Stellt GC heute Murat Yakin vor?

Die Grasshoppers entlassen völlig unerwartet Carlos Bernegger. Als Nachfolger dürfte heute ein alter GCler auftauchen.

Ein Altbekannter in Zürich: Murat Yakin ist der heisseste Kandidat für den Posten des Bernegger-Nachfolgers. (Mai 2017)

Ein Altbekannter in Zürich: Murat Yakin ist der heisseste Kandidat für den Posten des Bernegger-Nachfolgers. (Mai 2017)

(Bild: Reto Oeschger)

Ueli Kägi@ukaegi

Am Dienstagmittag sagt Carlos Bernegger: «Ich habe ein gutes Gefühl. Die Spieler machen immer mehr Fortschritte.» Der Trainer von GC denkt an die nächste Aufgabe in Lausanne und fordert: «Da müssen wir Charakter zeigen.» Am Donnerstagabend denkt er das nicht mehr. Da ist er per sofort entlassen.

Kurz nach 18.30 Uhr hatte sich Präsident Stephan Anliker beim 48-jährigen Argentinier gemeldet und die Botschaft überbracht. Bernegger zieht es den Boden unter den Füssen weg. Er ringt nach Worten. Er sucht eine Erklärung, findet keine. Dann fragt er: «In welcher Welt leben wir?» Und fügt in resignativem Ton an: «Es ist nur noch grotesk, was passiert.» Er wird emotional, wittert eine inszenierte Kampagne hinter allem, entschuldigt sich dafür, dass er nicht mehr sagen kann. Und beendet das Gespräch. GC startete nicht gut in die Saison, das steht ausser Frage. Dem 0:2 gegen den FCZ folgte ein 0:4 gegen YB, das 2:2 in Luzern deutete nicht nur Bern­egger als erstes positives Signal, sondern auch Sportchef Mathias Walther. Und nach dem 2:3 in Basel waren die Zürcher immerhin in der Lage, gegen St. Gallen eine gute Leistung abzuliefern und dank des 2:0 erstmals zu gewinnen.

Die Frage ist, mit welchem Trainer der Verein zur Ruhe findet. Wer wagt sich als Nächster an GC heran?

Es schien also aufwärtszugehen bei GC. Wie im Frühling, nachdem Bernegger die Mannschaft in der Krise von Pierluigi Tami übernommen hatte und sie zum Ligaerhalt führte. Als Dank dafür erhielt er Anfang Juni einen neuen Vertrag bis 2018. «Eine logische Konsequenz» nannte Walther den Vorgang. Und stellte dem Coach neues Personal hin, das die Arbeit nicht einfach, sondern kompliziert machte. Die Low-Budget-Spieler, die sich GC leistete, weil es sich nicht mehr leisten kann, kamen alle in der Hoffnung nach Zürich, ihre Karriere wieder in Schwung zu bringen. Vorher hatten sie sich alle irgendwo ins Abseits gedribbelt.

Treibende Kraft war Anliker

Bernegger wies wiederholt darauf hin, dass die Integration Zeit brauche, er plädierte für Geduld, lud jeden Neuen zum Abendessen ein, um ihm das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiges Element für die Zukunft zu sein. Was er nicht wusste: Gleichzeitig sind bei Schlüsselfiguren in der GC-Führung die Zweifel gewachsen, ob Bernegger für eine nachhaltige Gesundung der Richtige ist. Ob er GC in die mittelfristige Zukunft bis 2020 führen kann – bis die Stadionfrage geklärt sein soll. Am Ende hat sich der GC-Verwaltungsrat geschlossen für die sofortige Freistellung entschieden. Treibende Kraft aber ist Anliker gewesen. Das hat auch mit der jüngeren GC-Vergangenheit zu tun. Der Präsident glaubt, dass er bei Berneggers Vorgänger Tami bis zur Freistellung im März zu lange gezögert habe.

Der schnelle Stimmungsumschwung von der Vertragsverlängerung zur Entlassung erzählt allerdings nichts von einem strategisch clever geführten Club. Eher passt das jüngste Beben zur jüngeren Clubgeschichte. Der Rekordmeister hangelt sich seit Jahren von Krise zu Krise, sportlich, immer wieder aber auch kommunikativ. Auch Berneggers Entlassung wirkt stillos.

Und nun? Yakin?

Die Frage ist, wann und mit welchem Trainer der Verein zur Ruhe findet. Wer wagt sich als Nächster an GC heran? Wer hat am ehesten Profil und Können, um die Erwartungen der Verantwortlichen zu erfüllen? Die Spekulationen führen auf direktem Weg nach Schaffhausen und zu Murat Yakin. Der frühere GC-Spieler war im Winter beim Challenge-League-Club eingestiegen, er rettete ihn vor dem Absturz in die Promotion League und legte mit seinem Team nun einen Glanzstart mit 5 Siegen in Serie hin. Yakin ist vertraglich zwar gebunden, kann aber aussteigen, wenn sich ihm eine Aufstiegsmöglichkeit bietet. Diese Vereinbarung hat er mit Präsident Aniello Fontana getroffen.

Denkbar ist auch eine interne Lösung: U-21-Trainer Boris Smiljanic und U-18-Coach Johann Vogel sind Kandidaten, auch sie standen einst für Blau-Weiss auf dem Rasen. Heute Freitagmorgen will der Club bekannt geben, wer der neue Chef an der Seitenlinie wird, er soll nicht nur einen Vertrag für ein Jahr erhalten. Am Nachmittag wollen sich dann alle erklären. Der neue Trainer. Und die Führung um Präsident Anliker, CEO Huber und Sportchef Walther, die gestern beharrlich schwieg.

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