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«Extrem wertvoll»

Viele Handys überwachen jeden Schritt der Nutzer. Wie Google-interne Mails jetzt belegen, ist der IT-Konzern höchst interessiert daran, mit in WLAN-Netzen gefundenen Standortdaten Geld zu verdienen.

«Wir sind absolut betroffen»: Datenschützer, Politiker und Nutzer haben bei Apple und Google einen wunden Punkt berührt. Ein Programm namens iPhone-Tracker zeigt auf dem Computer an, wo man sich in letzter Zeit aufgehalten hat.
«Wir sind absolut betroffen»: Datenschützer, Politiker und Nutzer haben bei Apple und Google einen wunden Punkt berührt. Ein Programm namens iPhone-Tracker zeigt auf dem Computer an, wo man sich in letzter Zeit aufgehalten hat.
AFP

Für Apple scheint die Sache erledigt. Mit einem Softwareupdate hat der iPhone-Hersteller endlich auf den Vorwurf reagiert, dass Applehandy-Nutzer systematisch ausspioniert werden.

Die Betriebssystem-Version iOS 4.3.3 soll dafür sorgen, dass die Aufenthaltsorte der Nutzer «nur» noch für eine Woche gespeichert werden. Ausserdem wird die Datei mit den Ortsdaten gelöscht, sobald die Ortungsdienste-Funktion auf dem iPhone deaktiviert wird. Schliesslich wird laut Firmenangaben keine Sicherungskopie via iTunes erstellt (Redaktion Tamedia berichtete).

Apple spricht von «Softwarefehler»

Dass Apple interessiert daran ist, Daten zu speichern, um iPhones und iPads zu orten, negiert der Konzern allerdings nicht. Es sei einzig ein Fehler gewesen, dass der Nutzer diese Lokalisierungsfunktion nicht habe deaktivieren können. In der Aufregung um dieses in Blogs und Medien «Locationgate» genannte Problem ging die Handhabung eines anderen IT-Multis mit diesem Thema etwas unter.

Street View wieder im Fokus

Kurz nach Bekanntwerden der Apple-Affäre berichteten das «Wall Street Journal» und der Londoner «The Guardian» am Freitag unter Berufung auf Informatikexperten, dass auch Smartphones mit Googles-Betriebssystem Android regelmässig die Aufenthaltsorte ihrer Nutzer in einer versteckten Datei speichern. Ortungsdaten würden aber nicht an den Konzern gemeldet, der Nutzer müsse die Lokalisierungsfunktion explizit genehmigen und könne sie auch jederzeit wieder abschalten.

Dass Google allerdings höchst interessiert ist, möglichst viele Standortdaten von Android-Nutzern zu bekommen, zeigen nun firmeninterne Mails, die dem IT-Blog Mercury News zugespielt worden sind. Android-Chef Andy Rubin etwa mailte seinem Chef Larry Page vor einem Jahr, dass «Lokationsdaten extrem wertvoll für Google» sind. Rubin schreibt auch, dass Google Probleme habe, seit die Datensammlerei via Street-View-Autos entdeckt worden sei. Pikant: Google hat wiederholt betont, dass die Erfassung von Namen und Standorten von WLAN-Netzen nicht absichtlich geschehen sei.

Datenbank mit 300 Millionen Netzwerken

Ausserdem hat Steve Lee –beim Suchmaschinenkonzern zuständig für Lokationsdaten – laut Mercury News gemailt: «Wir sind absolut (...) betroffen, denn wir brauchen die WLAN-Daten-Sammlung, um unseren Wifi-Location-Service zu pflegen und zu verbessern.»

Hier ging es konkret um die Weigerung Motorolas, bei der Ortungsfunktion auf Android zu setzen. Gemäss dem in den Mercury News publizierten Inhalten hat Google Motorola stark unter Druck gesetzt und den amerikanischen Smartphone-Hersteller doch noch überredet, den Google-Dienst einzubauen. Laut Lee besitzt Google mittlerweile Geodaten von 300 Millionen Drahtlos-Netzwerken, womit es ohne GPS möglich sei, den Standort eines Geräts mit einer Genauigkeit von 30 Metern zu ermitteln.

Untersuchungen in den USA

Die veröffentlichten Internas kommen dem Mountain-View-Unternehmen höchst ungelegen. Denn seine Vertreter müssen auf Initiative der Senatoren Al Franken und Patrick Leahy für eine Anhörung vor dem US-Kongress erscheinen. Die Untersuchung schliesst auch Apple ein. Die hochrangigen Politiker wollen die Frage klären, wofür die Konzerne via mobile Geräte Kundendaten sammeln und ob die Geolocation-Services gegen Bundesgesetze verstossen. Apple hat zudem in Florida eine Sammelklage von US-Bürgern am Hals.

Image und viel Geld

Für die beiden Smartphone-Giganten steht nicht nur das Firmenimage auf dem Spiel. Primär geht es natürlich um Geld, gilt doch punktgenaue Werbung via Smartphones und Tablets als Zukunftsmarkt. Nur wenn Google und Co. wissen, wo sich der Kunde genau befindet, kann dieser mit standortbezogener Werbung versorgt werden.

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