Von der TV-Show auf die Konzertbühnen

Der 19-jährige britische Cellist Sheku Kanneh-Mason erobert die Klassikwelt. Auf CD und morgen auch in Zürich.

Sheku Kanneh-Masons Klang hat Kraft, Tiefe, Wärme. Foto: Glen F. Thomas

Sheku Kanneh-Masons Klang hat Kraft, Tiefe, Wärme. Foto: Glen F. Thomas

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Zweimal hat Sheku Kanneh-Mason bisher Schlagzeilen gemacht: 2015, als er in der TV-Show «Britain’s Got Talent» auftrat – mit seinen sechs ebenfalls begabten Geschwistern. Und 2016, als er den BBC-Wettbewerb Young Musician of the Year gewann, als erster schwarzer Musiker überhaupt.

Damit war der Wechsel vom Showbusiness in den Konzertbetrieb vollzogen, und die Klassikwelt ist um eine schöne Geschichte reicher. Sie begann in Nottingham, wo Sheku Kanneh-Mason als Sohn eines Hoteliers und einer Unidozentin aufwuchs. Nottingham ist stolz auf ihn, nach dem BBC-Erfolg hat die Stadt einen Bus nach ihm benannt. In diesem Bus hat der Cellist dann seinen Vertrag mit dem Label Decca unterzeichnet. Und nun ist die Debüt-CD da, mit jenem ersten Schostakowitsch-Konzert, mit dem Kanneh-Mason den BBC-Wettbewerb für sich entschieden hat.

Es ist eine Liveaufnahme, begleitet wird er vom City of Birmingham Symphony Orchestra unter Mirga Grazinyte-Tyla. Junger schwarzer Solist, junge Dirigentin – da reiben sich die PR-Leute die Hände. Aber auch die Hörer können zufrieden sein. Zwar bleibt die Interpretation über weite Strecken in den Schienen, die andere ausgelegt haben, aber sie tut es überzeugend, reif, farbig. Sheku Kanneh-Masons Potenzial ist nicht zu überhören, vor allem sein Klang fällt auf. Er hat Kraft, Tiefe, Wärme, man könnte auch sagen: Charisma. Und hält damit selbst den zusammengestückelten Rest der Aufnahme zusammen. Ob er nun ein hebräisches Volkslied oder Saint-Saëns «Schwan», Casals’ «Song of the Bird» oder Leonard Cohens «Halleluja» spielt: Man hört seinen persönlichen Ton.

Man hört ihn auch in seiner Version von Bob Marleys «No Woman, No Cry», die so gar nichts mit den hölzernen Popadaptionen zu tun hat, mit denen Klassiker neues Publikum anzulocken versuchen. Es ist eine verträumte, ungemein kantable Fassung des Songs, in der die Pausen ebenso viel sagen wie die Töne. Und natürlich ist es auch ein Statement: Sheku Kanneh-Mason hat immer wieder erwähnt, wie seltsam er es als Kind fand, wenn er in ein Konzert ging und in den Orchestern niemand aussah wie er. Ausserdem engagiert er sich im britischen Chineke! Orchestra, in dem schwarze Musiker Werke von schwarzen Komponisten spielen.

Festnageln lässt er sich auf dieses Engagement aber nicht: In Zürich präsentiert er einmal mehr Schostakowitschs erstes Cellokonzert, und für sein Debüt beim Lucerne Festival im Sommer 2018 hat er Sonaten von Boccherini, Poulenc und Brahms ausgewählt. Am Klavier wird er dort übrigens begleitet von seiner Schwester Isata: die zweite Kanneh-Mason, die vom TV-Studio in die Konzertsäle wechselt.

Sheku Kanneh-Mason: Inspiration (Decca).

Beim Orpheum-Konzert in der Tonhalle Maag stellt sich auch der Geiger Emmanuel Tjeknavorian vor. Begleitet werden beide vom Tonhalle-Orchester unter Michael Sanderling. Mittwoch, 14. März, 19.30 Uhr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2018, 19:06 Uhr

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