Mit den «Dreckslöchern» ist es so eine Sache

Trump will Einwanderer aus Norwegen statt aus Haiti. Es gibt gute Gründe, nicht aus Nordeuropa in die USA auszuwandern.

Auf CNN empört sich der ehemalige CIA-Mann Philip Mudd über Trumps Aussage. (Video: Tamedia/CNN)

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Eine Schar von Kongressmitgliedern, die meisten davon Republikaner, doch auch der demokratische Senator Dick Durbin, hatten sich am Donnerstag im Büro von Präsident Trump eingefunden. Sie suchten nach einem Kompromiss bei der Reform der Einwanderung. Unter anderem wurde über den Status haitianischer Immigranten geredet.

Ohrenzeugen berichten, dass Trump zusehends frustriert schien. Dann fragte er: «Warum kommen alle diese Leute aus diesen ‹shithole countries› hierher?» Damit meinte Trump Haiti sowie afrikanische Länder und vielleicht El Salvador. Seine Zuhörer waren geschockt.

Schon im Dezember hatte der Präsident seinen rassistischen Impulsen freien Lauf gelassen, als er behauptete, alle Haitianer litten an Aids und eingewanderte Nigerianer würden niemals «in ihre Hütten» zurückkehren, nachdem sie die Pracht US-Amerikas gewahrt hätten.

Einwanderer aus Norwegen

Gestern schlug Trump als Abhilfe gegen die Überfremdung durch Braun und Schwarz vor, die Vereinigten Staaten sollten doch Einwanderer aus Norwegen anlocken. Dass der Präsident ein Rassist ist, steht inzwischen ausser Zweifel: Von seinen scheusslichen Bemerkungen zu den Umtrieben von Neonazis und weissen Rassisten im August in Charlottesville bis zu seiner Fehde mit afroamerikanischen Football-Profis reichen die Belege.

Ein Teil der Trump-Wählerschaft hat gleichfalls Probleme mit Menschen, die nicht von weisser Hautfarbe sind. Sie trauern dem Amerika der Fünfzigerjahre nach, als Einwanderer vor allem aus Europa kamen und Afroamerikaner im Bus hinten sitzen mussten.

Mit den «Dreckslöchern» aber ist es so eine Sache: Was dem einen ein Paradies, ist dem anderen ein Drecksloch. Vielleicht liegt es daran, dass kaum Norweger in die USA einwandern. Pro Jahr kommen ungefähr 1000, also nicht gerade eine Flut. Warum sollten sie auswandern in ein Land mit sinkender Lebenserwartung und rund 6000 Opiattoten pro Monat? In Norwegen lebt man durchschnittlich 82 Jahre, in den USA 78.

Erna Solberg ist eine anständige Person

Vier Extrajahre sind nicht zu verachten, vor allem wenn sie nicht in Armut verbracht werden. Und warum sollten die Norweger sich und ihre Kinder der Gefahr aussetzen, wie so viele Amerikaner durch eine Schusswaffe getötet zu werden? Oder ohne Krankenversicherung leben zu müssen? Ausserdem besuchen norwegische Kinder insgesamt bessere Schulen als amerikanische Kinder. Und nach ihrem Studium gehen sie nicht hoch verschuldet ins Berufsleben.

Vor allem aber haben die Norweger keinen Trump. Ihre Ministerpräsidentin Erna Solberg ist eine anständige Person und für Norweger gewiss ein Grund mehr, nicht in die USA auszuwandern. Insgesamt kann nicht ausgeschlossen werden, dass für viele Norweger die Vereinigten Staaten vielleicht kein Drecksloch, aber ein trauriges Gebilde sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2018, 09:31 Uhr

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