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«You're fired» – Trumps lange Liste der Geschassten und Gescheiterten

32 Mitarbeiter haben bereits Trumps Regierung verlassen. Im Vergleich hat Aussenminister Rex Tillerson lange durchgehalten.

Zur Begrüssung gab es einen Handschlag, zum Abschied offenbar nicht einmal eine Begründung: Rex Tillerson und Donald Trump.
Zur Begrüssung gab es einen Handschlag, zum Abschied offenbar nicht einmal eine Begründung: Rex Tillerson und Donald Trump.
Keystone

Erst gut ein Jahr ist Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten; trotzdem haben etliche Amtsträger und Berater ihren Job schon wieder verloren. Zum Teil unter kuriosen Umständen. Manche stellten sich als unfähig heraus, anderen wurden gravierende Vergehen vorgeworfen. Und manchmal kam auch alles zusammen.

Eine Liste mit Gescheiterten, Überforderten und denen, die schlicht genug hatten vom US-Präsidenten (nach Dauer der Tätigkeit sortiert):

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Der früherer New Yorker Finanzmanager sollte eigentlich das Kommunikationschaos im Weissen Haus beseitigen. Machte aber alles noch viel schlimmer. Im Gespräch mit Journalisten beschuldigte «The Mooch» den gerade erst zurückgetretenen Stabschef Reince Priebus, dieser sei der von Trump gesuchte Leaker, der brisante Informationen an die Medien gebe. Trumps Chefstrategen Stephen Bannon beschimpfte Scaramucci mit den Worten: «Ich versuche wenigstens nicht dauernd, mir selbst einen zu blasen.» John Kelly, der Nachfolger von Priebus, schaute sich das Spiel nicht lange an. Und feuerte Scaramucci nach nur zehn Tagen im Amt.

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Trump feuerte Yates, nachdem sie allen ihrem Ministerium unterstehenden Juristen die Order gegeben hatte, den Einreisestopp des Präsidenten gegen Personen aus gewissen muslimischen Ländern nicht vor Gericht zu verteidigen. Sie hielt das Dekret für eindeutig verfassungswidrig, und diverse Urteile haben der Demokratin später recht gegeben. Zudem hatte sie das Weisse Haus kurz nach Trumps Vereidigung über die Russland-Kontakte von Sicherheitsberater Michael Flynn informiert und vor negativen Folgen gewarnt. Unter Obama war Yates Vize-Justizministerin gewesen.

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Der Gründer des Fahrgast-Dienstleisters Uber trat aus Protest gegen das von Trump unterzeichnete Dekret zurück, wonach Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern nicht mehr in die USA einreisen sollten. Zuvor hatten Tausende Kunden Kalanicks Mitarbeit in Trumps Gremium kritisiert und unter #DeleteUber dazu aufgerufen, die App des Unternehmens zu löschen.

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Flynn musste zurücktreten, nachdem er Trump angeblich falsche Angaben über die Inhalte von Treffen mit dem russischen Botschafter gemacht hat. Diese Treffen sowie einige Telefonate fanden unter anderem kurz vor Trumps Vereidigung statt – dies könnte illegal gewesen sein, weil die Politik des Amtsinhabers nicht untergraben werden darf. Flynn, ein ehemaliger Drei-Sterne-General, geriet danach ins Visier von Sonderermittler Robert Mueller, der die Verbindungen von Trumps Wahlkampf- und Übergangsteam zu Russland untersucht. Inzwischen hat Flynn Mueller seine Unterstützung zugesichert und sich vor Gericht schuldig bekannt, in der Sache gelogen zu haben. Nach seinen Aussagen suchte er auf Bitten von Trumps Leuten den Kontakt zu Moskaus Botschafter – US-Medien sehen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als Auftraggeber.

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Der konservative Politikwissenschaftler war im wichtigen Beratergremium für die «westliche Hemisphäre» zuständig. Deare musste gehen, weil er sich in privater Runde abfällig über Trump und insbesondere über dessen Mexiko-Politik geäussert haben soll. Er soll sich beschwert haben, keinen direkten Zugang zum Präsidenten zu haben. Und verlas wohl die Mitschrift eines für Trump eher peinlichen Telefonates mit dem mexikanischen Präsidenten. Unter Wissenschaftskollegen ist Deare nicht wohlgelitten. Manche behaupten, er habe «ethische und moralischen Lücken». Schon deshalb gehöre er nicht ins Weissen Hause.

