Keine Angst, Ihr Google-Konto wird nicht gelöscht

Ein E-Mail des Techkonzerns verunsichert Nutzerinnen und Nutzer. Zum Glück ist alles viel harmloser, als es klingt.

Langes Mail, grosse Aufregung: So informiert Google über das Ende von Google+. Nicht das Ende von Google.

Langes Mail, grosse Aufregung: So informiert Google über das Ende von Google+. Nicht das Ende von Google.

(Bild: zei)

Rafael Zeier@RafaelZeier

«Wird mein Google-Konto gelöscht?», «Wie kann ich verhindern, dass mein Google-Konto gelöscht wird?» oder «Ist dieses Mail ein Betrugsversuch?»

Solche und ähnliche Hilferufe aus meinem privaten Umfeld begannen sich letzte Woche zu häufen. Selbst die eigene Mutter, die dank einem iPad praktisch ohne Techsupport meinerseits auskommt, wusste nicht mehr weiter.

Googles Altlasten

Was war passiert? Alle hatten sie dasselbe Mail von Google (Also schon mal kein Betrugsversuch!) bekommen. Das Mail stammt vom Google+-Team, und im Titel steht: «Dein privates Google+ Konto wird am 2. April 2019 gelöscht.»

Wer sich tagein, tagaus mit Technologie beschäftigt, weiss sofort, worum es geht. Google schliesst keine Google-Konten, sondern nur sein gescheitertes und nach mehreren Sicherheitslücken ziemlich unsicher gewordenes soziales Netzwerk namens Google+.

Viele Ressourcen, wenig Erfolg

2011 wurde der als Facebook-Konkurrent geplante und mit fast uneingeschränkten internen Ressourcen ausgestattete Dienst mit grossem Werbe-Tamtam vorgestellt. Ein paar neue Funktionen liessen aufhorchen, doch ein Facebook-Konkurrent wurde Google+ nie.

Schliesslich verlor man auch bei Google selbst die Hoffnung, und der Dienst wurde entbündelt. So wurde zum Beispiel Google Fotos zu einem eigenständigen und sehr erfolgreichen Dienst.

Unwissentlich dabei

Eine Folge des Google+-Übermuts der ersten Jahre war, dass eben nicht nur interessierte Nutzerinnen und Nutzer in das soziale Netzwerk aufgenommen wurden, sondern auch völlig uninteressierte, wie meine Mutter, die eigentlich nur an Googles E-Mail-Dienst interessiert waren.

Und darum hat sie – und viele weitere Google-Nutzerinnen und -Nutzer – nun dieses Mail bekommen, das sie darüber informiert, dass ein Dienst, für den sie sich nie angemeldet hat und den sie nie genutzt hat, eingestellt wird.

Das Plus macht den Unterschied

Als wäre das für einen Weltkonzern nicht schon peinlich genug, rächt sich nun auch noch der Name des sozialen Netzwerks. Wer nicht genau hinschaut, sieht nur Google. Das Plus-Zeichen am Ende des Namens kann man schon mal übersehen. Gerade wenn man sich dessen Bedeutung nicht bewusst ist.

Man mag nun anmerken, wer nur Absender und Titel eines Mails liest, sei selber schuld. Doch selbst wenn man das ganze E-Mail liest, wird man als Laie nicht schlauer. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie man als Technologiekonzern nicht mit seinen Nutzerinnen und Nutzern umgehen sollte.

Wenig hilfreich

Nicht ein einziges Mal wird erklärt, was Google+ denn überhaupt ist oder war. Und schon gar nicht, dass die anderen Google-Dienste von der Löschung nicht betroffen sind. Es wird vorausgesetzt, dass jeder Google+ kennt. Kommt dazu: Der Link, der mehr Details verspricht, führt zu einem englischsprachigen Blog-Artikel.

Dass Google mit aus der Gunst gefallenen Diensten wie dem Google Reader, Hangouts oder Inbox unzimperlich aufräumt, ist hinlänglich bekannt, und dass man Google+ so schnell wie möglich loswerden möchte, ist sehr gut nachvollziehbar. Doch etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte einmal mehr nicht geschadet.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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