Der Anfang vom Ende von iTunes und weitere Apple-Neuigkeiten

An der jährlichen Entwicklerkonferenz stellt Apple die Weichen für die nächsten Jahre und räumt bei den Altlasten auf. Eine Vorschau.

Apple-Chef Tim Cook bei einer Ladeneröffnung.

Apple-Chef Tim Cook bei einer Ladeneröffnung.

(Bild: Reuters)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Heute um 19 Uhr findet der strategisch wichtigste Apple-Anlass des Jahres statt. Neue iPhones mögen höher auf den kollektiven Wunschlisten stehen, doch an der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC legt der Konzern jeweils die Fundamente für die nächsten Jahre.

Zum Beispiel 2014 wurden an der Konferenz zahlreiche Neuerungen vorgestellt, die Apple mit Android gleichziehen liessen, den grösseren iPhones den Weg ebneten und insgesamt den gigantischen Erfolg der iPhones 6 und Co. ermöglichten.

Ganz so gross werden die Würfe heute Abend kaum werden. Schliesslich hat Apple bereits im März mit der Präsentation zahlreicher Abo-Dienste (News, Games, TV) eine markante Kurskorrektur weg vom reinen Geräteverkäufer hin zum Dienstleister vollführt.

Dennoch stehen auch heute ein paar spannende Ankündigungen und Entscheide an. Wie immer ist vieles davon schon vorab durchgesickert, sodass man einige Programmpunkte bereits zu kennen glaubt.

iTunes entbündeln

iTunes war einmal die beste Software, um – egal ob auf Mac oder Windows – Musik zu hören und zu archivieren. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Funktionen und Angebote hinzu. Schliesslich wurde iTunes sogar zur Zentrale fürs iPhone und iPad.

Bereits seit längerem und spätestens seit der Lancierung des Musik-Streaming-Dienstes Apple Music zeichnet sich ab, dass Apple hier etwas entrümpeln wird. Heute könnte sich zeigen, wie Apple die vielen Funktionen von iTunes künftig auf einzelne Apps verteilen wird.

Aber schon jetzt kann man Entwarnung geben: Apple wird hier sehr vorsichtig vorgehen. Um sein iTunes und die eigene mühsam archivierte Musik wird man sich auch die nächsten Jahre keine Sorgen machen müssen. Ein zu brüskes Vorgehen wäre ein kolossaler Schuss ins PR-Knie.

iOS 13

Die Software fürs iPhone und iPad wird Jahr für Jahr auf den neusten Stand gebracht. Dabei sind die Erwartungen heuer höher als auch schon. Da der Konzern letztes Jahr mit neuen Funktionen eine Pause eingelegt hat und sich auf Fehlerbehebungen, Tempo und Akkulaufzeit konzentriert hat, sind heuer wieder grössere Neuigkeiten gefragt.

Seit längerem heisst es, dass Apple an einem neuen Home-Screen arbeiten würde. Wie der aber aussehen würde und ob bald Schluss ist mit den vielen App-Symbolen, ist auch Stunden vor der Veranstaltung noch völlig unklar.

Schon fast gesetzt ist ein sogenannter Dark Mode (Dunkelmodus). Damit werden helle Bedienelemente abgedunkelt, das sieht einerseits elegant aus und soll andererseits nach dem Eindunkeln die Augen schonen.

Grösser noch sind die Erwartungen bei den iPads. Seit Apple im letzten Herbst das neue iPad Pro vorgestellt hat, sind die Anforderungen an die Software noch mal gewachsen. Besseres Dateimanagement, Unterstützung für externe Festplatten und sogar Bedienung per Maus wurden in zahlreichen Tests gewünscht und scheinen nicht ganz ausgeschlossen.

