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Ein Falt-Handy für über 2000 Franken – Top oder Flop?

Samsung hat Details zum Galaxy Fold verraten – aber längst nicht alle.

Luxus-Spielerei oder alltagstauglich? Samsungs Handy-Chef zeigt das Galaxy Fold.
Luxus-Spielerei oder alltagstauglich? Samsungs Handy-Chef zeigt das Galaxy Fold.
Keystone
Ein grosser Falt-Bildschirm innen und ein kleiner aussen: das ist das Galaxy Fold.
Ein grosser Falt-Bildschirm innen und ein kleiner aussen: das ist das Galaxy Fold.
Keystone
Apps wie Youtube oder Microsoft Office seien bereits für das neue Bildschirmformat optimiert, verspricht Samsung. Man könne bis zu drei Apps parallel nutzen.
Apps wie Youtube oder Microsoft Office seien bereits für das neue Bildschirmformat optimiert, verspricht Samsung. Man könne bis zu drei Apps parallel nutzen.
Samsung
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Nun weiss man also, wie es heisst (Galaxy Fold), wie es aussieht (ziemlich langgezogen und mit zwei Bildschirmen), wann es erhältlich sein wird (ab Ende April), wann es in die Schweiz kommt (im zweiten Quartal), was es kosten wird (ab 2000 Euro, also über 2200 Franken) und was drin steckt (viel Speicher, 5G und ein kleiner Akku).

Video: Das Falthandy von Samsung

Das Galaxy Fold kostet knapp 2000 Dollar. Video: AFP

Nach wie vor unklar ist, wie gut und vor allem wie alltagstauglich das Galaxy Fold ist respektive sein wird. Gezeigt wurde das Gerät nämlich nur auf der Bühne des San-Francisco-Events. Ausprobieren konnten es geladene Journalisten und Analysten dort genau so wenig wie an der Veranstaltung in London, die wir auf Einladung besuchten.

Offen bleiben also zahlreiche Fragen:

  • Wie dick und schwer fühlt sich das Falt-Handy in der Hand an?
  • Wie intuitiv und vertrauenserweckend funktioniert der Faltmechanismus?
  • Was taugt die Software und wie sieht es mit Apps aus, die nicht vorab für das neue Gerät optimiert wurden?
  • Wie lange halten die zwei Akkus, die nur minimal mehr Kapazität haben, als aktuelle Top-Handys mit deutlich weniger Bildschirmfläche?

Persönlich frage ich mich aber vor allem, ob ein Gerät mit zwei Bildschirmen (einem kleinen auf der Front und einem grossen auf der Rückseite) und insgesamt sechs Kameras wirklich die eleganteste Lösung ist. Nur ein Beispiel: Dank biegbaren Materialien könnte man die selbe Kamera doch als Selfie-Cam und als Fotokamera nutzen, aber Samsungs Ingenieure waren da ganz offensichtlich anderer Meinung.

Auch der hohe Preis sorgt erwartungsgemäss für Diskussionen. Einerseits hat Samsung wiederholt darauf hingewiesen, dass es sich um ein Luxus-Gerät handle. Andererseits zeigen Tweets wie dieser, was man für diesen Preis auch bekommen könnte:

Noch viel zu tun

Dass Samsung nun an der dritten Präsentation in Folge nicht reinen Tisch gemacht und das Galaxy Fold ausprobieren lassen hat, ist einerseits enttäuschend, anderseits aber auch ein klarer Hinweis, dass hinter den Kulissen noch auf Hochtouren an der Software gearbeitet wird.

Dass das Galaxy Fold trotzdem immer wieder gezeigt wird, obwohl es damit den anderen Samsung-Produkten, die viel dringender ein Erfolg werden müssen, die Show stiehlt, hat vor allem damit zu tun, dass sich der Konzern nach ein paar flauen Jahren wieder als Innovationsführer inszenieren möchte.

Keine Hexerei

Denn falt- und biegbare Bildschirme sind inzwischen keine Hexerei mehr. Erste unbekannte (und bald wieder vergessene) Hersteller haben bereits erste Geräte gezeigt oder gar in den Verkauf gebracht. Doch die dürften den Weltmarktführer kaum beunruhigen.

Der Hauptgrund für das Tempo und die Salamitaktik bei Samsung dürfte mit dem grössten Konkurrenten des Konzerns zusammenhängen. Huawei hat Samsung in den letzten Jahren nicht nur mit einer ähnlichen Strategie, wie sie Samsung vor Jahren im Duell mit Apple angewendet hat (mehr Innovationen, geschicktes imitieren/inspirieren lassen, lautes Marketing und tiefere Preise) das Leben schwer gemacht. Schon diesen Sonntag wird der chinesische Konzern dem Vernehmen nach ebenfalls ein Falt-Handy vorstellen.

Raus damit!

Da wollte und konnte Samsung nicht länger im Geheimen werkeln. Dass das Galaxy S10, der erhoffte Verkaufshit des Konzerns, dabei aufmerksamkeitstechnisch unter die Räder kommt, hat man offensichtlich in Kauf genommen.

Wir Konsumenten können derweil diese Entwicklung ganz entspannt verfolgen. Denn bei diesen neuartigen und irgendwann sicher alltagstauglichen Faltgeräten gilt einmal mehr die goldene Regel des Gadget-Kaufs: Kauf nie ein Gerät der ersten Generation. Gerade wenn es um die 2000 Franken kostet.

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