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«Das Wikileaks für den einfachen Mann»

Sie vermehren sich weltweit: Anonym montierte USB-Sticks, die der ganzen Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Was steckt hinter den mysteriösen Datenträgern, von denen es auch in der Schweiz einige gibt?

In der Schweiz gibt es zurzeit sechs Stück: Zwei davon in Basel, zwei in Genf und je einen in Schaffhausen und Neuenburg. Ihre genauen Standorte sind auf der Internetseite www.deaddrops.com einsehbar.

Die Aktion deaddrops.com wurde durch den in New York lebenden Berliner Kunsstudenten Aram Bartholl im Oktober 2010 gestartet. Bei den USB-Sticks scheint zunächst nichts aussergewöhnlich, ausser die Platzierung in der Öffentlichkeit: In der Regel sind die Datenträger in Mauern einbetoniert oder mit Klebstoff an einem beliebigen Platz angebracht. Für jeden Passanten sind sie sichtbar, und, noch viel wichtiger, die Inhalte sind jedem zugänglich.

Weltweit schon über 150 Sticks

«Hingehen, aufmachen, über den Inhalt freuen,» beschreibt Christian Pentz die Aktion gegenüber «Spiegel» online. Der Student montierte in Stuttgart einen von inzwischen weltweit inzwischen 157 Deaddrop-Sticks. Bevor «Spiegel» online am Montagmorgen darüber berichtete, waren es fast 50 weniger. Mit der gesteigerten medialen Aufmerksamkeit schiessen die USB-Sticks nun wie Unkraut aus den urbanen Betonlandschaften dieser Welt.

Doch was sind eigentlich die Inhalte der USB-Sticks? Grundsätzlich ist jedermann frei einen Stick zu montieren. Auch die Wahl des Inhalts ist jedem freigestellt. In Berlin existiert beispielsweise ein Datenträger mit dem Namen «Open Drop». Darauf gespeichert sind Bilder und Musik von lokalen Künstlern. Auf einem anderen Stick ruft der Installateur dazu auf, man solle seine zehn Lieblingssongs hinaufladen. Der Datentransfer läuft also wechselseitig ab.

Mögliche Verbreitung von Computerviren

Die Meinungen zu den «Dead Drops» sind gespalten. Gerade weil die Sticks in der Regel anonym angebracht werden. «Spiegel» online schreibt: «Der Stick gehört niemandem, die weitergegebenen Daten womöglich schon.» Zudem können auf diese Weise auch Schadprogramme leicht verbreitet werden. Auch heikle Daten könnten mit den Sticks auf anonymem Weg an die Öffentlichkeit gelangen. Ein deutscher TV-Sender bezeichnete die Aktion deshalb «als Wikileaks für den kleinen Mann. »

Befürworter wie Christian Pentz preisen die Aktion als eine Art «digitalen Adventskalender». Es sei theoretisch ja möglich an jedem Knotenpunkt einen sogenannten «Drop» anzubringen. «Das würde einen fliessenden Datenträger ermöglichen», sagt Pentz.

Auch die Schweizer, die sich an der Aktion beteiligen, äussern sich auf der Projektseite enthusiastisch: Als ich das erste Mal von diesem Projekt hörte, wusste ich, dass ich das tun muss, schreibt der User «sh-drop», der im vergangenen November einen Stick an einer Kirchenmauer in Schaffhausen anbrachte. Ein Hinweis an potenzielle Nutzer: «Nehmt bitte ein USB-Kabel mit, möglicherweise habe ich den Stick etwas zu weit in die Mauer zementiert.»

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