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Walsh war zuvor eine führende Mitarbeiterin der Republikanischen Partei und eine Vertraute von Reince Priebus. Nach ersten Personal-Umbauten im Weissen Haus ging auch sie. Ohne Gründe zu nennen. Walsh blieb Trump treu und arbeitet seither als Beraterin für Trump-nahe Organisationen. Im Buch «Fire and Fury» schreibt Michael Wolff, dass Walsh entsetzt über das Organisationschaos war und über Trump sagte: «Oft musste ich raten, es war wie bei einem Kind, bei dem man herausfinden muss, was es möchte.» Sie bestreitet diese Aussage.

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Der Medienunternehmer Dubke trat sein Amt am 6. März an, nachdem Sean Spicer die Doppelbelastung zu viel wurde. Er sollte eigentlich dafür sorgen, die Kommunikationsstrategie «fokussierter und disziplinierter» zu machen. Warum er das Amt so schnell wieder verlassen hat, ist nicht klar.

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Reid war seit 2011 die erste Frau und zweite Schwarze, die im und um das Weisse Haus herum für Sauberkeit, Ordnung und das richtige Besteck am richtigen Platz verantwortlich war. Trumps Vorgänger Obama hatte sie auf den Chefposten gehoben. Das allein wäre schon Grund genug gewesen für Trump, sie zu feuern. Über den US-Präsidenten wird aber auch gesagt, er möge keine Schwarzen als Mitarbeiter um sich herum. Den Grund für ihre Kündigung hat Reid jedenfalls nicht erfahren. Üblicherweise bleiben «White House Chief Usher», einmal ernannt, bis zur Pension auf ihrem Posten.

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Der FBI-Chef war mitten in den Ermittlungen über die Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam zu russischen Regierungsvertretern, als Trump ihn völlig überraschend feuerte. Trump hatte sich wohl erhofft, damit die unangenehmen Ermittlungen endlich beenden zu können. Aber ausgerechnet sein (für Trump wohl überraschend unabhängiges) Justizministerium setzte mit Robert Mueller einen unabhängigen Sonderermittler ein, der als noch härterer Hund gilt. Und jetzt auch womöglich untersucht, ob nicht ein Fall von Behinderung der Justiz vorliegt. Comey ist unterdessen Fellow an der Howard University in Washington und arbeitet an einem Buch, das im Mai erscheinen wird.

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Kathleen McFarland war vor allem durch Auftritte als Analystin des konservativen Senders Fox News bekannt geworden und hatte eng mit Trumps erstem Sicherheitsberater Michael Flynn zusammengearbeitet. Als dessen Nachfolger H. R. McMaster seine Position übernahm, war für sie kein Platz mehr. Trump möchte sie seitdem als US-Botschafterin nach Singapur schicken.

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Der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla protestierte mit diesem Schritt gegen Trumps Entscheidung, die Unterstützung der USA für das Klimaabkommen von Paris zurückzuziehen. Musk verliess sowohl das «American Manufacturing Council» als auch ein in allgemeinen Wirtschaftsfragen beratendes Gremium, den «Business Advisory Council».

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Der Chef des Medienkonzerns Walt Disney verliess das überparteiliche Beratergremium aus Protest gegen Trumps Entscheidung, die Unterstützung der USA für das Klimaabkommen von Paris zu beenden. Es wird spekuliert, dass Iger 2020 selbst für das Weisse Haus kandidieren möchte.

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Berufen wurde Shaub 2013 vom damaligen Präsidenten Barack Obama. Eigentlich für eine fünfjährige Amtszeit. Shaub merkte aber schnell, dass unter Trump für das Office of Government Ethics ein anderes Zeitalter angebrochen war. Ethische Fragen wurden unwichtig, seine Anfragen an die Regierung liefen oft ins Leere, wurden nicht oder nur halbherzig beantwortet. Am Ende gab Shaub auf, warnte vor einer «Kleptokratie» und forderte strengere Ethikregeln, denen sich die US-Regierung nicht so leicht entziehen dürfe.

