Ein wiederkehrendes Berner Unding

Schon wieder verspielt der SCB einen klaren Vorsprung. Trotz 4:1-Führung bei Spielhälfte bei den Rapperswil-Jona Lakers reicht es am Ende bei der 4:5-Overtime-Niederlage nur zu einem Punkt.

Enttäuscht ziehen die Berner von dannen.

Enttäuscht ziehen die Berner von dannen.

(Bild: Keystone)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Waren die ersten Sekunden an diesem Abend in der St. Galler Kantonalbank Arena bereits ein Vorbote dafür gewesen, was da einiges später noch alles passieren sollte? Und nicht bloss eine Aneinanderreihung kurzer schlechter Momente, flüchtiger Konzentrationsfehler, über die nach dem Spiel keiner mehr reden würde?

Denn auch der letzte Eindruck, den der SCB an diesem Freitagabend hinterliess, der bleibende, der war nicht bloss nicht gut, der war so richtig schlecht. Die Berner wirkten phasenweise desolat im Spielaufbau, wirr vor dem eigenen Tor, wenn der Gegner Druck erzeugte – und vor allem, und das war das Schlimmste, lauffaul nach dem klaren Vorsprung. Der SCB wollte gar nicht mehr kontern.

Das ärgerte auch Ramon Untersander, dem Berner Verteidiger im Topskorer-Dress: «Genau darum geht es. Wir warten und schauen, was der Gegner macht. Du gibst ihnen mal für mal die Chance zum Angreifen.»

Die trügerische Coolness

4:1 hatten die Berner bei Spielhälfte geführt, dieses 4:1 hatte Untersander erzielt, es war ein Tor mitten ins Rapperswiler Kämpferherz gewesen. Die Lakers hatten sich nach einem Horrorstart aufgerafft gehabt, hatten zum 1:3 verkürzt, schienen endlich angekommen zu sein in diesem Spiel.

Untersanders Tor hätte dem SCB also Ruhe verleihen sollen, dafür sorgen, dass die Berner den Vorsprung souverän verwalten, so wie sie das letzte Saison immer wieder mal taten – da reichte, gerade gegen die Lakers, meistens selbst ein knappes 2:1. Doch nun ist vieles anders.

«Es ist ja nicht zum ersten Mal diese Saison, dass wir einen Zwei- oder Drei-Tore-Vorsprung preisgeben», stellte Untersander konsterniert fest. «Wir haben schon mehrfach darüber gesprochen, irgendwann muss die Lernphase vorbei sein.»

Und damit zurück zu diesem Start. Und was war das für ein Start gewesen! Als die Emotionen ein erstes Mal den normalen Rahmen überbordeten und mit Justin Krueger und Daniel Vukovic die beiden Schwergewichte der beiden Abwehrreihen nur dank viel Einsatz der Linesmen auf einen Faustkampf verzichten mussten, waren erst vier Minuten gespielt und schon sehr vieles passiert.

Der SC Bern warf zunächst Fragen auf. Ein SCB, der sich gleich nach dem ersten Puckeinwurf auf ein zügelloses Hin und Her einlässt? Untypisch. Der SCB, der dazu nach keinen zwei Spielminuten auch noch zwei «Breakaway»-Situationen erlaubt, also solo auf den eigenen Goalie anstürmende Gegner? Noch viel untypischer.

Doch dass die Berner diesen wilden Start nicht nur schadlos überstanden, sondern nach gut dreieinhalb Minuten 2:0 führten, das hatte schon etwas von der Selbstsicherheit des Meisters – auch wenn es am Ende eine trügerische war.

Doch als sie die Tore durch Tristan Scherwey und Simon Moser erzielten, bewahrten die Berner kühlen Kopf in aufwühlenden Situationen, vor dem 0:2 reklamierten Rapperswiler Spieler wie Zuschauer ein Foulspiel Mosers, der sich vor dem Torschuss durch intensives, aber auch regeltechnisch grenzwertiges Forechecking Zugang zum Puck verschafft hatte. Mosers Wucht hätte mehreren Mitspielern gut getan, der Captain war einer der wenigen Berner Lichtblicke an diesem Abend.

Nun geht es am Samstagabend zu Hause gegen Davos, «und nun muss jeder reagieren», sagte Untersander. «Jeder ist persönlich verantwortlich, dass er um Viertel vor Acht parat ist und einen Riesenmatch spielt.» Nein, den Teufel an die Wand malen wollte der Verteidiger nicht. Aber auch er hat nicht vergessen, was dem letzten Meister vor Bern, dem ZSC , letzte Saison passierte. «Und wenn du mal in diesem Strudel bist, dann wird es immer schwieriger, da rauszukommen.» Noch ist Bern über dem Strich, bereits Davos kann das ändern.

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