Steigt der FCZ ab?

Die Zürcher wollten an der Spitze glänzen. Stattdessen kämpfen sie um den Ligaerhalt – am Mittwoch im Nervenspiel gegen Lugano.

Am Boden: Ein FCZ-Spieler während des Spiels gegen Basel am 7. Mai. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Am Boden: Ein FCZ-Spieler während des Spiels gegen Basel am 7. Mai. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Ja

Der FCZ hat einen vermögenden Präsidenten, der auch Sportchef sein will.

Der FCZ hat Spieler, die einmal aussergewöhnliche Talente waren und heute nur noch ehemalige Talente sind.

Der FCZ hat eine grosse Nachwuchsabteilung, jüngst aber eine Handvoll seiner besten Jungen vergrault, vertrieben, verreisen lassen.

Der FCZ hat sich von seiner Konkurrenz bereits abgesetzt und sie jetzt doch wieder näher kommen lassen.

Der FCZ hat einen Trainer, der Champions-League-Sieger war – allerdings als Spieler.

Der FCZ hat im Winter Stürmer im Multipack und seinen besten Goalgetter zu Vaduz abgegeben.

Der FCZ hat Defensivspieler, die immer wieder schwere Fehler begehen.

Der FCZ hat die zweitschwächste Abwehr der Liga.

Der FCZ hat mit Marco Schönbächler einen hoch bezahlten Spieler, der verletzungsbedingt kein Spiel gemacht hat.

Der FCZ hat einem seit Monaten erfolglosen Trainer eine Carte blanche ausgestellt.

Der FCZ hat sein Kader so zusammengestellt, dass die Konkurrenz ihn dafür hinter vorgehaltener Hand auslacht.

Der FCZ hat mit Cabral einen hoch bezahlten Spieler, der vielen und vor allem dem Trainer nicht passt.

Der FCZ hat einen neuen Abwehrchef, der zuerst stark, aber zuletzt verletzt war.

Der FCZ hat angebliche Führungsspieler, die besser reden als stützen.

Der FCZ hat 2006, 2007 und 2009 die Meisterschaft und 2014 den Cup gewonnen. Er versteht sich immer noch als grossen Club.

Der FCZ hat von allen Abstiegskandidaten am meisten zu verlieren. Das spüren der Kopf, das Herz, die Beine.

Der FCZ hat keinen Spieler mit mehr als sechs Meisterschaftstoren.

Der FCZ ist zusammen mit Vaduz die schwächste Heimmannschaft.

Der FCZ hat Sinn für Drama. Immer schon gehabt.

Der FCZ hat alle Ingredienzien, um abzusteigen.

Nein

Eigentlich bringt der FCZ für einen Absteiger vieles mit.

Eine Führung, die gerne falsche Entscheide trifft, die zum Beispiel den Trainer zur Unzeit entlässt und mit dem neuen in der Meisterschaft trotzdem nichts Entscheidendes bewirkt.

Einen Trainer, der, die Stationen Leverkusen und Brighton dazugerechnet, nur 11 seiner letzten 61 Meisterschaftsspiele gewann, einen Trainer, der positiv denken will und die Mannschaft dennoch nicht wirklich beleben kann. Der an ihren Stolz und ihre Eigenverantwortung appelliert und trotzdem häufig das Gefühl haben muss, dass seine Worte ungehört verhallen. Der professionell denkende Spieler möchte, wie er selbst einer war, und trotzdem nur einen Nef, einen Sanchez oder einen Kukeli hat.

Eine Mannschaft, die von ihrem Trainer zwar dauernd hört, dass sie arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten soll, ihn trotzdem nicht versteht und zuweilen entsprechend lustlos auf dem Platz steht. Eine Mannschaft mit zu vielen Spielern, die nur Eigeninteressen verfolgen. Eine Mannschaft schliesslich auch, die unter dem internen Druck steht, Ende Monat den Cupfinal gegen Lugano unbedingt gewinnen zu müssen, weil allein das Startgeld in der Europa League 2,4?Millionen Euro beträgt und den Haushalt des Präsidentenpaares entsprechend entlasten würde.

So also sieht normalerweise ein Absteiger aus. Und es könnte reizvoll sein für die darbende Challenge League, künftig ein Mitglied wie den FCZ zu haben.

Aber der FCZ wird sich retten. Und das wird er, weil es noch immer Vaduz und Lugano in der Super League gibt und er trotz aller Vorbehalte mehr Qualität hat als die beiden krassen Aussenseiter. Und weil er am Ende noch immer Spieler wie Sanchez, Kukeli, Buff oder Kerschakow hat, die heute ihren Teil zum Sieg gegen ein gelegentlich vogelwildes Lugano beitragen können.

Tages-Anzeiger

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