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Spicers Pressekonferenzen waren legendär. Nie zuvor hat jemand in dieser Position die Journalisten derart unverfroren persönlich angegriffen und sich zugleich selbst in Widersprüche verstrickt. Er hat sogar über nachweisbare Fakten wie die Zahl der Teilnehmer an Trumps Amtseinführung gelogen. Die Pressekonferenzen aus dem Weissen Haus hatten Einschaltquoten wie nie zuvor. Über einen möglichen Rücktritt beziehungsweise Rauswurf hatte es wochenlange Spekulationen gegeben. Spicer trat zurück, als Trump ihm Anthony Scaramucci als neuen Kommunikationsdirektor vor die Nase setzte. Manche sehnen sich inzwischen nach Spicer zurück. Anders als seine Nachfolgerin im Amt der Pressesprecherin, Sarah Huckabee Sanders, waren ihm die Skrupel nach jeder Lüge immerhin noch kurz anzusehen. Trumps Politik verteidigt Spicer immer noch – nun aber in diversen TV-Studios.

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Priebus galt als schwacher Stabschef, der die Streitereien zwischen den diversen Lagern im Weissen Haus weder schlichten noch kanalisieren konnte. Von Anfang an war ihm Chefstratege Stephen Bannon, der völlig andere politisch Ziele als Priebus verfolgt, gleichgestellt, sodass es keine Ordnung geben konnte. Im Grunde hatte jeder jederzeit Zugang zum Oval Office. Und jeder konnte den Präsidenten mit Informationen füttern – auch wenn sie noch so falsch waren. Dass etwas schieflief, blieb auch Trump nicht verborgen. Er holte schliesslich den strengen Ex-General John Kelly.

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Das frühere Model hat es für Trump-Verhältnisse ziemlich lange an der Seite des US-Präsidenten ausgehalten. Hope Hicks war bereits für Trumps Firma tätig und wechselte als Sprecherin ins Wahlkampfteam, als ihr Chef beschloss, Politiker zu werden. Schliesslich übernahm sie nach dem Rücktritt von Anthony Scaramucci das Amt der Kommunikationsdirektorin im Weissen Haus – als fünfte Person seit Trumps Amtseinführung. Trump soll ihr besonders vertraut haben, ihr Büro hatte Hicks gleich neben dem Oval Office. Sie soll mit Trumps Ex-Stabssekretär Rob Porter liiert sein, der nach Vorwürfen häuslicher Gewalt aufhören musste (siehe unten). Einen Tag vor ihrem Rücktritt räumte die 29-Jährige in einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses ein, ihre Arbeit für Trump erfordere es, manchmal zu lügen. Trump sagte: «Ich werde sie an meiner Seite vermissen.»

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Frazier, der Chef des US-Pharmakonzerns Merck, trat aus Protest gegen Trumps verharmlosende Äusserungen zu rechter und rassistischer Gewalt in Charlottesville zurück. Trump beschimpfte den Afroamerikaner danach auf Twitter. Es folgten reihenweise weitere Rücktritte aus zwei wichtigen Beiräten des Weissen Hauses. Verstimmt und mangels ergebener Mitglieder löste Trump beide Gremien mit jeweils zuvor 28 Mitgliedern am 16. August auf.

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Am Ende hiess es nur, Gorka arbeite nicht länger für das Weisse Haus. Der ungarischstämmige Sebastian Gorka gehörte zum Kern jener umstrittenen und hart rechten Mitarbeiter, die mit Stephen Bannon in den Dunstkreis des Präsidenten gelangten. Eine Woche nach Bannons Demission war auch für Gorka kein Platz mehr im Weissen Haus. Ob Gorka gefeuert wurde oder selbst ging, ist unklar. Er wirbt weiter auf allen Kanälen für Trump und sieht sich als Verteidiger der «Make America Great Again»-Agenda.

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Ihr Job war es eigentlich, den Ausbruch von Krankheiten möglichst zu verhindern und präventiv die Menschen über Gesundheitsrisiken aufzuklären. Risiken, wie sie zum Beispiel von Zigaretten ausgehen. Das aber hat Brenda Fitzgerald offenbar nicht daran gehindert, ihr Geld ausgerechnet in Tabakunternehmen, Bierbrauereien und bei Herstellern von Softgetränken zu investieren. Firmen also, die das gesundheitliche Wohl ihrer Kunden höchstwahrscheinlich nicht ganz oben auf ihren Prioritätenlisten haben dürften. Die Anteile an den Unternehmen hatte sie zudem erst gekauft, nachdem sie ihren neuen Job angetreten hatte, wie das Onlinemagazin «Politico» aufdeckte. Der Interessenkonflikt war so eindeutig, dass Fitzgerald am Tag nach der «Politico»-Veröffentlichung zurücktrat.

