.

Mit der eisigen Streif, den Sprüngen, die viel zu weit gingen, kamen viele nicht zurecht. Auch Lauberhorn-Sieger Beat Feuz enervierte sich über die Präparation der Piste. Nur weiss der Emmentaler um seine gute Form, lässt sich dieser von so etwas nicht aus der Ruhe bringen. Ganz anders die Gefühlswelt von Küng: Statt das dringend benötigte Vertrauen wiederzufinden, musste er den nächsten Rückschlag hinnehmen. «So bin ich hier noch nie runtergefahren», sagt der Routinier. «In der Ausfahrt Steilhang hat es mich förmlich zum Netz gezogen, ich hatte das Gefühl, nicht mehr anhalten zu können, musste schauen, dass ich dort irgendwie wieder rauskomme. Es war nur ein Überleben.» Als 49. schwang er im Ziel ab, 4,53 Sekunden hinter Christof Innerhofer, dem Schnellsten. Küng: in einem Augenblick ganz unten auf dem Boden.

Anlauf im Europacup missglückt

Nun ist es nicht so, dass er sich davor in einem Hoch befunden hätte, Küng hält sich derzeit an kleinen Muntermachern fest. Daran, dass beim Training in Garmisch in der Woche vor Wengen die ­Materialabstimmung ganz gut gepasst hatte, dass es ihm auch am Lauberhorn ordentlich lief – für die Verhältnisse, in denen er sich bewegt. Zumindest, bis das Rennen kam, dieser Fehler vor dem Hundschopf, der ihn viel Zeit und wieder einmal einen Platz in den Top 30 kostete. 31. wurde er. Acht Speedrennen sind bislang gefahren, nur zweimal schaffte es Küng in die Punkte, der 9. Platz in Bormio war ein Ausreisser nach oben.

Er, der stolze Weltmeister von einst, nahm gar einen Anlauf im Europacup – und beendete den Super-G auf der Reiteralm auf Rang 32. Macht das noch Spass? Küng sagt: «Im Moment ist es nicht ganz einfach, Freude am Job zu ­haben. Ich muss zwar niemandem mehr etwas beweisen, aber ich möchte auch nicht mit vier oder fünf Sekunden Rückstand ins Ziel kommen.»

«Ich muss mich zurückerinnern, wie es einmal war»

Küng war nie Dauergast auf dem Weltcup-Podest, Hochs und Tiefs wechselten sich ab. In diesen Tagen, Wochen, ja Monaten erinnert er sich aber sehr oft daran, wie gut es auch schon lief. Dass er 2014 in Wengen gewann, dass er im ­Folgejahr Weltmeister wurde, dass in St. Moritz im letzten Frühjahr nur zwei Hundertstel fehlten zu einer WM-­Medaille. «Ich bin kein Svindal, kein Hirscher, der Rennen en masse gewinnen konnte. Aber ich habe doch einiges erreicht, was anderen verwehrt blieb. Ich muss mich auch zurückerinnern, wie es einmal war, wie ich da gefahren bin.»

Vor den Schwierigkeiten mit dem Material, vor den Problemen mit der Patellasehne, die ihn zwei Jahre lang beschäftigten und die er erst im letzten Frühling in den Griff bekam. Es sind die Gedanken an diese Blütezeit seines Schaffens, die es ihm derzeit etwas erleichtern, weiterzumachen, weiterzukämpfen. Und der Skisport an sich, den er noch immer mit grosser Leidenschaft betreibe. «Aber ja», sagt Küng, «ich muss unbedingt einen Weg aus diesem Tief finden.»

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