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Sie hat überlebt – gegen alle Wahrscheinlichkeit

Das Orang-Utan-Weibchen Alba ist der einzig bekannte Albino seiner Art. Nachdem sie verwahrlost aufgefunden wurde, lebt sie jetzt wieder in freier Wildbahn.

Das einzige bekannte Albino-Tier seiner Art: Orang-Utan-Weibchen Alba. (Video: Tamedia)

Unter den ohnehin gefährdeten Menschenaffen auf Borneo ist ein Exemplar besonders vom Tod bedroht: Alba, ein Albino-Orang-Utan. Albas Haut und Haare schimmern wegen eines seltenen Gendefekts weiss. Deshalb sticht die Orang-Utan-Dame natürlichen Feinden und Wilderern in die Augen. Nachdem Alba bis auf die Knöchelchen abgemagert und verletzt aufgefunden worden war, wurde sie aufgepäppelt und in die Freiheit entlassen. Und Alba trotzt weiter ihrem vorbestimmten Los. Sie findet sich in den Baumkronen eines Schutzgebiets gut zurecht. Und sie hat einen alten Freund wiedergefunden.

Die Borneo-Orang-Utans sind, wie ihre Cousins auf Sumatra, von der Palmölindustrie gefährdet. Gegen 20’000 Quadratkilometer Regenwald werden auf Borneo immer noch jährlich für die Plantagen gerodet. Das entspricht der Fläche der halben Schweiz. Der Lebensraum des «Waldmenschen» – das bedeutet das malaiische Wort Orang-Utan auf Deutsch – schrumpft dramatisch. Seit 2002 ist ihre Zahl um bis zu 140’000 Exemplare auf maximal 100’000 gesunken.

Von Tierschützern gerettet

Wie viele ihrer Artgenossen irrte Alba nach einer Flächenrodung verschreckt durch die Ödnis. Sie entging aber dem Schicksal der meisten heimatlosen Orang-Utans: zum Spass abgeschossen zu werden oder in einer Tiershow vegetieren zu müssen. Dorfbewohner meldeten Alba den Naturschutzbehörden. Diese übergaben sie der Borneo Orang-Utan Survival Foundation.

Die BOSF betreibt mit Unterstützung aus der Schweiz auf Borneo zwei Rettungsstationen. Dort werden gerettete Orang-Utans medizinisch betreut und, falls möglich, für eine Wiederauswilderung fit gemacht.

Als einziger bekannter Albino-Orang-Utan war Alba eine weltweite Sensation. Aber die Tierärztin der Station stellte fest, dass sie mit 8,3 Kilogramm Gewicht massiv unterernährt war. Sie blutete aus mehreren Verletzungen, war apathisch und reagierte verstört auf Menschen. Durch den Albinismus war auch ihre Sehkraft eingeschränkt. Aber etwas sprach für Alba und die spätere Entlassung in die Freiheit: Sie hatte offensichtlich ihre früheste Jugend in den Baumkronen gelebt und kannte sich mit den Überlebenstechniken in ihrem natürlichen Lebensraum aus.

Fit für die Auswilderung

Nach zwei Jahren in der Station Nyaru Menteng der BOSF war sie solide 28 Kilo schwer und fit für eine Auswilderung. Darauf brachten sie die Betreuer in den Nationalpark Bukit Raka-Bukit Raja. Es gab aber keine Garantie dafür, dass sich Alba dort zurechtfinden würde. Die Retter hatten deshalb einen Peilsender unter die Haut implantiert. Sie verfolgten den weiteren Lebensweg.

Das war vor gut einem Jahr. Jetzt steht fest: Alba hat sich eingelebt. Sie baut in den Baumkronen täglich ihr Schlafnest und findet selbstständig ihr Futter. Zudem verbringt sie viel Zeit mit einem alten Freund. Sie traf auf Unyu, einen Orang-Utan, mit dem sie in der Rettungsstation lange Kontakt hatte. In der Wildnis begrüssten sich die beiden wie alte Bekannte. Sie sind nun das Vorzeigepärchen der Artenschutzorganisation BOSF: Orang-Utans, die sich gegen alle Wahrscheinlichkeit aus der akuten Gefährdung in die Wildnis zurück retten konnten.

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