Doch noch Versöhnung für die Ronaldos im Stade de France

Cristiano Ronaldo muss gegen Frankreich bereits Mitte der ersten Hälfte verletzt ausgewechselt werden. Ihm wird sein grösstes Spiel genommen. Und am Ende jubelt er doch über seinen wertvollsten Sieg.

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Es ist, als ob die Fussballwelt stillstehen würde. Ausgerechnet dem aktuell für viele grössten Fussballer der Welt wird sein bisher grösstes Spiel genommen. Ausgewechselt werden muss Cristiano Ronaldo im EM-Final gegen Frankreich Mitte der ersten Halbzeit, nachdem er bereits in der 8. Minute von Dimitri Payet heftig am Knie getroffen wurde.

Ronaldo weint, er will mit der Bahre abtransportiert werden, damit wenigstens nicht die ganze Fussballwelt sieht, wie unendlich traurig er ist. Und man kann zu Cristiano Ronaldo und seinem Verhalten stehen, wie man möchte, aber dieser Abgang ist ganz einfach nur sehr, sehr bitter.

Der Kampf Ronaldos

Dabei versuchte es der Superstar. Zweimal ging er an die Seitenlinie, um sich intensiv behandeln zu lassen, obwohl er schon direkt nach dem Zweikampf mit Payet Signale gegeben hatte, dass es wohl nicht weitergehe.

Beim zweiten Mal liess er sich das Bein dick einbandagieren, aber auch das half nichts. Den nächsten Sprint konnte der 31-Jährige nicht durchziehen. Und die Kameras fingen das persönliche Drama Ronaldos in Grossaufnahme ein, einmal platzierte sich sogar eine der unzähligen Motten direkt auf seinem Auge, nachdem er wegen Schmerzen zu Boden gesunken war.

Weil in der Nacht zuvor alle Scheinwerfer des Stade de France nicht abgeschaltet worden waren, schwärmten die vielen vom Licht angezogenen Motten auch noch den ganzen Sonntag in der Arena umher.

Wie Ronaldo 1998

Ronaldos Ausfall ist so etwas wie ein tiefer und mieser Griff in die Mottenkiste. Denn das Stade de France ist keine gute Spielstätte für grosse Ronaldos, wenn es um grosse Spiele geht. Vor 18 Jahren war es der andere äusserst berühmte Ronaldo, heute als «der dicke Ronaldo» bekannt, der im WM-Final in Paris mit Brasilien einen unfassbar bitteren Abend erwischte.

Bis heute ist nicht geklärt, unter was der damals beste Stürmer der Welt litt. Er stand 1998 bei der 0:3-Niederlage Brasiliens gegen Frankreich völlig neben sich, nachdem er am Nachmittag einen schweren krampfartigen Anfall erlitten hatte.

Die Brasilianer waren geschockt wegen des miesen Gesundheitszustandes Ronaldos, der auch aus werbetechnischen Gründen spielen musste. Sie wärmten sich nicht einmal richtig auf und gingen gegen den Gastgeber mit dem überragenden zweifachen Torschützen Zinedine Zidane chancenlos unter.

Das passierte den Portugiesen am Sonntagabend gegen den gleichen Gegner nicht. Ohne Ronaldo fehlte ihnen zwar die Gefährlichkeit in der Offensive, aber sie verteidigten solidarisch und setzten sich am Ende 1:0. Ironie der Geschichte: Torschütze Eder wäre vermutlich kaum eingewechselt worden, wenn sich Ronaldo nicht verletzt hätte.

Dieser durfte dann kurz vor Mitternacht den EM-Pokal in die Pariser Luft halten. Das gewaltige Feuerwerk im Stade France bildete den prachtvollen Rahmen von Portugals Feier.

Und auch die Franzosen übrigens erlebten schon eine Art Ronaldo-Moment auf allergrösster Bühne. Das war 2006 im WM-Final, und damals war Zidane der Verlierer, als er in Berlin den Italiener Marco Materazzi mit einem Kopfstoss attackierte. Die Franzosen trauerten. Wie am Sonntagabend. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.07.2016, 06:33 Uhr

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