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Trump hatte nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville unter anderem gesagt, es gebe «feine Leute» auf beiden Seiten. Und geriet dafür mächtig unter Feuer. Im Weissen Haus machten dafür manche den früheren «Breitbart»-Chef Stephen Bannon verantwortlich. Der hatte Trump damals beraten – und der Präsident wohl auf ihn gehört. Dem neuen Stabschef John Kelly muss spätestens da klar geworden sein, welches zerstörerisches Potenzial Bannon hat. Und weil Trump seit längerem missfiel, dass sich Bannon als Strippenzieher des Wahlsiegs inszenierte und von Medien als «President Bannon» bezeichnet wurde, konnte Kelly seinen Chef überzeugen, dass Bannon gehen muss.

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Der Immobilienmilliardär war dem Ruf seines alten Geschäftspartners Trump gefolgt und übernahm einen unbezahlten Posten in dessen Regierung. Als das Magazin «The New Yorker» die diversen Interessenkonflikte offenlegte, die Icahn in diesem Amt haben musste, nahm er seinen Hut. Er schien seinen Beratungsschwerpunkt weniger auf das Wohl des Landes denn auf sein eigenes Geschäft auszurichten. Und damit das von Trump.

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Price hatte für seine Dienstflüge etwas zu oft die sehr teuren Maschinen der Regierung oder des Militärs genutzt. Die nach den Richtlinien der Regierung dringend empfohlenen günstigen Linienflüge nutzte er nur selten. Darüber konnte auch Trump nicht länger hinwegsehen.

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Schiller stand schon lange in Trumps Diensten. Der frühere Detective im City of New York Police Department war seit 2004 Chef des Sicherheitsteams im Trump Tower. Schiller gehört zu den wenigen ausserhalb der eigenen Familie, denen der Präsident völlig vertraut. Aufmerksamkeit erregte Schiller im Frühjahr, weil er dem geschassten FBI-Chef Comey dessen Entlassungsbrief persönlich übergab. Über seine Rücktrittsgründe kann nur spekuliert werden.

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Es muss im Hause Sorensen gewaltig gekracht haben während der zweieinhalbjährigen Ehe von David Sorensen und Jessica Corbett. Nachdem seine Ex-Frau ihn öffentlich beschuldigte, ihr unter anderem mit dem Auto über den Fuss gefahren zu sein und eine Zigarette in ihrer Hand ausgedrückt zu haben, trat er umgehend von seinem Amt zurück. Nicht allerdings ohne selbst auszupacken. Nicht sie, sondern er sei das wahre Opfer «häuslicher Gewalt». Seine Ex-Frau habe ihn mehrfach geschlagen, während der Fahrt ins Lenkrad gefasst. Und noch mehr unschöne Dinge. Der «Washington Post» legten beide als Beweis Fotos ihrer Verletzungen vor. Zurückgetreten sei er, um Schaden von der Trump-Regierung abzuwenden, sagte Sorensen. Was seine Ex-Frau wiederum als Beleg nimmt, dass jedes ihrer Worte wahr sei. Sorensen arbeitete zuletzt im Team des erklärten Islam-Hassers, Immigrationsgegners und Trump-Beraters Stephen Miller.

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Rachel Brand hatte das dritthöchste Amt inne, welches das Justizministerium der USA zu vergeben hat. Für eine in Harvard ausgebildete Karrierejuristin eigentlich ein Traumjob. Dennoch hat sie die Stelle verlassen, um für den Handelskonzern Walmart zu arbeiten. Die Gründe für den Wechsel sind nicht klar ersichtlich. Gerüchteweise soll sie aber Sorge gehabt haben, dass sie künftig womöglich die Russland-Ermittlung von Sonderermittler Robert Mueller zu beaufsichtigen hätte. US-Präsident Trump, dessen Team im Mittelpunkt der Untersuchung steht, versucht alles, den Ermittlungen Steine in den Weg zu legen. Derzeit führt der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein die Aufsicht. Auf den ist Trump nicht gut zu sprechen. Sollte Rosenstein gehen müssen, wäre sie die nächste in der Reihe. Ausserdem soll sie höchst unzufrieden gewesen sein. Sie habe kaum Unterstützung gehabt, berichtet der Sender NBC. Viele Stellen im Haus seien nach wie vor unbesetzt. Sie könne die Arbeit einfach nicht so machen, wie sie es erwarten würde. Brand hatte zuvor unter den Präsidenten George W. Bush als auch Barack Obama gedient.

