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Diesmal hatte Rappa die Nase vorn

Als Militärschuhwerfer schlug der bürgerliche Stapi-Kandidat die linke Elisabeth Zäch um Längen.

Bei diesem Rennen verweist er sie locker in die hinteren Ränge. Mit einer Weite von 19,03 Metern gelingt es ihm im dritten Anlauf, in die Nähe der 20-Meter-Marke zu kommen und so die Distanz zum späteren Tagessieger im Rahmen zu halten. Wohingegen sie mit ihren besten Wurf von 9,92 Metern nicht mal die 10-Meter-Hürde schafft – wenigstens kann sie sich nach geschlagener Schlacht mit der Feststellung trösten, «dass ich ja jetzt noch gar nicht gewinnen muss».

Der Countdown im Rennen ums Burgdorfer Stadtpräsidium läuft, und exakt vier Wochen vor dem entscheidenden Wahlgang sind Francesco Rappa, der Kandidat der bürgerlichen BDP, und Elisabeth Zäch, die Kandidatin der linken SP, zu einem Wettkampf der ganz speziellen Art angetreten. Die FDP hat zur ersten bernischen Meisterschaft im Schuhewerfen in den «Schützenhaus»-Garten eingeladen, und für die zwei Hauptakteure in diesen wahlkampfgeschwängerten Zeiten versteht es sich von selber, dass sie mit dabei sein müssen.

Wie unterschiedlich die beiden die Sache anpacken! Während Rappa gleich zu Beginn mit kraftvollen Schwüngen ans Werk geht und den bereitstehenden alten Militärschuh von Mal zu Mal ein Stück weiter bringt, fragt Zäch zuerst halb im Ernst und halb im Spass, ob sie noch üben dürfe. Nach dem ersten, nur leidlich geglückten Versuch stellt sie fest, dass sie halt mit ihren glitschigen Strümpfen von vornherein im Nachteil sei. Nach dem dritten Anlauf gelangt sie zur bitteren Selbsterkenntnis: «Aus dem Wochenende im Wallis wird wohl nichts.»

Richtig. Wie bei einem richtigen Wettkampf gibt es auch an diesem Anlass, mit dem die Burgdorfer FDP doch vorab auf sich aufmerksam machen will, Preise zu gewinnen. Je eine Übernachtung für zwei Personen in Zinal winken den drei Erstplatzierten in der getrennten Männer- und Frauenkategorie. Schliesslich hat der Walliser Touristenort den schrägen Sport nicht nur erfunden, sondern pflegt ihn auch mit einer Schweizer Meisterschaft. Diese findet immer im Rahmen der Bundesfeiern statt – die Gewinnerinnen und Gewinner aus Burgdorf mögen ihren Preis bitte am nächsten 1.August einlösen und gegen die nationale Militärschuhwurf-Elite antreten.

Und so sind auch all die anderen Wettkämpferinnen und -kämpfer eifrig bis übereifrig bei der Sache. Mit von der Partie sind allen voran die freisinnigen Gemeinde- und Stadtratskandidaten, Ian Thompson etwa, der den Schuh so kräftig schleudert, dass er mal irgendwo im Gebüsch landet und mal oben auf dem «Schützenhaus»-Dach, von wo er glücklicherweise wieder von selber herunterkullert. Hin und wieder lässt sich gar ein Passant zum Mitmachen motivieren, Simon Barth etwa, der mit seinen 22,30 Metern schliesslich den Sieg davonträgt.

Natürlich verläuft ein solcher Anlass nicht ohne kleinere Pannen, die dafür umso mehr zu lachen geben. Martin Kolb erwischt es am bösesten. Als der amtsjüngste Gemeinderat zum ersten Wurf ansetzt und die moderierende Nationalrätin Christa Markwalder am Megafon zum Loblied ansetzt – «Du machst es mit viel Schwung und Elan, genau so, wie du politisierst» –, da passiert es. Der Schuh rutscht vom Fuss und fällt nur ein paar wenige Zentimeter weiter weg zu Boden. Es ist der totale Absturz.

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