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Das iPhone war Microsofts Lehrstück

«Wir haben uns entschieden, den Motor des Autos auszuwechseln», so Handychef Achim Berg, der mit Windows Phone 7 Apple und Google das Leben schwer machen will.

Der Deutsche Achim Berg ist Präsident der Mobil-Sparte von Microsoft. Für ihn ist das neue Windows-Handy laut einem «Handelsblatt»-Interview «ein Telefon, das zunächst sehr stark den privaten Konsumenten anspricht, aber gleichzeitig alle wichtigen Businessfunktionen wie eine komplette Office-Integration mit Sharepoint beinhaltet».
Der Deutsche Achim Berg ist Präsident der Mobil-Sparte von Microsoft. Für ihn ist das neue Windows-Handy laut einem «Handelsblatt»-Interview «ein Telefon, das zunächst sehr stark den privaten Konsumenten anspricht, aber gleichzeitig alle wichtigen Businessfunktionen wie eine komplette Office-Integration mit Sharepoint beinhaltet».
AFP
Auch Microsoft-Mitarbeiter haben iPhones. Aber nicht mehr lange, hofft Berg. Es sei das beste Lehrstück für Microsoft gewesen, dass die eigenen Mitarbeiter das Handy der Konkurrenz bevorzugen.
Auch Microsoft-Mitarbeiter haben iPhones. Aber nicht mehr lange, hofft Berg. Es sei das beste Lehrstück für Microsoft gewesen, dass die eigenen Mitarbeiter das Handy der Konkurrenz bevorzugen.
Keystone
Das Unternehmen will Windows Phone 7 nächstes Jahr mit der Funktion Copy&Paste (Ausschneiden und Einfügen) nachrüsten. Das sagte der für das Design zuständige Manager Joe Belfiore (Bild) in New York.
Das Unternehmen will Windows Phone 7 nächstes Jahr mit der Funktion Copy&Paste (Ausschneiden und Einfügen) nachrüsten. Das sagte der für das Design zuständige Manager Joe Belfiore (Bild) in New York.
AFP
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Microsoft personifiziert: Das war bislang eigentlich immer Steve Ballmer. Der 54-jährige Amerikaner mit Schweizer Wurzeln übernahm vor elf Jahren die Nachfolge von Bill Gates und machte in dieser Zeit vor allem mit medienwirksamen Auftritten in verschwitzten Hemden auf sich aufmerksam.

Der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist der derzeit zweitwichtigste Mann im weltgrössten Softwarekonzern, der Deutsche Achim Berg. Doch das könnte sich rasch ändern. Der 46-Jährige übernahm im Sommer die Mobilfunksparte von Microsoft und hat die schier unmögliche Aufgabe, Microsoft wieder Smartphone-tauglich zu machen. Berg, schrieb die deutsche Zeitung «Zeit» kürzlich, sei ein «Tänzer am Leichenwagen». Der Leichenwagen: Microsofts Anteil im Markt der mobilen Betriebssysteme. Weltweit nutzen nicht einmal fünf Prozent aller Smartphone-Besitzer ein Mobil-OS von Microsoft.

Grosse Versprechen

Das soll sich rasch ändern: Mit Windows Phone 7 hat Bergs Unternehmen ein neues Betriebssystem für Smartphones angekündigt und sich dabei sehr selbstbewusst gezeigt. Das System werde «den Smartphone-Markt revolutionieren», erklärte Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD. Das System biete einen komplett neuen Ansatz, sei stabil und sicher, einfach und anwenderfreundlich.

Auch Berg zeigt sich in einem Interview mit Faz.net sehr zuversichtlich: «Ein guter Teil der eineinhalbjährigen Entwicklung ist nicht für das reine Programmieren verwendet worden, sondern für sehr ausführliche Tests.»

Das Unternehmen habe dabei 10'000 Geräte im Einsatz gehabt, die einige Millionen Stunden an Stresstests absolvieren mussten. Ausserdem habe man 50'000 Menschen befragt, wie sie ihr Smartphone nutzen und welche Verbesserungen sie sich wünschen. Vom Vorgänger Windows Mobile distanziert sich Berg klar: «Wir haben uns entschieden, den Motor des Autos auszuwechseln.»

Winziger Marktplatz

Im Gegensatz zu Hauptkonkurrent Apple setzt Microsoft auf eine geringe Anzahl Applikationen, denn Microsoft habe «festgestellt, dass nur eine begrenzte Zahl wirklich genutzt wird». Diese relevanten Programme gebe es alle bei Microsoft. Ausserdem nutze gut die Hälfte der Smartphone-Besitzer Smartphones für Spiele. Auch hier sei der Konzern mit 100 Spielen «gut aufgestellt».

Was der App Store für Apple ist der Marketplace für Windows Phone 7 respektive Microsoft. Eine Auswahl der Apps:

  • Swisscom TV Air:Für 9 Franken pro Monat stehen Swisscom-Kunden auf Handy und PC über 40 Live-Sender zur Verfügung. Zudem können Fussball- und Eishockeyfans für 5 Franken pro Spiel exklusiv alle Live-Übertragungen von Teleclub mitverfolgen.
  • SBB: Die Bahn-App für Windows Phone 7 enthält nebst Fahrplaninformationen die Möglichkeit, Tickets direkt auf dem Mobile zu kaufen.
  • Search.ch:Eine App für Telefonbuchabfragen, Privat- und Firmenadressen sowie Brancheneinträge, Restaurants oder Hotels – unterstützt durch die Umkreissuche mit GPS. Die App bietet zudem eine exakte Wetterprognose der Schweiz für 3'000 Ortschaften.
  • Myswitzerland: «Deep Zoom Zermatt» ist ein aus Tausenden von höchstauflösenden digitalen Fotos zusammengesetztes Panorama der Zermatter Bergwelt. In der maximalen Zoomstufe soll man sogar Bergsteiger erkennen können.
  • Immostreet:Immobilien zum Verkauf oder zur Vermietung finden aus über 36'000 Angeboten.

Auch Microsoft-Angestellte stehen auf iPhones

Insgesamt, so Microsoft, werden zum Verkaufsstart der ersten Windows-Phone7-Handys etwa 500 Apps zur Verfügung stehen. Verglichen mit dem Applikationen-Universum von Apple und Google (250'000 respektive 100'000 Miniprogramme) ist Windows Marketplace also ein Zwerg.

Dennoch, so Berg im «Handelsblatt», werde es nicht mehr lange gehen, bis auch Microsoft-Mitarbeiter von iPhones auf Windows-Handys umsteigen. Es sei das beste Lehrstück für Microsoft gewesen, dass die eigenen Mitarbeiter das Handy der Konkurrenz bevorzugen.

Wenn die eigenen Mitarbeiter zu Konkurrenzprodukten greifen, habe das Gründe und spiegle einen generellen Trend. «Über 75 Prozent der Arbeitnehmer weltweit kaufen ihre Telefone privat und nehmen sie dann ins Unternehmen mit. So rum läuft das heute. Das ist eine Herausforderung, aber auch eine grosse Chance.»

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