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Bevor sie in Trumps Weissem Haus Karriere machte, war Newman einst Teilnehmerin in dessen TV-Show «The Apprentice». Was genau die Gründe für ihren Rücktritt waren, ist nicht klar. Nach ihrem Abgang machte sie dubiose Ankündigungen: Sie habe einige Geschichten zu erzählen. Newman war eine der wenigen Schwarzen in Trumps Team.

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Das Alter spielt ja in der Politik nicht immer eine entscheidende Rolle. Aber der rasante Aufstieg von Taylor Weyeneth im Weissen Haus machte dann doch stutzig. Zuletzt war er im Juli 2017 – im Alter von 23 Jahren – zum stellvertretenden Stabschef im Büro für Drogenkontrolle des Weissen Hauses befördert worden. Keine drei Monate, nachdem er das Büro zum ersten Mal betreten hatte. Seine einzig erkennbare Qualifikation zu dem Zeitpunkt: 2016 hatte er sein Jurastudium abgeschlossen. Im gleichen Jahr hat er im Wahlkampfteam von Donald Trump mitgearbeitet. Zum Verhängnis wurde ihm aber nicht das Alter, sondern Unregelmässigkeiten im Lebenslauf. Er hatte etwa angegeben, bis April 2016 für eine Anwaltskanzlei gearbeitet zu haben, vergass aber zu erwähnen, warum er dort nicht mehr gern gesehen war. Schon acht Monate früher war er offenbar nicht mehr Teil der Firma. Er sei gefeuert worden, weil er schlicht nicht mehr zur Arbeit erschienen war, berichtete die «Washington Post». Den Kampf gegen Drogenmissbrauch hatte Trump übrigens zu einer Top-Priorität erklärt.

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McCabe war Präsident Donald Trump von Anfang an ein Dorn im Auge. Zu gut war dessen Verhältnis zu James Comey, den Trump im Mai als FBI-Chef gefeuert hatte. Mangels Möglichkeiten musste er McCabe danach dennoch zum kommissarischen FBI-Chef machen. Was der dann drei Monate lang blieb. Es fand sich schneller kein geeigneter Kandidat, der den Posten übernehmen wollte. Für Trump war McCabe der lebende Beweis, dass das FBI von Demokraten unterwandert sei. Als Beleg dafür holte er immer wieder die Geschichte hervor, dass McCabes Frau Gill im Jahr 2015 für die Demokraten zu einer Senatswahl in Virginia antrat. Sie hatte für den Wahlkampf Geld vom damaligen demokratischen Gouverneur Terry McAuliffe bekommen, der der Clinton-Familie nahesteht. McCabes Frau verlor die Wahl. Im Jahr 2016 war McCabe an den FBI-Ermittlungen in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton beteiligt. Erst kurz vor der US-Wahl 2016 zog er sich – reichlich spät – von den Ermittlungen zurück. Vom neuen FBI-Chef Christopher Wray forderte Trump immer wieder, er möge McCabe so schnell wie möglich feuern. Der aber hatte mit McCabe offenbar längst einen Deal gemacht. Sobald McCabe im März 2018 die Pensionsgrenze erreichen würde, würde der gehen. An dem Plan haben beide festgehalten. Auch wenn McCabe auf Druck von Trump seinen Rückzug etwas früher als geplant öffentlich machte und er sich für den Rest der Zeit bis März freistellen lassen musste.