Fest steht, das iPad Pro ist schon jetzt für experimentierfreudige Nutzer (wie den Autor dieses Textes) mehr als ein Laptop-Ersatz, aber für viele Kunden gibt es immer noch teils kleinere und grössere Hindernisse. iOS 13 könnte das ändern.

watchOS 6

Mit jeder neuen Software-Version und jedem neuen Uhren-Modell hat die Abhängigkeit der Apple Watch vom iPhone etwas abgenommen. Dieser Trend dürfte sich auch mit watchOS 6 fortsetzen. Nebst neuen Zifferblättern klingt ein möglicher Appstore für die Uhr besonders spannend. So die Uhr dereinst eine eigene Plattform sein soll, führt kein Weg an einem eigenen Appstore vorbei.

Eine eigenständige Uhr hätte nicht nur den Vorteil, dass man das iPhone noch öfter zu Hause lassen kann. So eine Uhr würde sich dann plötzlich auch mit Android-Handys vertragen und eine ganz neue Käuferschaft für Apple erschliessen.

macOS 10.15

Aus strategischer Sicht besonders spannend werden die Ankündigungen zum Mac. Da hat Apple vor einem Jahr klargemacht, macOS und iOS würden nicht zu einer Plattform verschmolzen. Allerdings solle es für Entwickler einfacher werden, iOS-Apps (vor allem solche fürs iPad) auf den Mac zu bringen.

Letztes Jahr hat Apple ziemlich unspektakuläre erste Beispiele gezeigt und für 2019 mehr Informationen versprochen. Was das angeht, dürfte heute einiges über die künftige Koexistenz von macOS und iOS klar werden. Zumal bei Apple auch eine Abkehr von Intel-Chips für die Mac-Computer im Raum steht. Sollte diese Ankündigung ebenfalls heute über die Bühne gehen, würde das so einiges aufwirbeln.

Sollten all diese Ankündigungen ausbleiben oder unspektakulär bleiben, hat Apple noch einen Trumpf im Ärmel. Die Chancen stehen sehr gut, dass Apple die Gelegenheit nutzt – schliesslich sitzen mit den Tausenden Entwicklern viele potenzielle Kunden im Publikum –, um den Mac Pro, einen neuen Hochleistungscomputer, vorzustellen.

Bereits vor zwei Jahren hat Apple einen solchen für 2019 in Aussicht gestellt. Mit einem sehr hohen Preis und noch mehr Leistung richtet sich der zwar nur an Profis mit grossem Portemonnaie, er dürfte aber auch ähnlich wie die Formel-1-Boliden der Autokonzerne bewundernde Blicke auf sich ziehen, Fans erfreuen und längerfristig technologische Errungenschaften auch an günstigere Modelle abtreten. Nebst dem Mac Pro dürfte Apple auch einen nicht minder professionellen oder minder günstigen Monitor vorstellen.

Siri

Auffällig still ist es in der Gerüchteküche um Apples Sprachassistentin Siri (und ihren Lautsprecher, den Homepod). Dabei wäre hier das Potenzial für ein paar geschickte Verbesserungen besonders gross. Ausgerechnet Google hat vor rund einem Monat vorgeführt, dass Sprachassistenten auch ohne Internetverbindung funktionieren können. Gerade das auf Datenschutz fokussierte Apple wird da nicht untätig zusehen wollen.

Wenn Apple nun verkünden würde, dass mit iOS 13 Hunderte Millionen iPhones eine Offline-Siri bekommen, sähe Google schon wieder alt aus. Schliesslich, hat der Suchkonzern den Offline-Assistenten erst für künftige Smartphones der eigenen (und nicht besonders erfolgreichen) Pixel-Reihe angekündigt.

Da Apple letztes Jahr schon Googles Chef für künstliche Intelligenz abgeworben hat, kann Googles Offline-Spracherkennung den iPhone-Konzern also nicht auf dem falschen Fuss erwischt haben.

Apples Entwicklerkonferenz startet heute um 19 Uhr mit einer rund zweistündigen Präsentation. thunertagblatt.ch/Newsnetz tickert den Event live.

Falls Sie schon im Vorfeld mit den neusten Infos aus San José versorgt werden wollen oder eine Frage haben, finden Sie unseren Autor auf Twitter oder bei Telegram.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt