Ein iPad Pro zum halben Preis?

Alltagstest

Das neue Apple-Tablet kann fast alles, was das teurere Modell kann. thunertagblatt.ch/Newsnetz hat es im Alltag getestet.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Man kann das neue iPad (ab 379 Franken) aus zwei Perspektiven betrachten. Wer leistungsfähige Laptops oder Tablets mit Tastatur und Stift (wie das Surface oder das iPad Pro) schätzt und für Beruf und Hobby braucht, sieht im neuen iPad ein abgespecktes Spar-Tablet, dem nützliche und tolle Funktionen wie Stereo-Lautsprecher oder der fantastische Bildschirm vorenthalten wurden.

Aber es gibt auch die andere Perspektive. Nämlich die von jemandem, der einfach gerne ein gutes Tablet für so wenig Geld wie möglich hätte. Wer weiss, vielleicht möchte er einen veralteten und ungeliebten Billig-Laptop ersetzen oder er hätte nur gerne ein etwas schnelleres und neueres Tablet. In beiden Fällen ist das neuste iPad eine sehr spannende Option.

Mehr Tempo

Aber was ist daran überhaupt neu? Nicht viel (was man im Alltag auch merkt oder sieht): Das Design ist abgesehen von der neuen Goldfarbe identisch. Auch Bildschirm, Kamera, Gewicht (469 Gramm) und Akku (10 Stunden) sind gleich, aber allesamt mehr als gut genug geblieben. Der Prozessor ist etwas neuer, aber nicht brandneu. Er steckt auch im iPhone 7 von 2016.

Aber seien wir ehrlich, man muss das iPad schon bis an die Grenzen strapazieren, um im Alltag in Sachen Tempo einen Unterschied zum teureren iPad Pro (oder manchem Laptop) überhaupt zu merken.

Wenn man etwa 30 hochauflösenden Fotos in der Affinity-App (Mit diesen 9 Apps wird das iPad zum Profi-Tablet) zu einem Panorama zusammenrechnen lässt, dauert das auf dem iPad eine Viertelstunde, auf dem iPad Pro ist man fünf Minuten schneller. Aber wer ausser dem Autor macht das schon?

Selbiges gilt für drei nebeneinander geöffnete Apps. Auch da dürfte kaum jemand merken, dass beim iPad anders als beim iPad Pro nicht alle drei aktiv sind. Aber wie gesagt, wer ausser dem Autor macht das schon regelmässig?

Endlich mit Stift

Die spannendste und beste Neuerung hat einen kostspieligen Haken. Man profitiert davon nur, wenn man für 109 Franken den Apple-Stift kauft. Bis anhin konnte man mit dem Stift nur auf den teureren Pro-iPads malen, zeichnen, skizzieren und schreiben.

Nun funktioniert der Stift auch auf Apples günstigstem Tablet. Natürlich gab es schon früher günstigere Stifte für Tablets. Doch die offiziellen und deutlich teureren Stifte der Hersteller funktionieren um Längen besser und können auch mehr.

Da der Stift nun auf allen Apple Tablets (ausser dem iPad Mini) funktioniert, dürften die sowieso schon guten Stift-Apps nur noch besser werden. Je grösser das potenzielle Publikum, desto grösser das Interesse von App-Entwicklern.

Wie im Vorjahr

Abgesehen von diesen zwei Neuerungen (Prozessor und Stift) gilt für das neue iPad, was für das letztjährige Modell schon galt. Es ist ein rundum idealer Alltags- und Familen-Computer. Oder wie ich vor einem Jahr schon schrieb:

«Das Beste am neuen iPad ist sein Preis. Wer ein Tablet möchte und damit in erster Linie im Netz surfen, ein paar E-Mails schreiben, Fotos anschauen und die eine oder andere App nutzen möchte, kann mit dem neuen iPad nichts falsch machen – zumal man mit dem iPad Zugang zum komplettesten Tablet-Ökosystem bekommt.»

Heute muss man sich schon gut überlegen, ob man den Aufpreis für ein iPad Pro noch zahlen will. Das neue iPad ist zwar nicht ganz ein iPad Pro zum halben Preis, aber mit ein paar Kompromissen ein deutlich günstigeres (und etwas kleineres) Fast-Pro.

Ein guter Grund fürs Pro

Den gewichtigsten Unterschied zum Pro kritisierte ich bereits vor einem Jahr. Damals monierte ich, dass man den offiziellen Stift und die magnetische Andock-Tastatur nicht auf dem günstigen iPad nutzen kann. Immerhin den Stift hat Apple nun nachgereicht.

Dass man das Tablet weiterhin nicht magnetisch mit einer Tastatur verbinden kann, ist – Preis hin oder her – enttäuschend. Besonders, weil Apple das Tablet auch Schulen schmackhaft machen möchte.

Apple weiss um den Mangel und hat zusammen mit Logitech eine etwas klumpige Andock-Tastatur-Hülle vorgestellt, die ohne Bluetooth auskommt. Doch die ist nur eine Notlösung für Schulen, die am Prüfungstag ein Bluetooth-Chaos verhindern wollen.

Erträglich, aber nicht ideal

Privat kommt man mit einer Bluetooth-Tastatur ziemlich gut durch den Alltag. Hin und wieder gibts allerdings Verbindungsprobleme und aufladen muss man sie auch gelegentlich.

Wer einmal ein iPad Pro oder ein Surface-Tablet genutzt hat, möchte den magnetischen Tastatur-Anschluss nicht mehr missen. Kein Laden, keine Verbindungsprobleme. Klick, und es funktioniert. Nicht zuletzt dieser Anschluss macht das iPad Pro zum bequemsten Computer, den ich je hatte.

Wie ein Macbook ohne Touchpad

Schade, verzichtet Apple beim kostengünstigen iPad auf diesen Anschluss. Man stelle sich vor, Apple würde nur beim teureren Macbook Pro ein Touchpad einbauen. Bei den günstigeren Macbooks müsste man den Mauszeiger mit Pfeiltasten bewegen oder eine USB-Maus anschliessen.

Hoffentlich gibt sich Apple nächstes Jahr einen Ruck und reicht den Anschluss nach. Erst Tastatur und Stift machen das iPad komplett – egal zu welchem Preis.

Einer hat das übrigens immer schon gewusst. 2010 nach seiner Meinung zum iPad gefragt, gab sich der Microsoft-Gründer Bill Gates vom reinen Touchscreen-Gerät unbeeindruckt: «Längerfristig wird sich etwas mit Tastatur, Stift und Sprachsteuerung durchsetzen.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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