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Rob Porter hatte im Weissen Haus keine herausragende Stellung. Aber dennoch eine immens wichtige Aufgabe. Er war als Stabssekretär dafür zuständig, dass Präsident Donald Trump die richtigen Papiere zur richtigen Zeit vorgelegt werden konnten. Zuweilen flog er mit Trump in der Air Force One mit zu Terminen und half auch, Trumps erste Rede zur Lage der Nation vorzubereiten. Gehen musste er, weil Vorwürfe zweier Ex-Frauen öffentlich wurden, er habe sie physisch misshandelt. Porter bestreitet alle Vorwürfe. Dabei gibt es von zumindest einer der Frauen Bilder, die sie mit zerschundenem Gesicht zeigen. Das alles wäre an sich schon Skandal genug. Verschärft aber hat die Lage Trumps Stabschef John Kelly. Der Ex-Marine und hochdekorierte General hat Porter in sein Team geholt, obwohl er von den Vorwürfen gewusst haben soll. Das FBI hatte Porter nämlich keine dauerhafte, sondern nur eine befristete Sicherheitsfreigabe gegeben. Die braucht er, um mit derart geheimen Papieren zu hantieren, wie er sie tagtäglich auf dem Schreibtisch hatte. Kelly hatte die Bedenken offenbar als belanglos zur Seite gewischt. Porter hatte jetzt wohl versucht, von seinen Ex-Frauen Erklärungen einzuholen, die – zumindest aus der Sicht von Jennifer Willoughby – die Erfahrungen, die sie in der Ehe mit Porter gemacht hatte, heruntergespielt hätten. Mit dem Ziel, die notwendige dauerhafte Sicherheitsfreigabe zu bekommen. Willoughby ist stattdessen an die Öffentlichkeit gegangen. Trump übrigens wünschte Porter am Ende alles Gute und erklärte, dass immer beide Seiten gesehen werden müssten. Porter mache gerade eine «schlimme Zeit» durch. Er sei sicher «sehr traurig», dass er nicht mehr im Weissen Haus arbeite. Die von Porter offenkundig verprügelten Frauen erwähnte er nicht.

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Das erstaunlichste an Rex Tillersons Rauswurf ist, dass er so lange auf sich warten liess. Den Grossteil seiner gut einjährigen Amtszeit als Aussenminister der Vereinigten Staaten verbrachte der frühere ExxonMobil-Chef im quasi-öffentlichen Clinch mit Präsident Trump. Im Juli soll er Trump als «Trottel» bezeichnet und seinen Rücktritt aus dem Kabinett in Erwägung gezogen haben. Im August distanzierte er sich von Trumps umstrittener Reaktion zum Neonazi-Aufmarsch von Charlottesville. Im Oktober zog er den Unmut seines Chefs auf sich, als er mitteilte, man führe Gespräche mit Nordkorea, Trump twitterte damals: «Spar dir deine Energie, Rex.» Im November berichtete die «New York Times», Tillerson solle geschasst und durch CIA-Chef Mike Pompeo ersetzt, die Rochade binnen einer Woche vollzogen werden. Doch Tillerson blieb im Amt; inzwischen plant Trump selbst ein Gipfeltreffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Dass Tillerson dann im März doch gehen musste, kam zumindest für eine Person überraschend: Rex Tillerson selbst. Ein Mitarbeiter Tillersons erklärte, der Präsident habe seinem Chef keinen Grund für den Rauswurf genannt – und dieser wäre auch gern noch Aussenminister geblieben.

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Seit Wochen munkelte das politische Washington schon, dass die Tage von David Shulkin gezählt seien. Nun hat US-Präsident Donald Trump den Veteranenminister entlassen. Shulkin, ein politisch moderater Krankenhausmanager, war bei Trump in Ungnade gefallen, nachdem er in den vergangenen Wochen wegen Verschwendung von Steuergeldern in die Schlagzeilen geraten war. Im Sommer 2017 reiste er mit Ehefrau, Sicherheitsbeamten und Mitarbeitern auf Staatskosten nach Europa. Kostenpunkt: 122'000 Dollar. Später stellte sich heraus, dass die Shulkins fast die Hälfte des Aufenthalts für touristische Ausflüge genutzt hatten – und sich nebenbei entgegen der Richtlinien sogar Tickets für das Tennisturnier in Wimbledon hatten spendieren lassen. Der 58 Jahre alte Shulkin war der einzige Mitarbeiter in Trumps Kabinett, der noch aus der Obama-Ära stammte. Jetzt ersetzt ihn Trump mit seinem Leibarzt Ronny Jackson, einem Marineadmiral. Der Personalwechsel markiert einen drastischen Umbruch in der Veteranenpolitik des Weissen Hauses.

