Zum Hauptinhalt springen

Die falschen MH370-Alarme

«Könnte mir jemand sagen, ob das nur Wellen sind?»: Millionen Internet-User suchen nach Spuren von Flug MH 370 und tauschen sich über ihre Entdeckungen aus. Ihre Erfolgschancen sind gering.

«Es kann unmöglich Aufnahmen der Maschine im Tiefflug geben»: Dieses Bild erregte viel Aufmerksamkeit, es zeigt jedoch nach ersten Erkenntnissen nicht MH370...
«Es kann unmöglich Aufnahmen der Maschine im Tiefflug geben»: Dieses Bild erregte viel Aufmerksamkeit, es zeigt jedoch nach ersten Erkenntnissen nicht MH370...
Tomnod
... genauso wenig wie diese Aufnahme. «Sieht mehr nach einem Boot aus», schreibt Tomnod auf Twitter.
... genauso wenig wie diese Aufnahme. «Sieht mehr nach einem Boot aus», schreibt Tomnod auf Twitter.
Tomnod
«Könnte mir jemand sagen, ob das nur Wellen sind?»: Auf Facebook tauschen sich die User über ihre Funde aus.
«Könnte mir jemand sagen, ob das nur Wellen sind?»: Auf Facebook tauschen sich die User über ihre Funde aus.
Tomnod
1 / 6

Verdächtige Wellenformationen, Ölspuren, ein unter der Wasseroberfläche aufblitzendes Objekt: Millionen Internetnutzer halten derzeit auf Satellitenbildern Ausschau nach Hinweisen auf den verschwundenen Flug MH 370. Auf der Suchwebsite Tomnoddurchforsten sie Aufnahmen des Suchgebiets, markieren auffällige Objekte, veröffentlichen die Bilder auf sozialen Plattformen und diskutieren mit anderen Usern.

«Könnte mir jemand sagen, ob das nur Wellen sind?», schreibt eine Userin zu einem Bild, das sie auf Facebook postet. «Wahrscheinlich schon», antwortet eine andere, «manchmal werfen auch Wale interessante Wellenformationen auf.» Trotzdem rät sie ihr, eine Markierung anzubringen. Tomnod wird schliesslich per Algorithmus die Stellen herausfiltern, die von mehreren Helfern markiert wurden, und genauer untersuchen.

Mehr als drei Millionen User helfen mittlerweile bei der Bildersuche mit, so viele, dass die Server von Tomnod zwischenzeitlich zusammenbrachen. Konkrete Ergebnisse hat das sogenannte Crowdsourcing zwar noch nicht produziert, dafür bereits einige Schlagzeilen – immer dann, wenn ein User ein besonders spektakuläres oder verdächtiges Objekt gesichtet haben will. Viel Aufmerksamkeit erregte das Bild einer Passagiermaschine im Tiefflug über dem Urwald:

Laut Tomnod handelt es sich dabei nach ersten Erkenntnissen nicht um MH 370: Es könne unmöglich Aufnahmen der Maschine im Tiefflug geben, da sie in der Nacht unterwegs gewesen sei und die Satelliten dann keine Bilder schiessen. Auch andere vielversprechende Aufnahmen entpuppten sich als falsche Fährten, so zum Beispiel diese hier:

«Sieht viel mehr nach einem Boot aus», schreibt Tomnod dazu auf Twitter – ein weiterer falscher Alarm.

Dass die Schwarmsuche tatsächlich irgendwann einen brauchbaren Hinweis auf MH 370 liefern könnte, ist laut der US-Wissenschaftlerin Lea Shanley, die das Phänomen Crowdsourcing erforscht, unwahrscheinlich. Dafür seien das Suchgebiet zu gross und die Bilder zu schwierig zu interpretieren. Doch immerhin helfe die Aktion dabei, «herauszufinden, wo das Flugzeug nicht ist».

«Es kann süchtig machen»

Die User scheinen sich von den Rückschlägen jedenfalls nicht entmutigen zu lassen: Ihre Zahl steigt weiterhin konstant an. Sie habe bereits mehr als 16 Stunden in die Suche investiert, sagt eine Freiwillige gegenüber der britischen Zeitung «The Guardian». «Es kann süchtig machen, vor allem wenn interessante Bilder veröffentlicht werden und du das Gefühl bekommst, dass jemand nah dran ist, das Rätsel zu lösen.» Die Menschen wollten ganz einfach helfen, sagt ein anderer User, «und sie sind fasziniert vom MH370-Mysterium».

Das Crowdsourcing wird seit mehreren Jahren eingesetzt und leistet immer wieder gute Dienste, so zum Beispiel bei der Bewältigung von Naturkatastrophen wie des Hurrikans Sandy oder des Sturms Hayian auf den Philippinen. Die kollektive Detektivarbeit kann allerdings auch ausser Kontrolle geraten, wie die Geschehnisse nach dem Boston Marathon im April 2013 beweisen. Bereits wenige Minuten nach dem Anschlag wurden im Internet erste Bilder und Videos von den zwei Explosionen veröffentlicht. Das soziale News-Forum Reddit stiftete seine Nutzer an, auffällige Personen zu identifizieren und zu melden. Mit dem Resultat, dass ein 22-jähriger indischer Student fälschlicherweise zum Verdächtigen gemacht wurde. Erst nach einigen Stunden konnte die Behauptung durch die Polizei entkräftet werden – nachdem sie bereits von den meisten Medien weltweit aufgegriffen und verbreitet worden war.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch