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Revolutionshelfer Google

«Don't be evil» heisst das Firmenmotto des IT-Konzerns. In Ägypten soll dieses derzeit umgesetzt werden: Das Unternehmen hilft der ägyptischen Opposition bei der Kommunikation. Echtes Engagement oder PR-Gag?

Der Regimezensur getrotzt: Auf Twitter.com/speak2tweet können Nachrichten, die von Ägyptern auf von Google bereit gestellten Rufnummern hinterlassen werden, abgehört werden.
Der Regimezensur getrotzt: Auf Twitter.com/speak2tweet können Nachrichten, die von Ägyptern auf von Google bereit gestellten Rufnummern hinterlassen werden, abgehört werden.
Twitter.com/speak2tweet

Die Regierung in Kairo hat letzte Woche die Internet-Verbindungen im Land gekappt. Die Ägypter können derzeit nur mit einem alten Dial-Up-Modem online gehen. Nun haben die Regimegegner Hilfe von unerwarteter Seite bekommen: Der amerikanische Suchmaschinenkonzern Google hat nach eigenen Angaben ein System entwickelt, mit dem Telefonanrufe in eine Nachricht auf dem Online-Netzwerk Twitter umgewandelt werden können. Um einen Tweet zu veröffentlichen, ist die Opposition also nicht mehr auf eine Internet-Verbindung angewiesen.

Die Nachrichten müssen gemäss der Nachrichtenagentur SDA als Voicemail bei den internationalen Rufnummern +1 650 419 4196 oder +39 06 62 207 294 oder +97 316 199 855 hinterlassen werden. Die News würden dann mit dem Hashtag (Schlagwort) «egypt» sofort bei Twitter veröffentlicht. Die Weltöffentlichkeit kann diese dann über dieselbe Nummer empfangen oder über Twitter.com/ speak2tweet hören. Dies funktioniert problemlos.

Eigene Expertengruppe für das Nil-Land

Gemäss Unternehmensangaben hat Google für diesen Dienst extra eine Expertengruppe gebildet. Diese arbeite mit Twitter-Leuten und Saynow zusammen, eine Firma, die von Mountain View kürzlich aufgekauft wurde.

Wie erklärt sich das Engagement? Kritiker monierten bereits kurze Zeit nach der Bekanntgabe via Googleblog.blogspot.com, es handle sich um nichts weiteres als eine perfekte Werbung in eigener Sache: Jetzt, da der Zerfall des Regimes Tatsache werde, schlage sich das US-Unternehmen auf die Seite der Gewinner, um nach Etablierung der neuen Machthaber (wer immer diese auch sein werden) im Nil-Land weiter gut Geschäfte machen zu können. «Spiegel online» etwa schreibt von einem «willkommenen PR-Coup» für das Suchmaschinenunternehmen.

Schlechte Erfahrung mit Totalitarismus

Eine Argumentation, die nachvollziehbar ist. Indes dürfte Google ein echtes Interesse an freier Meinungsäusserung nicht abzusprechen sein. Nicht zum ersten Mal bekunden die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Mühe mit repressiven Regimes. Vor einem Jahr gab das Duo bekannt, sich aus dem boomenden China zurückziehen zu wollen, weil Google sich nicht der Staatszensur Pekings beugen wolle.

Insbesondere Brin gilt als treibende Kraft im Kampf gegen totalitäre Systeme. Die Methoden Pekings erinnern ihn an das Moskau der Sowjet-Ära, so Brin 2010. Der Hintergrund: 1979 mussten der damals sechsjährige Sergey und seine Familie aus der Sowjetunion auswandern. Seine jüdischen Eltern, besonders sein Vater, ein Mathematiker, hätten jahrelang unter Repressionen und Berufsverbot gelitten.

Eric Schmidt stellte sich quer

Laut einem Bericht des Magazins «New Yorker» ist es genau diese diffizile Situation in China gewesen, welche zum kürzlich bekannt gewordenen Abgang des jetzigen Google-Chefs Eric Schmidt geführt hat. Anders als Brin und Page habe dieser sich der chinesischen Zensur unterwerfen wollen.

Der asiatische Riese verfolgt das Geschehen in Nordafrika übrigens mit grossem Interesse – und er fürchtet sich offenbar vor den Folgen der Unruhen. Wer in China auf den Online-Kurznachrichtensites Sina.com und Sohu.com nach dem Wort Ägypten sucht, bekommt nur eine Fehlermeldung.

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