Ekstatisch in der Kehrauspartie

Wacker gewinnt im letzten Finalrundenheimspiel der Saison beim 24:24 gegen Kadetten Schaffhausen dank eines Treffers in der Schlusssekunde einen Punkt.

Jubel in der Lachenhalle: Torschütze Damien Guignet feiert mit den Mitstreitern. Foto: Markus Grunder

Jubel in der Lachenhalle: Torschütze Damien Guignet feiert mit den Mitstreitern. Foto: Markus Grunder

Adrian Horn

Auf einmal verlässt Tom Kobel schnellen Schrittes die Lachenhalle. Der Speaker rennt Petr Hrachovec hinterher, dem Coach der Kadetten. Dieser hat offenbar vergessen, dass die bevorstehende Talkrunde im Foyer der Thuner Heimstätte mit ihm über die Bühne gehen sollte, und ist auf dem Weg zum Bus. Mit dem Tschechen im Schlepptau kehrt der Moderator zurück.

Wieder 24:24

Möglicherweise war Hrachovec auch nicht danach, Rede und Antwort zu stehen. Die Partie und vor allen Dingen deren Schlussphase hatten dem Trainer zugesetzt. 23:19 waren die Schaffhauser fünf Minuten vor dem Ende vorn gelegen. Gewonnen haben sie nicht. In der finalen Sekunde kassierten sie den Ausgleich. Damien Guignets Treffer war die Krönung einer mitreissenden Aufholjagd der Berner Oberländer. 24:24 lautete das Skore nach 60 Minuten – wie knapp zwei Wochen davor, als Wacker in der Verlängerung Cupsieger geworden war.

Der Jubel fiel ähnlich euphorisch aus wie damals, obwohl es sich um eine weit weniger wichtige Begegnung handelte. Das war der Dramaturgie und den Umständen geschuldet. Mit Nicolas Raemy und Nicolas Suter hatten dem Meister die wohl wichtigsten Akteure gefehlt, mit Ron Delhees, Thomas Lanz und Gabriel Felder standen weitere etablierte Kräfte nicht zur Verfügung. Und dennoch punktete Martin Rubins Team – gegen den Erzrivalen, der zwar gleichfalls Absenzen verzeichnete, aber eine Mannschaft aufs Feld brachte, die grossteils aus Nationalspielern bestand.

Der Punktgewinn der Gastgeber war zumindest nicht unverdient. Von Beginn weg hatten sie mitgehalten. Zur Pause sahen sie sich zwar mit einem Fünftorerückstand konfrontiert, aber auch nur deswegen, weil sie in den letzten Minuten der ersten Hälfte eine schwache Phase eingezogen, reihenweise Abspielfehler begangen hatten.

In Umgang zwei überzeugten unter anderen Marco Giovanelli und Simon Huwyler und damit Leute, die auf schwierige Monate zurückblicken. Das Selbstvertrauen des zuletzt vor allem für Partnerclub Steffisburg in der Nationalliga B engagierten Linkshänders – es dürfte gestiegen sein nach dem couragierten Vortrag vor 750 Zuschauern. Und Huwyler erinnerte mit seiner ausgesprochen leidenschaftlichen Art zu verteidigen an Vorgänger Viktor Glatthard.

Der Punkt hat eher emotionalen denn effektiven Wert. Wacker überholte in der Rangliste St. Gallen. Aber auf die Ostschweizer treffen die Thuner am Donnerstag in der letzten Partie der Finalrunde, und wenn sie da verlieren, war der Zähler gegen die Kadetten im Grunde umsonst.

Im Hinblick auf den Viertelfinal im Playoff ist die Platzierung ohnehin nicht sonderlich relevant. Mit Suhr oder – wahrscheinlicher – mit Bern werden es die Oberländer in der zweiten April-Hälfte zu tun kriegen. Und in Anbetracht der jüngeren Darbietungen werden sie in jedem Fall leicht favorisiert sein.

Wacker - Kadetten 24:24 (8:13)

SR Boshkoski/Stalder. – Strafen: je 5-mal 2 Minuten. – Wacker Thun: Wick; Holm (1), Linder (5), Dähler (2), Giovanelli (3), Wyttenbach (5/2), Friedli (2), Simon Huwyler, Guignet (4), Manse, Stefan Huwyler (1), Krainer (1). – Verhältnis verschossener Penaltys: 0:1.

Berner Zeitung

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