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So hatte sich der frühere Topmanager von Goldman Sachs seine Karriere im Weissen Haus sicher nicht vorgestellt. Präsident Donald Trump war so stolz darauf, dass er einen echten Wallstreet-Manager anheuern konnte. Cohn verzichtete für den Job auf mindestens 20 Millionen Dollar Jahresgehalt. Mehr als ein Jahr lang sah der Wirtschaftsberater dabei zu, wie Trump ein Freihandelsabkommen nach dem anderen aus den Angeln hob und internationale Verträge infrage stellte. Dass Trump im Sommer 2017 auch noch rechtsradikale Gewalttäter in Schutz nahm, hat Cohn, der jüdischen Glaubens ist, gerade noch weggesteckt. Doch als der Präsident Strafzölle auf Aluminium und Stahl ankündigte, reichte es seinem obersten Wirtschaftsberater.

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Dass einer wie Herbert Raymond McMaster für Trump würde arbeiten wollen, damit haben damals im Februar 2017 viele nicht gerechnet. Aber der Drei-Sterne-General McMaster ist ein Staatsdiener von altem Schlag. Wenn der Präsident ruft, dann folgt er. Auch wenn der Mann im Oval Office erkennbar nicht seinen Standards entspricht. Gut möglich, dass McMaster dachte, einer muss doch Trump im Zaum halten. Und wenn nicht er, wer dann? West-Point-Absolvent, in Geschichte promoviert, tadellose Militärkarriere. Er hatte dennoch – oder gerade deswegen – seine liebe Not mit Trump. Iran-Deal, Nordkorea, internationale Verpflichtungen und Bündnisse, Beziehungen zu Russland. Überall lagen sie über Kreuz. McMaster konnte zum Schluss kaum noch zu Trump durchdringen. Die Anfrage von Kim Jung-un, Gespräche auf höchster Eben zu führen, hat Trump im Alleingang positiv beschieden. Und den – nun ja – Wahlsieg von Wladimir Putin in Russland hat Trump gegen den klaren Hinweis seiner Berater noch mit einem fröhlichen Glückwunsch-Telefonat geadelt. Was Trump aber am meisten genervt haben soll: Dass McMaster die Dinge immer sehr ausführlich mit allen Für und Wider erklärt hat. In der irrigen Annahme, der Präsident würde daraus schon seine Schlüsse ziehen können. Ist ja der Präsident. Trump war das alles jedenfalls zu kompliziert. Wer weiss, ob McMaster am Ende noch glücklich war in seinem Job? Gross gegen seine Entlassung gewehrt hat er sich allerdings wohl nicht mehr.

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«Ich hatte die Schnauze voll von diesen Karrierepolitikern», sagte John McEntee Reportern im August 2015 – Donald Trump dagegen habe ihn überzeugt. McEntee, damals Angestellter bei Fox News, mailte dem Präsidentschaftskandidaten seinen Lebenslauf, wurde erst Volunteer und dann Mitarbeiter in Trumps Wahlkampf-Team. Seine Aufgabe war es, die Reisen des Kandidaten zu organisieren. Seitdem war John McEntee an Trumps Seite – länger als die meisten anderen. Nach der Wahl machte ihn der neue US-Präsident zu seinem persönlichen Assistenten. Er verlor seinen Job am selben Tag wie Aussenminister Rex Tillerson; das Wall Street Journal berichtete zuerst darüber, wie McEntee am 13. März 2018 aus dem Weissen Haus eskortiert wurde. Die Rede war zunächst von Sicherheitsbedenken, später berichteten mehrere Medien, es gehe um finanzielle Vergehen, die nicht in Zusammenhang mit Trump stünden. Auf Jobsuche begeben muss sich der Ex-Assistent allerdings nicht: Er wurde umgehend als Berater in Trumps Team für den Wahlkampf 2020 berufen.

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Einige der Genannten arbeiteten bereits vor dem Amtsantritt Trumps für ihn. In diesen Fällen beziehen sich die zeitlichen Angaben dennoch auf den 20. Januar 2017, den Tag der Vereidigung. In vier Fällen kann die Zahl der Tage nicht eindeutig bestimmt werden. Hier handelt es sich deshalb um Näherungswerte, die allerdings maximal um wenige Tage von der tatsächlich Zahl abweichen können. Sie sind mit * gekennzeichnet. Fotos: Afp, DPA, Reuters, Taylor Weyeneth/Linkedin

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