Zum Hauptinhalt springen

iPhone-Scanner mit Leim und Folie gehackt

Der neue Scanner des iPhone wurde schon nach zwei Tagen geknackt. Ob man biometrische Daten statt Passwörtern nutzen soll, ist grundsätzlich umstritten. Datenschützer fürchten den Gewöhnungseffekt.

Biometrische Daten statt Passwörter machen Datenschützer nervös: Das neue iPhone 5S mit Fingerabdruckscanner. (Archivbild)
Biometrische Daten statt Passwörter machen Datenschützer nervös: Das neue iPhone 5S mit Fingerabdruckscanner. (Archivbild)
Reuters

Am Verlauf des Aktienkurses des Unternehmens Precise Biometrics kann man den jüngsten Hype um das Geschäft mit der Biometrie gut ablesen. Seit Anfang des Jahres hat sich der Kurs der schwedischen Firma zeitweise mehr als verfünffacht.

Im Kursverlauf sind zwei Spitzenwerte gut erkennbar: Am 4. September verdichteten sich die Hinweise, dass das neue iPhone-Modell mit einem Fingerabdrucksensor ausgerüstet wird. Und am 10. September bestätigte Apple-Chef Tim Cook genau dieses Gerücht. Darauf war die Precise-Biometrics-Aktie so viel wert wie nie zuvor. Heute geschah genau das Gegenteil: Nachdem der Chaos Computer Club gemeldet hat, dass es ihm gelungen ist, den Fingerabdruckscanner des neuen iPhone zu knacken, stürzte der Kurs um über 20 Prozent ab.

Aus Laptops wieder verschwunden

Fingerabdruckleser für Computer und Smartphones sind keine Erfindung von Apple. Notebook-Hersteller wie Lenovo bieten schon seit Jahren bei bestimmten Modellen die Option an, mit einem Fingerwisch die Bildschirmsperre aufzuheben. Bislang konnte sich dieses Feature aber nicht durchsetzen. Fingerabdrucksensoren bei Notebooks sind weitgehend verschwunden. Einerseits, weil sie nicht besonders zuverlässig waren. Andererseits gab es zum Teil Sicherheitslücken, die den Computer nicht sicherer, sondern unsicherer machten.

Auch bei den Smartphones gab es schon mehrere Anläufe mit Sensoren für Fingerabdrücke. Allerdings waren Hersteller wie HTC und Toshiba mit einer Lösung für das Betriebssystem Windows Mobile genauso wenig erfolgreich wie Motorola mit seinem Android-Smartphone Atrix.

Fingerabdruck kann man nicht wechseln

Manche Experten glauben, dass mit dem iPhone 5S eine neue Ära für die Biometrie im Massenmarkt anbricht. Mit dem Fingerabdruckscanner im Home-Button soll der Besitzer nicht nur das Telefon entsperren, er kann damit auch seinen Einkauf im iTunes-Store von Apple bezahlen.

Allerdings ist die Skepsis gross – nicht nur seitens der Kunden. Datenschützer in Deutschland und der Schweiz raten davon ab, Fingerabdrücke für alltägliche Authentifizierungsverfahren abzugeben. Und zwar nicht nur, weil sie die Technik nicht für sicher halten. Sondern weil sie biometrische Zugangssysteme grundsätzlich kritisch betrachten.

«Schon gar nicht aus Bequemlichkeit»

«Wir stellen einen anhaltenden Trend fest, dass immer mehr mit biometrischen Daten wie Fingerabdrücken gearbeitet wird», sagte Eliane Schmid, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Je mehr biometrische Daten preisgegeben würden, desto grösser sei das Risiko für ihren Missbrauch oder sogar Diebstahl. «Das Problem ist, dass biometrische Daten nicht austausch- oder ersetzbar sind.» Schmid rät daher zur Zurückhaltung. Als Benutzer müsse man sich bewusst sein, dass der Einsatz biometrischer Daten heikel sein könne und man selbst verantwortlich sei, wofür man diese freigeben wolle.

Auch der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar äusserte sich im «Spiegel» sehr ähnlich. Er fürchtet zudem einen Gewöhnungseffekt: «Plötzlich scannen wir wie selbstverständlich unsere Iris oder unser Gesicht, um uns in ein soziales Netzwerk einzuloggen.» Es gelte der «Grundsatz der Datensparsamkeit»: «Wo es nicht sein muss, sollte man seine biometrischen Daten auch nicht hinterlassen. Schon gar nicht aus Bequemlichkeit.»

SDA/aba

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch