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Wie magisch ist die Zauberformel?

Sie gilt seit 1959, also schon immer und für immer. Aber ist sie überhaupt eine Formel?, fragt sich Martin Ebel.

Zauberhaft: Für eine Formel qualifiziert sich die Bundesratszusammenstellung laut Martin Ebel nicht.(Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. In der letzten Sprachsprechstunde zeigte ich mich ratlos über die Herkunft der Wendung «eine Falle machen». Ein Freund des guten Deutsch hat mir eine Erklärung aus dem Schweizer Idiotikon von 1880 geschickt: Demnach kommt die Wendung von den «fallenden Zügen», wenn jemand eine betrübte Miene hat. Eine interessante Erklärung, für die ich herzlich danke.

Heute geht es um eine andere Falle: die Zusammensetzung des Schweizer Bundesrats. Bisher war alles ganz einfach: SVP, SP und FDP je 2 Sitze, CVP einen. Das ist die sogenannte Zauberformel. Sie gilt seit 1959, also quasi schon immer, und sie schuf die Illusion, dass in der Schweiz auch immer alles so bleiben könnte, wie es ist. Stabilität forever. Damit ist es mit dem Erfolg der Grünen vorbei. Der Zauber ist verflogen. Wie die Grünen im Bundesrat repräsentieren, ohne andere zu verprellen? Da sitzt die Politik in der Falle. Um da herauszukommen, bräuchte es fast magische Fähigkeiten, vielleicht sogar Harry Potters Zauberstab.

Aber was ist eigentlich so zauberhaft an der simplen Übersetzung von parlamentarischen Kräfteverhältnissen in die Regierung? Dazu muss man nur bruchrechnen können. So scheint mir schon der Begriff «Formel» aus mathematischer Sicht zu hoch gegriffen, «Zauberformel» dann erst recht.

Das gegenwärtige Geschacher zeigt ja: Die bisherige Verteilung unter vier Parteien hat eine Weile für die politische Befriedung gesorgt. Mit dem Frieden ist es vorbei. Eine neue Lösung wird kommen, jetzt oder später. «Zauberformel» muss man sie dann nicht mehr nennen. Denken Sie daran: Sprache ist unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

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